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Zur Ruhe kommen

Foto: Netzer Johannes - stock.adobe.com

Auch die „stillste“ Zeit im Jahr ist meistens ganz schön laut. Als Teil der Natur braucht jedoch auch der Mensch Ruhe, und die dunklen Winterabende sind wie geschaffen für Besinnung und Stille.

Still war und ist der Advent eigentlich nie, denn zur Tradition gehören Adventmärkte, Einkaufstrubel, Konzerte, mitunter hektische Vorbereitungen für das Weihnachtsfest. Dabei wären die langen Winter­abende wie geschaffen für Besinnung und Stille, um uns selbst zu finden und die Gegenwart Gottes neu wahrzunehmen. Dass Gott nicht im Lärm und Trubel spricht, das zeigt die biblische Erzählung vom Propheten Elija (1 Könige 19,11-12): Nicht im Sturm, im Erdbeben, nicht im Feuer offenbart sich Gott, sondern im sanften, leisen Säuseln des Windes hört Elija die Stimme Gottes. Doch sogar ins Kloster scheint der akustische und visuelle „Lärm“ der Zeit einzudringen. „Es ist zu laut geworden“, meint Zacharias Heyes, Benediktinermönch in der Abtei Münsterschwarzach, in seinem Buch „Der kleine Mönch und die Sache mit der Stille“. Die Ursachen für die Unruhe sieht er in Geräuschen von Handys, Fernsehen, Musik, aber auch der Flut an Anfragen, die ihn erreichen, und die Erwartung vieler Menschen, gleich eine Antwort zu bekommen.

Der heilige Benedikt rät den Mönchen zunächst einmal zur Schweigsamkeit: Bevor man den Mitmenschen mit Fragen und Klagen gleich in Beschlag nehme, solle man ihn zunächst einmal  wahrnehmen. Benedikt warnt zudem vor Geschwätzigkeit: dem Reden um des Redens willen. Seine Ordensregel beginnt der Ordensgründer mit dem Wort „Höre!“ und er lädt ein, auf das Innere zu hören und zu sich selbst zu finden. „Der Mensch darf das entdecken, was ihm und seiner Seele gut tut“, schreibt Pater Zacharias.

Der Benediktinermönch beobachtet bei den Menschen eine wachsende Sehnsucht nach Stille, wobei diese bei vielen Gäs­ten der Abtei zunächst Unruhe und Nervosität auslöse. „Jene, die es wagen und aushalten, spüren oft, dass etwas in ihnen in Bewegung kommt – und manchmal auch wieder ins Lot“, meint Pater Zacharias. In der Stille erfahre man das Gefühl: Ich bin getragen und aufgehoben.
Eigentlich macht die Natur es uns vor: Im Winter zieht sich das Leben zu­rück, Ruhe senkt sich über das Land. Bei einem Spaziergang im Wald hört man nur die eigenen Schritte, den eigenen Atem. Als Teil der Natur braucht der Mensch diese Zeiten der Ruhe. Diese kann sich einstellen, wenn man beispielsweise

- ein wenig langsamer geht als sonst
- bewusst wahrnimmt: die Füße am Boden, den Atem, die Geräusche der Umgebung
- den Blick auf schöne Dinge richtet: einen Vogel, die Wolken am Himmel, eine Kerzenflamme …
- einen Winterspaziergang macht
- den Sonnenuntergang betrachtet
- Prioräten setzt in den Dingen, die zu tun sind.

Buchtipp: Zacharias Heyes, Der kleine Mönch und die Sache mit der Stille, Vier-Türme-Verlag 2019, 128 Seiten, Preis 12,40 Euro.

 

„Stille ist für Kinder sehr wichtig“

Kindergartenpädagogin Anna Ruschka hat viel Erfahrung im Umgang mit Kindern.

Bei Kindern sollte auf jeden Fall das Grundbedürfnis nach Bewegung gestillt sein. Stilles Zurückziehen wird vor allem durch das Vorbild der Eltern als nachahmenswert erfahren: ein Buch lesen oder einfach still in einem bequemen Sessel sitzen. Die Pädagogin und Ordensfrau Margarete Schörl hat den Tagesablauf im Kindergarten immer so gestaltet, dass die Kinder in einer ersten Spielphase alles, was sie emotional erlebten, im Spiel „herauspielen“  und in einer zweiten Spielphase sich zurückziehen konnten.
Wenn Kinder sich gerade intensiv still beschäftigen, sollte man mit den nächsten Vorhaben (Mittagessen, schlafen gehen …) noch etwas warten und sich darüber freuen, wie konzentriert sich Kinder aus einer inneren Motivation heraus mit Dingen auseinandersetzen können. 
Wenn wir selbst die Stille in der Natur als etwas Angenehmes erleben, können wir Kinder einladen, auf die Stille aufmerksam zu werden.

 

Zur Ruhe kommen mit Schülern

Marion Mühlbauer-Stiefvater unterrichtet Religion am BORG/BRG St. Pölten.

Der Advent ist für viele Schüler eine stressige Zeit mit zahlreichen Tests und Schularbeiten. Marion Mühlbauer-Stiefvater wollte im Unterricht einen ruhigen Kontrapunkt setzen und den Jugendlichen der dritten Klassen Gelegenheit zum Durchatmen geben – auch weil viele sehr mit dem Internet beschäftigt sind. Zuerst erstellten die Schüler zwei Listen: Was ist mir wichtig? Was ist mir unwichtig? Da wurde bereits deutlich, dass Nicht-Materielles wie Freundschaft und Familie viel mehr zählt als Gegenstände. Danach dachten die Jugendlichen darüber nach, wofür sie ihre Zeit tatsächlich oder idealerweise verwenden (möchten). Anhand von Stationen führten schließlich Fragen zum bewussten Wahrnehmen des Hier und Jetzt: Was höre ich im Moment? Wann werde ich innerlich still? Zwei Bibelstellen, in denen es um das Hören ging, regten zum Weiterdenken an: Eigentlich braucht es die Stille, um richtig hören zu können.