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Volontariat: Bereichernde Herausforderung

Freiwilligenarbeit im Ausland? Klingt herausfordernd, ist es manchmal auch. Kirche bunt sprach darüber mit drei „Volos“, die, gesandt von VOLONTARIAT bewegt (Initiative der Salesianer Don Boscos) und Jugend Eine Welt, 2018/2019 im Einsatz waren.

Das beste Jahr meines Lebens“: Begeistert erinnern sich Debora Zöchling, Nino Schweiger und Stefan Deinhofer an ihre Volontariatseinsätze in salesianischen Projekten in Äthiopien, Ghana und Indien.
Kirche bunt erzählten sie nun aber auch von den Herausforderungen. Besonders schwierig sei es gewesen, stets als „ausländisch“ erkannt zu werden, betonen die drei. „Manchmal war es ermüdend, bei Spaziergängen angestarrt, ausgefragt oder sogar um ein Foto gebeten zu werden“, so Stefan. Auch Nino berichtet: „Es kann durchaus belasten, wenn man versucht, sich einzuleben, aber aus der Sicht der Gesellschaft immer anders bleibt. Mit heller Hautfarbe wird man oft angesprochen, in einzelnen Situationen sogar anders, nämlich besonders freundlich, behandelt! ,Akwaaba‘, also ,Willkommen in Ghana‘, wird nicht nur ständig gesagt, sondern auch gelebt.“ Auch ganz Alltägliches handhabt man in verschiedenen Ländern unterschiedlich: Debora erzählt davon, dass in Äthiopien Terminvereinbarungen anders funktionieren: „Oft waren Treffen aus meiner Sicht fix vereinbart, während es für äthiopische Freunde ein nicht fest vereinbarter Vorschlag war.“ Umgekehrt passierte Ähnliches: Als Debora einmal einen muslimischen Äthiopier scherzhaft um Arabischunterricht gebeten hatte, stand er Tags darauf tatsächlich mit einem Lernzettel vor ihrer Tür.

 „Als ,Volo‘ ist man zunächst mit viel Unbekanntem konfrontiert. Man muss manches auch an sich selbst verändern, um sich zu integrieren“, unterstreicht Stefan. Ein „großes Herz für Kinder“ und das Wissen, „dass ein Volontariat kein Urlaub ist“, sollten Interssierte mitbringen, so Nino, „und Aufgeschlossenheit für Neues“, ergänzt Debora. Denn trotz einiger Herausforderungen empfehlen alle drei Jugendlichen: „Lasst euch unbedingt auf diese unbezahlbar einzigartige Erfahrung ein!“  Sarah Triml

 

 

Stefan (19) aus Seitenstetten:

Eine große Herausforderung war es für mich, mit benachteiligt aufwachsenden Kindern zu arbeiten, ohne dabei auf eine fundierte Ausbildung zurückgreifen zu können. Oft musste ich einfach nach dem System ,Trial and Error‘ vorgehen, also einfach mit mehreren Ansätzen herausfinden, was in welcher Situation fruchtet. Zudem musste ich mir Strategien überlegen: Wie motiviere ich? Wie gehe ich mit Aggression mir gegenüber um – oder auch mit der Traurigkeit, wenn Kinder ihre Familie vermissen? Besonders herausfordernd war zu Beginn auch die eigentlich allem zugrunde liegende Kommunikation: viele der Kinder konnten nicht ausreichend Englisch sprechen und ich verstand ihre Sprache(n) nicht.“

 

Debora (20) aus Stadt Haag:

„Grundsätzlich möchte ich immer alles möglichst gut machen. Doch bei meiner Arbeit in einem äthiopischen Kindergarten stellte ich schnell fest, dass sich Geplantes manchmal nicht realisieren lässt. So erinnere ich mich etwa an eine Sportstunde, die relativ zu Beginn meines Aufenthalts stattfinden hätte sollen. Meine Mitvolontärin war erkrankt und auch die gruppenleitende Pädagogin konnte an diesem Tag nicht anwesend sein. Obwohl ich bereits in Österreich Kinderturnen geleitet hatte, scheiterte mein Versuch, mit 26 Vierjährigen ,ordentlich‘ zu turnen. Ich fühlte mich überfordert und alleine gelassen. Dennoch war das für mich auch Ansporn, Amharisch, die Sprache der Kinder, besser zu erlernen. Zusätzlich musste ich akzeptieren, dass auch die beste Vorbereitung nicht immer hilft: Kinder brauchen einfach Zeit, um Verhaltensformen zu erlernen.“

 

Nino (21) aus Horn:

„Ein tolles und zugleich auch herausforderndes Erlebnis war, dass ich Teil einer Tanzgruppe wurde. In Ghana gibt es davon viele: Jugendliche treffen sich, üben Choreographien ein, machen Tanzvideos und treten bei Wettkämpfen gegeneinander an. Mir machte es großen Spaß, ,Afro-Dance‘ so authentisch kennen zu lernen, doch wurde ich dabei auch immer wieder mit meiner eigenen tänzerischen Inkompetenz konfrontiert: Während viele Burschen es einfach ,draufhatten‘, war ich schnell einmal an meinen Grenzen angelangt und musste mich auch überwinden, dabei zu bleiben und nicht aufzugeben.“
Nino berichtet am 6. November ( ab 19.30 Uhr) im Horner Pfarrhof von seinem Einsatz – bei freiem Eintritt. Spenden zur Einsatzfinanzierung sind jedoch willkommen.