Serie "Mein Hobby" - Höhlenforschen ähnlich wie Gottsuchen: Freude am Finden

Pater Jeremia Eisenbauer

Pater Jeremia Eisenbauer vom Benediktinerstift Melk ist ein Priester, der die „Unterwelt“ ziemlich genau kennt: Seit seiner  Kindheit faszinieren ihn Höhlen und er erforscht sie. 

Der gebürtige Scheibbser konnte als Kind direkt auf den Ötscher schauen und erkundete bald die unterirdischen Gänge. Er hat den Berg von allen Seiten kennengelernt: P. Jeremia war in den Höhlen, er bewanderte den Berg und er überflog ihn. Denn der Priester war über Jahre auch passionierter Flieger von einmotorigen Flugzeugen sowie Paragleiter.

Letzteres macht der mittlerweile 70-Jährige – der auch als Psychotherapeut gearbeit hat – nicht mehr, aber durch Höhlen führt er weiterhin. Besonders umfangreich erforschte er mit Freunden die Raucherkarhöhle im Toten Gebirge. Sein Forschen sei eigentlich ganz benediktinisch, denn auch dem Ordensgründer sei es darum gegangen, Gott ein leben lang zu suchen und zu finden. Entdeckt hat P. Jeremia mit seinen Kollegen viele Tunnels und Räume. In der Raucherkarhöhle fand sein Team die Zugänge zu anderen Höhlensystemen, sodass das dortige als das größte zusammenhängende in Österreich gilt – dafür arbeitete man 30 Jahre lang (siehe Bild: P. Jeremia mit Karte). Er hat auch die Stollen von Loosdorf erkundet und vermessen: Dort beuteten die Nazis KZ-Häftlinge für die Waffenproduktion aus.

Der ausgebildete Höhlenführer wirbt dafür, die Komfortzone zu verlasssen und hinauszugehen, dazu zähle auch eine gewisse Risikobereitschaft. Er selbst kennt die Gefahren seiner „Hobbys“: gefährliche Thermiken in der Luft oder Steinschläge in der Höhle. P. Jeremia weiß viel Faszinierendes zu berichten: Die Höhlen seien absolut finster, schaltet man die Lampen aus, sehe man gar nichts. Umgekehrt gebe es permanent Geräusche: etwa durch Wassertropfen oder fallendes Geröll.

P. Jeremia wirkt als Priester in den Marchfeldpfarren Baumgarten, Oberweiden und Zwerndorf, die vom Stift Melk betreut werden. Ist seinen Mitbrüdern und den Oberen das vielseitige Engagement recht? „Ja“, argumentiert er wieder ganz benediktinisch, „denn alles, was der Erbauung, Gesundheit und der Erholung dient, ist neben Gebet und Arbeit für uns wichtig.“

„Mein Hobby“ ist eine Reihe von Kirche bunt, in der außergewöhnliche Talente und interessante Hobbys von kirchlichen Persönlichkeiten vorgestellt werden.