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Wenn Jung und Alt zusammenhalten

Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sind alle helfenden Hände gefragt. Am Bauernhof der Familie Theuretzbacher in Ybbsitz leben und arbeiten drei Generationen zusammen – eine Familie, die zusammenhält.

Martina Theuretzbacher öffnet die hölzerne Haustür am Bauernhof in Ybbsitz. Am Arm trägt sie ihre acht Monate alte Tochter Aloisia. Um sie herum wuseln die zweijährige Helene und der vierjährige Kilian. In der gemütlichen Bauernstube warten schon Martinas Ehemann Alexander und ihre Mutter Rosi. Zu guter Letzt stößt dann noch Martinas Vater Franz zur Runde. Die Familie ist vereint – und das meist den ganzen Tag und das ganze Jahr über.

Leben und arbeiten

30 Milchkühe, 30 Hühner, zwei Zwergziegen für die Kinder und die Hündin Pia leben am Hof in der Prolling, einem Ortsteil von Ybbsitz. Seit einem Jahr gehört die Landwirtschaft offiziell Martina und ihrem Ehemann – die Arbeit verrichten aber nach wie vor alle miteinander: Altbauer Franz melkt die Kühe. Martina füttert währenddessen die Kälber und jene Kühe, die eben ein Kalb geboren haben. Und Alexander mistet aus und füllt das Futter bei den restlichen Tieren auf. Rosi hütet währenddessen im Haus die Kinder. Auch nach der Arbeit bleibt die Familie beisammen: Entweder Rosi oder Martina kochen zu Mittag für die ganze Familie. Kilian geht in den Kindergarten, seine beiden Schwestern sind noch zu Hause.

Für die Kinder ist diese Konstellation eine Bereicherung: „Sie haben immer Abwechslung. Kilian zum Beispiel geht gerne zum Opa. Wenn man zu zweit ist, hat man dagegen immer das Gleiche“, sagt Martina.
Für die 35-Jährige war schon immer klar, die Bäuerin am Hof zu werden. Sie besuchte die landwirtschaftliche Fachschule in Hohenlehen und wurde früh von ihrem Vater am Hof angelernt. Etwas, dass ihrem Ehemann Alexander erst viel später zuteil wurde – der Volksschullehrer aus München hatte nämlich „keine Ahnung“, wie die Arbeit am Bauernhof funktioniert. Eines aber lernte er bereits während seiner Zeit als Lehrer: „Es gibt keine bessere Schule fürs Leben als den Bauernhof. Die Bauernkinder waren immer die selbstständigsten.“

Auch auf ihrem eigenen Hof ist das so: „Wenn es stressig ist, müssen sie sich selbst etwas finden, womit sie sich beschäftigen. Aber sie sind immer in der Natur, immer draußen und dreckig“, sagt Martina. Und so fährt Kilian seinem Vater mit seiner eigenen Scheibtruhe, beladen mit Kraftfutter, im Stall hinterher und hilft mit. Dass alle Generationen zusammenhelfen, ist für Alexander in der Landwirtschaft sehr wichtig: „Gerade am Bauernhof ist die Generationenarbeit so wertvoll. Wenn jeder etwas beiträgt, hat man keinen Stress und am Ende des Tages das Gefühl, dass man etwas weitergebracht hat.“

Rückzugsort für beide Familien

Das Haus wird von allen Generationen genutzt, alle Schlafräume befinden sich im ers­ten Stock, die große Küche im Erdgeschoss. Trotzdem gibt es für beide Familien einen Rückzugsort. Dass rund um sie immer mehr Landwirtschaften aufgegeben werden, stimmt Martina nachdenklich, auch weil dadurch Brauchtum und Tradition verloren gehen: „Zu Weihnachten gibt es bei uns das traditionelle Rosenkranzbeten und Ausräuchern. Ich weiß nicht, ob ich das auch alleine tun würde.“

Auch wenn das Zusammenleben gut funktioniert, gibt es natürlich hin und wieder Unstimmigkeiten – doch die gibt es ebenso, wenn nur eine Generation zusammenlebt, meint Franz. Das Übergeben der Landwirtschaft funktioniert dann, wenn beide Seiten zusammenhelfen: „Die ältere Generation muss zeigen, wie es geht, und die Jungen müssen lernen“, sagt Alexander. Dass die Familie zusammenhält, bemerken auch Gäste: „Freunde staunen oft, wie eng wir alle sind. Sie merken diesen unausgesprochenen Zusammenhalt“, sagt Alexander. Die Arbeit und die Natur geben das Zusammenleben auf dem Ybbsitzer Bauernhof vor. Von Klein bis Groß, alle helfen zusammen – und erleben eine enge Bindung über Generationen hinweg. Daniela Rittmannsberger