Viele wirken an „blühenden Kirchen“ mit

In den Pfarrgemeinden kümmern sich viele darum, dass die Kirchen geputzt sind, dass es prachtvolle Erntedankkronen gibt und und dass Kräuterbuschen angeboten werden – augenscheinlich ist das gerade zu Mariä Himmelfahrt.

Blumenschmuck ist aus unseren Kirchen nicht wegzudenken. Dieser kann die Schönheit des Gotteshauses noch unterstreichen – sorgfältig geschmückte Kirchen laden zur Mitfeier der Liturgie ein. Denn es gilt das Motto: Auch das Auge betet mit. Daher erachten die für den Kirchenschmuck zuständigen Frauen und Männer es meist als besonders wichtig, dass die Blumen in Farbe  und Form auf die Kirche  und den Anlass der gottesdienstlichen Feier abgestimmt sind. Egal, ob jetzt im Sommer mit blühenden Gestecken, im auslaufenden Jahr mit herbstlichen Arrangements, zu Weihnachten mit Christbäumen und weihnachtlichem Schmuck oder zu Ostern mit österlichen Gestecken. Blumen und Pflanzen schmücken nicht nur den Kirchenraum, sie orientieren sich im Regelfall an den liturgischen Zeiten und können helfen, die Frohe Botschaft unterstützend zum Ausdruck zu bringen. 

Da der Altar das Symbol für Chris­tus ist, wird meist darauf geachtet, dass dieser nicht in einem „Blumenmeer versinkt“. Vielmehr werden vor dem Altar oder auf den Seitenaltären Blumen bzw. passende Pflanzenarrangements aufgestellt. Die restlichen dekorativen Elemente können einen Bezug zum Altar haben, zum Beispiel in einer ähnlichen Gestaltung etwa beim Ambo. 

Generell fällt auf, dass in der Diözese praktisch alle 422 Pfarrkirchen so­wie die Filialkirchen und die zahllosen Kapellen meist liebevoll geschmückt und geputzt sind. Und das, obwohl es zahlreiche Herausforderungen gibt: etwa die Wachs­tropfen in den Auferstehungsmessen zu Ostern oder herabfallende Nadeln von den Christbäumen. Tausende Frauen und Männer schmücken und putzen die Kirchen in unserer Diözese – und das meist „im Verborgenen“. Dazu stellen viele ihre Gerätschaften zur Verfügung: angefangen von Traktoren etwa für den Christbaumtransport über mitgebrachte Putzmittel bis hin zu Bastelutensilien. Viele sehen es als große Freude, wenn ihre Kirche wieder erstrahlt, von Spinnennetzen befreit und mit frischen Blumen geschmückt ist.

Richard Wöginger, Vorsitzender der Mesnergemeinschaft der Diözese St. Pölten, berichtet, dass mit diesen Diensten in den Pfarren ganz unterschiedlich umgegangen werde. „In manchen Pfarrgemeinden wechseln sich die Dorfgemeinschaften ab.“ Da übernehmen die jeweiligen Ortsgruppen im Jahresrhythmus alles: vom Putzen über den Blumenschmuck bis hin zur Gestaltung der Erntekrone. In den allermeisten Pfarren würden die Aufgaben Teams übernehmen, zumeist Frauen – aber nicht nur. Vielfach arbeiten auch „g’standene Männer“ mit, etwa in der Pfarre Randegg, wo diese für den Birkenschmuck sorgen. 

Vielerorts Kräuterweihen

In der Pfarre Amstetten-Herz Jesu teilt man es so auf: Den blühenden Pfarrgarten bearbeitet eine Gruppe, eine andere kümmert sich um den Kirchenschmuck, wieder eine andere putzt die Kirche. Dabei kommen auch Geselligkeit und Teamgeist nicht zu kurz. Frieda Ettlinger lud im Vorfeld des Hochfestes Mariä Himmelfahrt bereits 14 Frauen ein, die Kräuterbuschen zu binden, rund 350 werden gefertigt. Die Frauen bringen die grünen Kräuter selber mit bzw. sammeln sie im besagten Pfarrgarten. 

