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Was mich trägt - Anna Dober

Die Kirche - meine zweite Heimat. Porträt von Anna Dober, esnerin der Pfarre Haindorf, 97 Jahre, Witwe, drei Kinder, ein Enkelkind. Wenn Pfarrer P. Marian zum Gottesdienst kommt, ist schon alles penibel vorbereitet. Der Kelch und die Hostien, die Gewänder, und auch die Ministranten stehen parat. Seit 70 Jahren versieht Anna Dober, die gute Seele der Pfarre, ihren Dienst – und das mit großer Freude und Umsicht.

Früher war es schwieriger, erzählt sie. Gleich nach ihrer Hochzeit 1949 konnte sie mit ihrem Mann in den Pfarrhof einziehen. Damit verbunden war der Mes­ner­dienst mit allem, was dazugehört. Das war nicht wenig. Sie musste den Pfarrhof „in Schuss“ halten, die Kirche reinigen und den Blumenschmuck besorgen. Eine tägliche Herausforderung war das Läuten. 54 Jahre lang hat Frau Dober dreimal täglich händisch die Kirchenglocken geläutet: um 6 Uhr morgens, um 12 Uhr mittags und um 20 Uhr abends. Erst 2003 wurde ein elektrisches Läutwerk installiert.


„Ich war stets pünktlich“, erzählt sie. Das Läuten sei nie ausgefallen, sie sei auch nie krank gewesen – und Urlaub habe es auch nie gegeben. „Man musste im Pfarrhof stets erreichbar sein.“ Auch wenn sie nach Hochzeiten oder Begräbnissen eingeladen war – zum Läuten war sie stets wieder pünktlich in der Kirche. „Es war dennoch eine schöne Zeit“, blickt sie zurück.

Der Kirchenschmuck lag ihr besonders am Herzen. Mit Liebe pflegte sie den Pfarrgarten, um stets frische Blumen zu haben. Seit zehn Jahren besorgen nun die Ortschaften der Pfarre den Kirchenschmuck.
Früher hatte Anna Dober hoch über dem Altar auch die Engelfiguren gereinigt. „Es ist nie etwas passiert“, versichert sie. Noch heute spricht sie oft die Engel an: „Jetzt komm ich nicht mehr rauf, euch das Gesicht zu waschen“, ruft sie ihnen schmunzelnd zu.

Ihre größte Freude aber waren die Ministranten. „Die haben mir immer eine narrische Freud’ gemacht.“ Früher haben sie vor dem Ratschen im Pfarrhaus geschlafen und in der Früh bei ihr gefrühstückt, erinnert sich Frau Dober. Zum Abschluss haben ihr die Ratscher ein Os­tergeschenk versteckt. „Das musste ich suchen – vom Chor bis hinunter zum Stadel.“ Auf einem Foto sind ihre ehemaligen Ministranten zu sehen, von denen viele zu ihrem 90. Geburtstag gekommen sind. „Das war eines meiner schönsten Erlebnisse.“ „Ich bin nun die älteste von der Pfarre“, meint sie, doch ans Aufhören denkt sie nicht. „Wichtig ist mir, dass ich in der Kirche was tun kann.“ Und leise fügt sie hinzu: „Da ist mein Daheim, das ist meine zweite Heimat.“ Von Hans Pflügl