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Religio, patria, scientia, amicitia

Im Gebiet der Diözese St. Pölten sind in allen größeren Schulstädten 19 Mittelschüler-Kartell-Verbindungen mit insgesamt 2585 Mitgliedern beheimatet. Verbindungsseelsorger ist Pater Vitus Weichselbaumer, der die positive Einstellung der Mitglieder zur katholischen Kirche betont.

Gerade in Niederösterreich zeigt sich das katholische Couleurstudententum von seiner buntesten Seite. Die insgesamt 40 Mittelschulverbindungen, in denen die Prinzipien „religio“ (Religion), „patria“ (Heimat), „scientia“ (Wissenschaft) und „amicitia“ (Freundschaft) wichtige Einfluss- und Orientierungsgrößen sind, haben sich in den letzten mehr als hundert Jahren an den meisten Stand­orten höherer Schulen angesiedelt.
Das organisatorische Dach bildet auf Landesebene der „NÖ Mittelschüler-Kartell-Verband“ (NÖMKV), auf Bundesebene der „Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen, farbentragenden Studentenkorporationen Österreichs“ (MKV).

19 Verbindungen in Diözese

Auf dem Gebiet der Diözese St. Pölten sind 19 Mittelschüler-Verbindungen mit insgesamt 2585 Mitgliedern beheimatet, darunter auch die älteste Verbindung des Landesverbandes, die K.Ö.St.V. Waldmark Horn, die 1904 gegründet wurde.

Die ersten Spuren katholischer Mittelschulverbindungen finden sich 1859 in Linz, aufgeblüht sind sie aber meist erst ab 1900. Mit dem Ende der Monarchie traten sie verstärkt in die Öffentlichkeit. Sie haben das Ziel, junge Menschen ab dem Eintritt in höhere Schulen als Gemeinschaft zu begleiten. Hier stehen besonders die Förderung der persönlichen Talente und die Fortbildung im Vordergrund. Junge Menschen lernen Verantwortung zu übernehmen, ihre Interessen und Ziele zu präsentieren und sich in einer Gruppe von Bundesbrüdern jedweden Alters einbringen zu können. Der Respekt untereinander stellt einen großen Stellenwert dar.

Verinnerlichung der Prinzipien

Die vom Niederösterreichischen Mittelschüler-Kartellverband veranstaltete Landesverbandsschulung (LVS), die jährlich in der LFS Edelhof bei Zwettl in den Osterferien stattfindet, ist mit 40 bis 60 Teilnehmern pro Jahr österreichweit die größte ihrer Art. Für viele junge Mitglieder von Studentenverbindungen stellt sie als eine Art Grundausbildung den ersten tieferen Kontakt mit dem Wesen und der Geschichte der Verbindungen dar. Ein Schwerpunkt der Schulung ist die Verinnerlichung der vier Prinzipien, die allen katholischen Studentenverbindungen gemein sind. Neben „patria“ (Verbundenheit zum Vaterland), „scientia“ (lebenslanges Lernen) und „amicitia“ (Lebensfreundschaft) wird auch und vor allem „religio“ (der gelebte katholische Glaube) hochgehalten. So stellt die gemeinsame Feier des Palmsonntagsgottesdienstes ebenso einen zentralen Fixpunkt der LVS dar, wie die Möglichkeit zur Beichte und der Besuch eines Neigungsgruppen­abends zur besonderen Vertiefung dieses Prinzips. Jeder Verbindung ist das bewusste Leben des katholischen Glaubens eines der Hauptanliegen. In vielen Pfarren ist es ein selbstverständliches Bild, gerade an kirchlichen Festtagen, von den Mitgliedern (Chargierten) der ortsansässigen Studentenverbindung begleitet zu werden. Der Kontakt jeder einzelnen Verbindung, aber auch des Landes- und Bundesverbandes zu den kirchlichen Verantwortungsträgern ist selbstverständlich und wird sehr gefördert.

Zahlreiche Geistliche bei Verbindungen

Viele Diakone, Priester, bis hin zu österreich­i­schen Bischöfen sind Mitglieder einer Verbindung. Auf der Website des NÖMKV wird betont: „Unsere Verbindungen verstehen sich als eine Gemeinschaft von Katholiken, die eigenverantwortlich am Sendungsauftrag der Kirche mitarbeiten und aus diesem Selbstverständnis heraus die Mensur und extremistisches Gedankengut ablehnen. Wir verpflichten uns zu einer katholischen Lebensgestaltung und zur Treue zur römisch-katholischen Kirche bei Förderung des ökumenischen Austausches.“ Der nieder­österreichische Landesverband setzt sich auch gegen Rechtsextremismus ein: Der NÖMKV war heuer etwa mit der Landesstandarte und mit Couleurbedeckung bei der Befreiungsfeier des früheren KZ Mauthausen vertreten und gedachte der Opfer des Nationalsozialismus.
Einer der Höhepunkte im Frühjahr, bei dem alle vier katholischen Studentenverbindungen von St. Pölten christliches Profil zeigen, ist etwa die Couleurmesse. Heuer war der neue Diöze­sanbischof Alois Schwarz Zelebrant. Hier treffen sich nicht nur Kartell- und Bundesbrüder- und schwestern, sondern auch Gottesdienstfeiernde der Dom­pfarre bei einer Agape im Pfarrsaal.

Seelsorger sieht großes Potenzial

Pater Vitus Weichselbaumer OSB, Kaplan in der Pfarre Kematen-Gleiß, ist Seelsorger des Niederös­terreichischen Mittelschulkartellverbandes. P.
Vitus – sein Couleurname ist Valerius – betont, dass gerade die älteren, aber auch jüngere, Mitglieder die Verbindung zur Kirche suchen. Umgekehrt wünsche er sich, dass Kirchen- oder Pfarrvertreter die Verbindungen ihrer Gegend aufsuchen, da er manchmal Vorurteile und stereotypes Denken gegenüber MKV oder CV (Cartellverband) ortet. Er stehe aus tiefer Überzeugung zu den Verbindungen, nicht erst als Seelsorger, sondern schon zuvor wusste er Folgendes zu schätzen: „Ich habe bei meinem Eintritt eine unvoreingenommene Freundlichkeit vernommen, die nicht geheuchelt ist. Das hat sich über die Jahre gehalten.“
Kirchlicherseits sehe er großes Potenzial in den katholischen Verbindungen und dort sei auch das Wirken von Priestern und Seel­sorgern sehr wichtig. Denn – wie gesagt – die Mitglieder stünden der Religion sehr positiv gegenüber, aber man müsse jüngere in ihrem Glauben auch begleiten und ihnen helfen, diesen weiterzuentwickeln. Infos: https://noemkv.at  

W. Zarl