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Sie helfen, wo die Not am größten

„Kirche bunt“ besuchte P. Georg Sporschill und dessen Hilfsprojekt „Elijah“ in Siebenbürgen (Rumänien). Sein Team gibt Romafamilien und -kindern eine Zukunft. In manchen entlegenen Dörfern ist die Armut für europäische Verhältnisse noch immer unvorstellbar.

Rumänien ist kaum mehr wiederzuerkennen – und das im positiven Sinn“, berichtet der bekannte Vorarlberger Jesuit P. Georg Sporschill, 73. Trotz der vielen Erfolge, die das Ende des Kommunismus 1989 und der EU-Beitritt gebracht haben, gibt es in Rumänien noch Armut, die wir uns hierzulande kaum vorstellen können. Die Volksgruppe der Roma ist noch immer stark ausgegrenzt, ihrer nimmt sich P. Sporschill und die Initiative „Elijah“ an. Mit vielen Erfolgen. Der Priester holt eine Frau, knapp 40, krempelt ihr den Pullover auf und zeigt auf ihren Arm: Sie hat vor fast 30 Jahren versucht, sich das Leben zu nehmen, die Ritzen sind deutlich erkennbar; als Kind lebte sie unter erbärmlichen Umständen. Dann wurde sie von P. Georg und seinem Team aufgenommen. Mittlerweile arbeitet sie tüchtig bei „Elijah“ mit und sie knüpfte für die Österreicher Kontakte mit der Volksgruppe der Roma. Diese Frau ist ein Beispiel von vielen, denen geholfen werden konnte.


„Wir gehen dorthin, wo die Not am größten ist.“ Dieses Wort des heiligen Ignatius führte Sporschill zu Romafamilien in den fünf siebenbürgischen Dörfern nahe Hermannstadt (Sibiu). 2012 gründete er den Verein „Elijah“, um Romafamilien zu helfen, die dort in unvorstellbarer Armut lebten und leben. Wie Elijah – der Name ist dem Propheten des Alten Testaments entliehen – treten P. Sporschill, Ruth Zenkert und ihre Mitarbeiter für die Armen ein. Sie wollen „den Hunger stillen, die Kinder zum Leben erwecken, armen und ausgestoßenen Menschen zu ihrem Recht verhelfen“.

Leben in Großfamilien

P. Sporschill beschreibt die Roma in den fünf Dörfern, wo „Elijah“ wirkt, als „kinderliebend, musikalisch und fromm“. Ihr größter Reichtum, die Kinder – oft haben sie zwölf und mehr – ist auch die Wurzel für die Armut. Die Gesellschaft ist als Großfamilie organisiert, mit 13 kommt oft das erste Kind, mit 20 das fünfte. Von jungen Mädchen wird erwartet, dass sie bald selber Mütter werden. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist Bildung wichtig, was manche Betroffene nicht so sehen. In Rumänien gibt es eine Schulpflicht, aber bevor Romakinder in den Unterricht gehen, braucht es Grundvoraussetzungen: etwa Hygiene, Umgang mit Besteck oder Pünktlichkeit. „Elijah“ versucht mühsam, das zu vermitteln. Dass es oft schwer ist, mit den Roma Projekte zu planen, nimmt Sporschill etwas resignierend in Kauf. Zudem sind die Vorurteile der Rumänen gegenüber Roma groß, obwohl diese auch seit 800 Jahren Rumänen sind.


Dem Jesuitenpriester sei es wichtig „nicht über, sondern mit ihnen zu reden“. Er wolle mit ihnen leben, alles andere sei unglaubwürdig. Und die Menschen lieben P. Georg. Wo er auftaucht, kommen alle auf ihn zu: hochrangige Würdenträger, Kinder, Tiere. Er kann gut mit den Menschen umgehen und sie nehmen ihn als katholischen Priester wahr. Der orthodoxe Priester der Region akzeptiert ihn, mehr noch: Sie sind beste Freunde. Das ist von großer Bedeutung, denn praktisch alle gehören der rumänisch-orthodoxen Kirche an. P. Georg hilft den Menschen nicht, weil er sie missionieren will, er verzweckt seine Hilfe nicht. Das wird den in Rumänien sehr präsenten Freikirchen vorgeworfen. Andererseits würden diese den Minderheiten aber auch manchmal mehr Wertschätzung entgegenbringen als die etablierten Kirchen. Wie fromm die Rumänen sind, zeigt sich an den vielen Kreuzzeichen, die sie bei jeder Gelegenheit machen, an den zahlreichen Gottesdienstfeiernden, an den überall hängenden Heiligenbildern oder an den zahllosen Kirchen. Wobei in Siebenbürgen etliche Gotteshäuser verlassen sind, die einst von Sachsen-Deutschen betreut wurden. Die meisten von ihnen sind abgewandert, sodass ihre Kirchen nach und nach verfallen.

Kein Strom, Wasser, Jobs

Nicht überall in Rumänien ist die für uns selbstverändliche Infrastruktur angekommen. Viele Menschen zieht es daher nach Westeuropa, wo die Gehälter um ein Vielfaches höher sind: als Arbeitskraft oder als Bettler. In Dörfern fehlt es mancherorts noch an Strom, Kanalisation und Trinkwasserleitungen. Daher muss das Wasser in entlegenen Orten vom Dorfbrunnen herangeschleppt werden. Auch asphaltierte Straßen fehlen, bei Regen fährt man durch gefährliche Schlammlandschaften. Die EU investiert hier jedoch merkbar.

Das macht auch „Elijah“. Musikschulen, Arbeitsplätze für Roma und Sozialzentren wurden geschaffen. Beim Besuch von „Kirche bunt“ wird gerade ein derartiges Zentrum eröffnet. Kinder bekommen dort Nachhilfe, Wissensvermittlung rund um Hygiene und natürlich die Möglichkeit zu spielen. Weiters werden Kinder betreut und Mütter können somit arbeiten gehen. „Eltern sind Vorbilder. Wenn Kinder sehen, dass ihre Eltern arbeiten, dann animiert das“, so P. Georg.

Trotz extremer Armut sind die Menschen gastfreundlich. Unbedingt wollen sie vor Gästen Musikstücke oder Tänze aufführen. Und sie wirken auch mit wenig zufrieden. Das mag vielleicht auch täuschen. In den Dörfern bleiben meist die Roma. Die ethnischen Rumänen zieht es in die Städte, wo internationale Unternehmen gute Jobs bieten. Auch „Elijah“ bemüht sich, Roma „jobfit“ zu machen. In Tischlereien, Gärtnereien, Webereien oder Küchen werden sie angelernt und beschäftigt. Man hilft ihnen weiters, neue wettertaugliche Häuser zu bauen. Bedingung ist, dass sie selber dabei mithelfen.

Trotz der vielen Erfolge von „Elijah“ sagt P. Sporschill, dass man viel Kraft und Ausdauer brauche. Dankbar sei er für all die Unterstützung, die er aus Österreich bekommt.   

Spendenkonto: Verein Elijah. Pater Georg Sporschill SJ. Soziale Werke; IBAN: AT66 1630 0001 3019 8724