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„Wir brauchen Begeisterung“

Inge Patsch ist begeistert von Viktor Frankls Logotherapie, von der Natur und der Musik. Sie ist überzeugt, dass Begeis­terung im Leben aller Menschen notwendig ist und eine Kraftquelle darstellt, die dem Leben Sinn gibt.

Woran hängt dein Herz? Was liebst du? Wonach fragt uns das Leben, wenn wir zeigen wollen, was wir lieben? Es fragt uns nicht nach Funktionen, die messbar sind, oder nach Geboten, welche wir erfüllen sollen, sondern nach Begeisterung, Lebensfreude und Dankbarkeit. Wesentlich ist, dass wir erkennen: Der Mensch ist mehr als eine klaglos funktionierende Maschine, die auf Knopfdruck bedient werden kann.

Interesse am Leben behalten

Ich bin davon überzeugt, dass wir Begeisterung brauchen. Denn was wäre die Alternative? Resignation? Eine Absage an jede Form von Leidenschaft? Ja, ich bin überzeugt davon, dass wir Begeisterung brauchen. Begeis­terung ist eine Kraftquelle, die unser Interesse am Leben lebendig hält. Meine Großmutter schrieb im Alter von 96 Jahren in ihr Tagebuch: „Verstand, Interesse und Denken mögen mir bleiben – so hoffe ich zu Gott.“ Nach diesem Eintrag lebte sie noch acht Jahre und ihr Interesse an Menschen, an der Natur und an der Welt hielt sie bis kurz vor ihrem Tod aufrecht. Sie konnte sich für Literatur begeis­tern und für Sport. Mit großer Begeisterung brachte sie ihren Urenkelkindern diverse Kartenspiele bei und interessierte sich eingehend für das, was sie in der Schule lernten.

Viktor E. Frankl sprach in seiner Logotherapie – der dritten Wiener Schule der Psychotherapie – davon, dass wir Sinn erleben, in dem wir Werte verwirklichen. Wertvoll empfinden wir das, was uns berührt und von dem wir möchten, dass es wächst und gedeiht. Ich kann mir kein besseres Leben vorstellen, als eines, das der glühenden Begeisterung für eine Sache gilt. Natürlich gibt es auch auf dem Weg der Begeisterung Stolpersteine. Stolpersteine gehören zum Leben und niemand kann sie vermeiden. Die Begeisterung ist die Kraft, die das Leben liebt, und daher können wir auch Stoplersteine bewältigen. 

„… trotzdem Ja zum Leben sagen“

Viktor E. Frankl hat uns viel Bereicherndes mitgegeben. Sein „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ erinnert uns daran, dass wir stärker sein können als das, was uns kleinzumachen droht. Dazu ist es notwendig, dass wir einen frischen Blick auf die Welt und die Menschen wagen, und dann finden wir auch das, was uns begeistert. 

Manche Menschen vermeiden Begeisterung, aus Angst enttäuscht zu werden. Bei anderen verwandelt sich Begeisterung in fanatisches Bemühen, ein Ziel um jeden Preis zu erreichen. Verbissenheit ist jedoch die Begeisterung, die von allen guten Geistern verlassen wurde.

Ganz besonders treffend hat Erika Pluhar, anlässlich eines Vortrages die Begeisterung beschrieben: „Der Mensch begeistert sich für etwas. Nicht sein Ich zählt dabei, sondern das Andere, dem die Begeisterung gilt. Und stets ist dieses Andere Teil des Lebens. Wer nie begeistert lebt, lebt nicht!“ Inge Patsch