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Schulschwestern: Freude über vorläufiges Happy End für „Zia“

Foto: zVg/Flüchtlingshilfe Langenlois

Zia ist wieder im Kloster und er ist unendlich glücklich und dankbar, dass er bei uns bleiben kann“, sagte Sr. Kunigunde Kammerhofer im Gespräch mit „Kirche bunt“ am Dienstagmorgen des 10. Dezember. Da lagen nur wenige Stunden Schlaf hinter der Franziskanerin. Denn noch um Mitternacht war sie gemeinsam mit Wolfgang Almstädter von der Flüchtlingshilfe Langenlois nach Wien gefahren, um den 22-jährigen Flüchtling Ziaulrahman Zaland aus Spittelau, wo er spätabends keine Möglichkeit mehr gefunden hatte, wieder nach Hause nach Langenlois zu kommen, abzuholen.


Hoffen und Bangen

Stunden des Hoffens und Bangens – begleitet von einem enormen Medieninteresse – lagen da hinter dem Flüchtling, den Schulschwestern in Langenlois und vielen in Langenlois engagierten Menschen: In der Nacht zum zweiten Adventsonntag war im Kloster der Franziskanerinnen der afghanische Flüchtling festgenommen worden. Zia, wie er von den Schulschwestern genannt wird, befand sich seit August 2015 in Langenlois und besuchte seit 2017 die Höhere Lehranstalt Sozialmanagement und Fachschule für Sozialberufe der Franziskanerinnen, die er im Juni 2020 als ausgebildeter Krankenpfleger abschließen wollte. Ebenfalls seit 2017 war dem Schüler im Klausurbereich des Klosters Unterkunft gewährt worden. Von dort war er samstag­nachts von insgesamt sieben Polizisten mit einem Durchsuchungsauftrag des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in das Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände gebracht worden. Sein Asylbescheid war zuvor letztinstanzlich abgelehnt worden. Während das Innenministerium die afghanische Hauptstadt Kabul als sicher einstuft, sehen die Unterstützer dort Lebensgefahr für Zia. Er habe dort für das Militär gearbeitet und war mit den Taliban in Konflikt geraten. Es sei aber schwierig, Beweise für die Bedrohungslage zu liefern, hieß es von den Flüchtlingshelfern in Langenlois.

Eine Petition an Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Appelle an Politiker und Verantwortungsträger der Schulschwestern und der Flüchtlingshilfe in Langenlois, eine Kundgebung im Rahmen eines Lehrausgangs der Schüler der Fachschule und ein enormes Medienecho zeigten letztlich Erfolg: Der 22-Jährige darf vorerst in Österreich bleiben, muss sich aber nun regelmäßig bei der Polizei in Langenlois melden. Die Hoffnung des Anwalts von Zia, Dr. Andreas Lepschi, ist, dass sein Mandant unter die neu beschlossene Regelung fällt, wonach Asylwerber ihre Lehre in Österreich abschließen können.

Derzeit aber ist man in Langenlois froh und dankbar, dass „vorerst alles so gut ausgegangen ist“, so Sr. Hildegund Kammerhofer. Nun hoffe man auf ein „gutes Ende für Zia“, der ein „sehr gut intrigrierter und engagierter Schüler ist“.
Sr. Franziska Bruckner, Generaloberin der Schulschwestern vom III. Orden des heiligen Franziskus, fordert „humanitäres Bleiberecht für Zaland“. Nicht nur die „Verletzung des Privatbereichs der Klausur sei bedenklich, sondern das symbolträchtige Schaffen von Fakten im Vorfeld einer längst überfälligen politischen Diskussion über Flüchtlinge in Ausbildungssituationen“, so die Generaloberin in einer Aussendung.

Foto: zVg/Flüchtlingshilfe Langenlois