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Songs of Exile

Konzertkritik von Mag. Franz Reithner, Orgelreferent der Diözese St. Pölten, zum Konzert „Songs of Exil" im Rahmen des Festivals „Musica Sacra“: Vom Brückenschlag zwischen Ost und West, dem Mittelalter und der Gegenwart speiste sich die kraftvolle Musik, die im dritten Konzert des Festivals „Musica Sacra“ vom Naghash Ensembles im St. Pöltner Dom geboten wurde.

Seit 2010 hat der amerikanische Komponist John Hodian Texte des armenischen Priesterdichters Mkrtich Naghash aus dem 15. Jahrhundert für drei Frauenstimmen und vier Instrumentalisten vertont. Auf mittelalterlichem Tonmaterial basierend fasziniert sein Stil durch die perkussiv zupackenden, von rhythmischen Ostinati durchzogenen Passagen, die mit lyrischen, weich fließenden Abschnitten wechseln. Anklänge an Minimal Music, traditionelle armenische und aktuelle Filmmusik verdichten die Ort und Zeit verbindende Intention der Kompositionen, die Hodian vom Klavier aus leitet. Orientalisches Kolorit bringen Dhol, eine Doppelmembrantrommel, Oud, die vertraute Knickhalslaute und das Duduk – ein Doppelrohrblattinstrument in verschiedenen Größen – ein.

Die spürbare Vertrautheit des Ensembles mit seinem überschaubaren Repertoire, mit dem es in den letzten Jahren weltweit aufgetreten ist, ließ die Sängerinnen innige Momente beseelt auskosten. Befremdlich allerdings neben der Verwendung eines elektronischen Simulationsinstrumentes anstelle des üblichen Konzertflügels die großteils unnötige elektronische Verstärkung aller Mitwirkenden, die Intensität durch Lautstärke ersetzte, die Entfaltung eines lokalisierbar differenzierten Raumklangs unterband und damit den ambitionierten Abend nachhaltig schwächte.