„Bei uns in der Pfarre Kottes leitet Martina Zottl das Team der Schmücker und Putzer, einmal jährlich gibt es einen Großputz mit 15 Frauen und Männern.“ Ihre Kollegin Hermine Führer ergänzt: „Unsere Männer helfen auch tatkräftig mit – es ist bei uns ein gutes Miteinander!“ 

Vielerorts blühen im wahrsten Sinn des Wortes die Kräutersegnungen wieder auf. 

Aus der Pfarre Tulln-St. Stephan heißt es, dass diese schöne Tradition vor drei Jahren wieder belebt worden ist. Auch bei der Firma Sonnentor in Sprögnitz (Pfarre Großgöttfritz) wird zu Mariä Himmelfahrt um 9.30 Uhr die heilige Messe gefeiert und die Kräuter gesegnet, wozu viele Gläubige erwartet werden. Maria Taferl, der bedeutendste Wallfahrtsort der Diözese, lädt am 15. August, 10 Uhr, zur Kräuterweihe. Ein altehrwürdiges Fest erlebt somit vielerorts eine Renaissance.

 

Maria: Blume auf den Wiesen, Lilie in den Tälern

Im Hochsommer feiern wir zu Mariä Himmelfahrt oder – wie es theologisch korrekt heißt – „Mariä Aufnahme in den Himmel“ den Glauben daran, zukünftig mit Leib und Seele in die Vollendung Gottes aufgenommen zu werden. Symbolisch werden dafür Kräuter gesammelt und Kräuterbuschen gebunden, die dann gesegnet werden.

Das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel lässt sich bis ins Jerusalem des fünften Jahrhunderts zurückverfolgen, wo man die „Entschlafung“ (dormitio) der Gottesmutter feierte, im siebten Jahrhundert ist es auch für Rom belegt. Bereits früh zu großer Beliebtheit gelangt, wurde Marias Aufnahme in den Himmel schließlich 1950 dogmatisiert.

Das Fest Mariä Himmelfahrt ist seit alter Zeit mit einer Kräuterweihe verbunden. Nach christlichem Verständnis soll die Weihe verdeutlichen, dass Gott uns die Heilkräfte der Natur geschenkt hat, damit wir sie zu unserem Wohle einsetzen. Nach alten Überlieferungen sollen bis zu 77 Pflanzen und Kräuter zum vollständigen Kräuterbuschen gehören – Pflanzen, die als Grundnahrungsmittel (etwa Getreidesorten) oder als Heilpflanzen für den Menschen wichtig waren.

Alte Gesänge preisen Maria – in Anlehnung an das Hohelied – als „Blume auf den Wiesen und Lilie der Täler“. Nach der Legenda Aurea aus dem 13. Jahrhundert trug ein Engel dem Leichnam Mariens eine Palme voraus, die unbeschreiblich guten Duft verbreitete. Später erklärte man die Verbindung von Maria mit Blumen damit, dass nach ihrer Himmelfahrt im Grab Rosen gefunden worden seien. 

In Niederösterreich wurde der Kräuterbuschen-Brauch in den 1980er-Jahren von Goldhauben- und Kopftuchgruppen wiederbelebt. Hierzulande gilt, dass jeder Kräuterbuschen sieben bis neun Grundkräuter enthalten soll. Dabei bildet die Königskerze den Mittelpunkt. Weitere Kräuter, die mit eingebunden werden können, sind: Johanniskraut, Schafgarbe, Salbei, Ringelblume, Beifuß, Eisenkraut, Thymian, Baldrian, Tausendgüldenkraut, Arnika, Brennnessel, Pfefferminze, Kamille sowie weitere Kräuter und Blumen aus dem Garten. Getreideähren – Weizen, Roggen, Gerste und Hafer – können im Buschen die Grundnahrungsmittel symbolisieren. Vielerorts wird auch eine Rose in den Kräuterbuschen gegeben – sie gilt als Symbol für Maria.