Wann Kinder sich geborgen fühlen

Die Kindergartenpädagogin Catherine Walter-Laager forscht an der Universität Graz u. a. über die Qualität von Kindergärten und -krippen und erzählt im Gespräch mit Kirche bunt, was es braucht, damit Kinder sich geborgen fühlen.

Wie muss ein Kindergarten sein, damit Kinder sich wohl und geborgen fühlen?

Catherine Walter-Laager: Für eine Studie haben wir weit über 2.000 Eltern und Pädagogen befragt, was ihnen am Herzen liegt in Bezug auf ihre Einrichtung. Über 80 Prozent haben geantwortet: Dass man liebevoll mit dem Kind umgeht und dass das Kind sich geborgen fühlt. Kollegen befragten auch die Kinder selbst, wann sie sich geborgen fühlen. Das Ergebnis: Sie brauchen die Nähe zu einem Menschen, sie wollen kuscheln und körperlichen Kontakt und sie wünschen sich jemanden, der für sie da ist. Es macht Kindern außerdem Freude, gemeinsam mit anderen etwas Schönes zu tun. 

Wie wichtig ist das Verhalten der Pädagogin?

Catherine Walter-Laager: Die Beziehung zwischen Kind und Pädagogin und die Art, wie die Pädagogin mit den Kindern umgeht, das ist sehr wichtig für das Empfinden von Geborgenheit. Die Pädagogin sollte sich freundlich, liebevoll und geduldig verhalten, sich auf das Kind einlassen und seine Befindlichkeit wahrnehmen können. 

Was macht Geborgenheit eigentlich aus?

Catherine Walter-Laager: Eine genaue Definition von Geborgenheit ist schwierig. Grund­sätzlich geht es um Sicherheit – die körperliche wie die psychische. Es gibt verlässliche Beziehungen zu Personen, die man gut kennt und denen man vertraut. Die Bezugsperson ist präsent, ansprechbar und emotional verfügbar. Sie sieht, was das Kind signalisiert, auch wenn es sich sprachlich noch nicht gut ausdrücken kann. Sie kann die Signale des Kindes interpretieren, das Kind aus einer stressigen Situation herausnehmen, es bei einem Problem unterstützen und bei freudigen Empfindungen begleiten. Diese Person kann die individuellen Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen. Wenn etwas misslingt, darf das Kind es später nochmals versuchen. Wenn eine Rückmeldung gegeben wird, dann ist sie stärkend. So entsteht beim Kind Zufriedenheit mit sich und der Welt.

Ab welchem Alter können Kinder von den Eltern getrennt sein und sich in einer Betreuungseinrichtung wohlfühlen?

Catherine Walter-Laager: Es gibt dafür eigentlich keine Altersgrenze. Entscheidend ist die vertrauensvolle Beziehung zu einer Bezugsperson – das kann auch die Oma sein oder eine Pädagogin. Voraussetzung dafür ist, dass auf die Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen und Sauberkeit individuell eingegangen wird – das ist der Rahmen. Dazu kommt die Nähe zur Bezugsperson, die Emotionen wahrnehmen und sie begleiten kann. Das können auch mehrere Personen sein – also ein stabiles Team. Zu große Fluktuation hingegen stellt ein Problem dar.

Was können Eltern tun, damit es ihrem Kind in einer Betreuungseinrichtung gut geht?

Catherine Walter-Laager: Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, eine gute Einrichtung für ihr Kind auszuwählen – wenn sie eine Wahlmöglichkeit haben: Wo gibt es gute und freundliche Fachkräfte, eine hohe pädagogische Qualität? Außerdem können sie der einzelnen Pädagogin rückmelden, wenn diese sorgsam mit dem Kind umgeht – und sie so in ihrem Tun bestärken. Ein positives Feedback ist wie Rückenwind für die betreffende Person. Es wäre zudem wichtig, dass Eltern sich politisch engagieren für bessere Rahmenbedingungen in Kindergarten und Kinderkrippe. 

 

 

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. habil. Catherine Walter-Laager arbeitete als Kindergärtnerin und studierte Erziehungswissenschaften. Die gebürtige Schweizerin ist seit 2016 Professorin für Elementarpä­dagogik an der Karl-Franzens-Universität Graz.