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Unsere Priester stellen sich auf Wandel der Begräbniskultur ein

„Gestorben wird immer, aber immer wieder anders“ ­– die diözesane Priesterstudientagung behandelte die großen pastoralen Herausforderungen.

Mit 130 Teilnehmern zählte die diesjährige Priesterstudientagung im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt einen Höchststand. Eingeladen waren auch Diakone und Pastoralassis­tenten. Erstmals nahm Diözesanbischof Alois Schwarz an der Fortbildung teil. Thema der Tagung waren Tod, Trauer und Begräbnis sowie der Wandel der Bestattungskultur als pastorale Herausforderung.

Weihbischof Anton Leichtfried – in der Diözese zuständig für die Priesterfortbildung – leitete in das Thema ein: „Die Kirche hat nicht mehr das ,Monopol’ auf Begräbnisse.“ Es gebe neue Anbieter, die das zum Teil besser machen würden, so der Weihbischof. Viele Fragen würden sich heute neu stellen: Von den Urnen-Beisetzungen bis hin zur Leitung von Begräbnissen bei weniger werdenden Priestern. Ihm sei es daher wichtig, sich dazu auszutauschen und sich mit den Impulsen der Experten zu beschäftigen. Es referierten u. a. Soziologen und Fachleute aus anderen Diözesen.

Der Passauer Soziologe Matthias Meitzler verwies darauf, dass die Friedhofskultur einem großen Wandel unterliege. Im Zuge der Säkularisierung seien Verbindlichkeiten verloren gegangen, wenngleich sich auch in modernen Formen traditionell christliche Darstellungen und Rituale wiederfänden („Patchwork“). Weiters würden wirtschaftliche Fragen immer wichtiger werden. Viele Angehörige wünschen sich kostengünstige Begräbnisse und Grabsteine. Andere  können oder wollen sich nicht mehr um die Grabpflege kümmern. Das „typische Grab“ würde seltener werden, auch der Friedhof als Ort der letzten Ruhe würde zunehmend etwa durch Naturbestattungen ersetzt. 

Neue Trends bei Bestattungen

Menschen würden heute viel öfters als Individuum und nicht mehr als „Teil des Kollektivs“ der Gesellschaft beerdigt. Die Individualisierung zeige sich bei den Grabsteinen. Diese hätten früher symbolisiert, dass der Tod nicht das Ende sei und hätten sich an der Zukunft orientiert. Heute schaue man oft lieber auf die Geschichte des Verstorbenen zurück, etwa indem Fotos auf Grabsteinen zu finden sind oder auf Hobbys Bezug genommen wird. Immer öfters würden auch persönliche Geräte wie Skate­board oder Schallplatten am Grab beigelegt. Laut Meitzler würde sich ein Monopolverlust der Friedhöfe abzeichnen. Es stelle sich die Frage, wo man dem Verstorbenen näher sein könne, denn Trauer brauche nicht unbedingt Orte. Friedhöfe dürften den Anschluss nicht verlieren. Konkret stünden Friedhofsbetreiber vor der Frage, ob sie nicht auch tote Haustiere bestatten.

 Der Soziologe Thorsten Benkel betonte, dass das was galt, oft nicht mehr gelte. Es brauche Regeln, weil heutzutage sogar der Wunsch auftrete, nach dem Tod die Asche in den Müll werfen zu lassen. Was künftig stärker mitspielen werde, sei das Internet: Schon jetzt würden viele eigene Datenbanken mit Infos und Videos füllen, die nach ihrem Tod veröffentlicht werden. - W. Zarl