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Romanische Kirchen mit Uralttradition

Die vielen Kirchen in unserer Diözese mit ihrer oft 1000-jährigen Geschichte zeigen eindrucksvoll ihre christlichen Wurzeln. Die ältesten erhaltenen Gotteshäuser wurden im romanischen Stil erbaut. Diesen und weitere stellt „Kirche bunt“ in loser Folge vor.

Vielfach wird die Zeit nach dem 5. Jahrhundert als epochale Kulturkatastrophe gesehen, das westliche Europa wurde von Raubzügen heimgesucht und weite Landstriche waren verwaist. Zum allmählichen Wiederaufbau zählte die Errichtung von Kirchen, diese gelten nach den Wirren der Völkerwanderung hierzulande als die ers­ten großen Gebäude. 

Die meisten Kirchen waren zunächst Holz­pfostenbauten, meist vier Meter breite und sechs Meter lange schlichte Säle. Davon ist kaum etwas über geblieben. Eine der folgenreichs­ten Leistungen des Mittelalters bestand darin, dass die vielen Land- und Stadtkirchen in ein Netz von Pfarrgemeinden eingebunden wurden. Erst im 11. Jahrhundert begann der Bau großer und bedeutender Kirchen. Friede und ein gewisser Wohlstand waren weitgehend hergestellt, weltliche Herrscher wollten und sie förderten bedeutende Sakralbauten.

Die Handwerker, die im Mittelalter Kirchen erbauten, spezialisierten sich mehr und mehr. Vielfach wurden sie aber als „Material“ angesehen: Wer starb, wurde ersetzt. Andererseits gilt es als gesichert, dass die Löhne der qualifizierten Bauarbeiter erheblich über dem allgemeinen Einkommensniveau lagen. Sie schufen Kirchen, die immer größer und höher wurden und das Göttliche vermitteln sollten.

„Wir feiern hier in der Filialkirche von Rems Gottesdienste – und stehen damit in einer jahrhundertelangen Traditon“, sagt Hans Zarl, Pfarrer von St. Valentin. Die Kirche von Rems zählt zu den ältesten Gotteshäusern im Diözesangebiet. In Rems ist das Eingangsportal noch klassisch romanisch. 

Die Ära der Romanik gilt als ers­ter künstlerischer Ausdruck weit­räumiger, alle Kulturgebiete umfassende Entfaltung des abendländisch-christlichen Geis­tes. Sie vereinigt Formelemente der karolingischen Kunst sowie byzantinische und antike Elemente. Die Kirchen sind nach Osten ausgerichtet, in Richtung der aufgehenden Sonne (Ostung). Oft wurden sie als Wehrkirchen in das Verteidigungssystem eingeplant.

Als typisches Erkennungsmerkmal romanischer Bauten gilt der Rundbogen, häufig in Verbindung mit wuchtigen Steinmassen. Merkmale der romanischen Architektur sind massive Bauwerke mit halbkreisförmigen Bögen gerade für Fenster und Öffnungen. Errichtet im romanischen Baustil wurden sakrale Bauwerke wie Kirchen und Klöster sowie Burgen. Die romanischen Kirchen hatten einen kreuzförmigen Grundriss. Den längeren Teil der Kreuzform bildet das Mittelschiff, den kürzeren das Querschiff. Am vorderen Ende des Mittelschiffs befinden sich der Chor und die Apsis, ein halbrunder Anbau. Die Grund­risse orientierten sich an vorhandenen Formen, üblich war z. B. die dreischiffige Basilika. Unter einer Basilika versteht man eine Kirche, deren Mittelschiff höher ist als die Seitenschiffe. Wucht und Kraft sind das Hauptmerkmal dieser Architektur. Seit dem 11. Jahrhundert ist eine verstärkte Anlehnung an die Antike spürbar: Elemente wie Säule und Pfeiler, Rundbogen und Kreuzgewölbe wurden aufgegriffen.

Kirchen weiterentwickelt

Die romanische Architektur beginnt nach der karolingischen Ära etwa um 1000 und tritt in ganz Europa auf. In Frankreich wird sie ungefähr ab 1130 von der Gotik abgelöst, nördlich der Alpen sowie in Spanien und Italien jedoch erst im Lauf des 13. Jahrhunderts. Viele Kirchen wurden im Laufe der Jahrhunderte überarbeitet, wobei neue Stile einflossen. Viele wurden barockisiert, andere gotisiert: Dahinter stecken zahllose theologische Details, so orientieren sich Kirchenrenovierungen heute beispielsweise oft am Zweiten Vatikanischen Konzil. 

Teile der Pfarrkirche von Wieselburg stellen den ältesten aufrechten Kirchenbau aus der Babenbergerzeit dar. Pfarrer Josef Kowar, der mit 1. September zum St. Pöltner Dompfarrer ernannt wurde, verweist auf die außergewöhnliche Atmosphäre, wenn in einer solch altehrwürdigen Kirche Gottesdienst gefeiert wird. Die Kirche wurde Ende des 10. Jahrhunderts erbaut und später gotisiert. Sie ist in ihrer ursprünglichen oktogonalen Form ein bedeutendes Beispiel eines Zentralbaus. Die Fresken wurden in den 1950er-Jahren wieder freigelegt. 

Mehrere weitere Kirchen in der Diözese St. Pölten fallen in die romanische Zeit: Der St. Pöltner Dom gilt im Kern als romanisch, ebenso wie die Stiftskirche Ardagger; der Karner in Unserfrau stammt aus Ende des 12. Jahrhunderts; romanische Elemente sind noch am südlichen Langhaus und an den Portalen der Stadtpfarrkirche Tulln-St. Ste­phan zu sehen; vom romanischen Bau der Stadtpfarrkirche Eggenburg sind die Osttürme erhalten; die Stiftskirche von Geras ist eine im Kern romanische Pfeilerbasilika; vom Stift Zwettl ist der spätromanisch-frühgotische Kreuzgang erhalten. Mancherorts vermutet man eine romanische Vorkirche, in Reinprechtspölla wurde jüngst solch eine gefunden. – W. Zarl

 

 

Grundwissen zum Baustil romanischer Kirchen


Name: Die Stilepoche der Romanik erhielt ihren Namen wegen der Wiederverwendung von den in der römischen Antike verwendeten Stilelemente wie Säulen, Pfeiler und Rundbögen. Deshalb ist eines der wichtigsten Merkmale des romanischen Baustils zweifellos der Rundbogen.

Zeit: Die Kunst der Romanik gilt als die erste, ganz Europa umfassende Epoche mittelalterlicher Kunst. Sie ist zwischen 1000 und 1250 zu datieren und löste die karolingische bzw. ottonische Kunst ab. Charakteristisch für romanische Kunst ist ihre Ausrichtung auf christliche Inhalte. Dies führte dazu, auch von Ars Sacra zu sprechen. Auf die Romanik folgt die Gotik. Man unterscheidet zwischen Früh-, Hoch- und Spätromanik.

Merkmale: Massive, dunkle Bauwerke, kleine Fenster, dicke Mauern, schlichte Fassaden, halbkreisförmige Bögen für Fens­ter, Türen und Mauerwerksöffnungen.

Anwendung des Baustils: Sakrale Bauwerke wie Kapellen, Klös­ter und Kirchen sowie Burgen.

Beispiele für romanische Kirchen: Diözesangebiet: Filialkirche Rems, Filialkirche Altweitra, Wieselburg (Oktogon), Karner in Unserfrau, Dom zu St. Pölten, Stiftskirche von Geras, Kreuzgang im Stift Zwettl, Teil von Tulln-St. Stephan, Burgkirche von Oberranna. Europa: Domkirche zu Speyer (D), Abteikirche Cluny (F), San Miniato in Florenz, Wallfahrtskirche Santiago de Compostela (ESP).