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„Promis“ erinnern sich gerne an ihre Sternsinger-Zeit

Foto: zVg

Rund um den Jahreswechsel sind wieder über 12.500 Kinder und Jugendliche sowie deren Begleiter für die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unterwegs. „Kirche bunt“ hat Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Sport gefragt, welche Erfahrungen sie einst beim Sternsingen gesammelt haben. Einig sind sich alle: Das Sternsingen war und ist ein schöner Brauch, den es zu erhalten gilt.<--break->

Jahr für Jahr sind 12.500 Kinder und Jugendliche in der Diözese St. Pölten als Sternsinger in den 422 Pfarren unterwegs, um Segen in die Haushalte zu bringen und für Menschen in Not in den ärmsten Ländern der Welt zu sammeln. Seit dem Beginn der Dreikönigsaktion im Jahr 1954 haben viele Zehntausende daran teilgenommen. Darunter waren Persönlichkeiten aus den Bereichen Kirche, Wirtschaft, Sport oder Politik. „Kirche bunt“ hörte sich um und es zeigte sich: Das Sternsingen war und ist sehr populär. Wurden bei der ersten Sammlung zum Jahreswechsel 1954/55 in der Diözese 3913 Schilling (umgerechnet 284,38 Euro) ersungen, so waren es im Vorjahr 1.597.038,43 Euro.


Diözesanbischof Alois Schwarz war „natürlich auch Sternsinger“ in seiner Heimatgemeinde Hollenthon. Er erinnert sich gerne an die Weihnachtskekse, die auch damals den Heiligen Drei Königen aufgetischt wurden. Es habe ihn immer fasziniert, in die Haushalte zu kommen und zu sehen, wie die Christbäume der Familien geschmückt waren. Heute würdigt er die Dreikönigsaktion als „große Solidaritätsaktion“.

Der Abt von Stift Lilienfeld, P. Pius Maurer, schmunzelt: Denn obwohl seine Gruppe die Sprüche immer fleißig gelernt hat, waren doch Schummelzettel auf den Stern oder auf die Kassa geklebt worden. Doch diese seien oft unbrauchbar geworden, wenn man vom Blitz eines Fotoapparats oder von Spiegeln geblendet wurde. Daher: „Besser die Sprüche wirklich auswendig lernen.“ In schlechter Erinnerung hat er noch „bellende, gefährlich wirkende Hunde“.

Den Abt von Stift Altenburg, Thomas Renner, hat seine Ministrantenzeit sehr geprägt. Er begann diesen Dienst bereits mit vier Jahren. Aber an das Sternsingen könne er sich kaum noch erinnern. Der Grund sei, dass der 20. Wiener Gemeindebezirk, in dem Abt Thomas aufgewachsen ist, für Caspar, Melchior und Balthasar ein schwieriges Gebiet gewesen sei. Als Pfarrer von Altenburg geht er heute gerne als Begleiter mit. Er würdigt die Aktion, weil Kinder lernen, sich für andere einzusetzen und es ein Signal für Gemeinschaft sei.

Der St. Pöltner Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger berichtet: „Egal, ob es kalt oder feucht, stürmisch oder mild war: Sternsingen war jahrelang Teil meines Lebens. Noch heute kann ich die Sprüche aufsagen. Es war schön, für andere Menschen sammeln zu können.“

Karl Rottenschlager, Gründer der Emmaus-Gemeinschaft, sagt, damals sei für die Kinder gar nicht so klar gewesen, wofür überhaupt gesammelt wurde. Heute wüssten die jungen Sternsinger über die Projekte gut Bescheid. Er ging als Kind in Behamberg Sternsingen, und zwar von Bauernhof zu Bauernhof. Dort wurden sie mit „kräftigen Jausen und starkem Tee“ verköstigt. Es sei für die Kinder eine Ehre gewesen, dabei zu sein. Und das Singen sei von mal zu mal besser geworden, schmunzelt Rottenschlager.


Der Trainer von Fußball-Bundesligist SKN St. Pölten, Alexander Schmidt, war als Kind ebenfalls als Sternsinger unterwegs, nämlich in Augsburg. Es habe ihm gut gefallen, die Stimmung habe immer gepasst und an die erhaltenen Süßigkeiten erinnere er sich auch noch gerne zurück. Er unterstütze die Aktion, „weil solch sinnvollen Traditionen unbedingt weiterleben sollen“.
Die erfolgreiche frühere Skirennläuferin Kathrin Zettel erzählt: „Ich war einige Jahre Ministrantin in Göstling an der Ybbs und das Sternsingen gehörte mit dazu, genauso wie das Ratschengehen.“ Manchmal habe es ein bisschen Überwindung gekostet, „sein Sprücherl ganz alleine vor oft noch unbekannten Göstlingern wiederzugeben“. Es sei ein wirklich schöner Brauch, „und ich war dann doch ein bisschen stolz, diesen mit Freunden oder Ministranten ausüben zu dürfen“. Zettel weiter: „Ganz besonders heute, wo ich selbst Mutter bin, möchte ich meinem Kind diese Brauchtümer unbedingt weitergeben, um sie für die Zukunft zu wahren.“

Benjamin Karl aus St. Pölten, dreifacher Gesamtweltcupsieger im Snowboarden, bedauert, dass er kein Sternsinger war. Er finde es aber „eine tolle und wichtige Tradition für uns Christen. Ich liebe die Weihnachtszeit und die damit verbundene Atmosphäre und Energie. Schön, dass es die Sternsinger gibt.“


Theresa Kitzwögerer, langjährige Moderatorin von Radio Arabella, die derzeit in Karenz ist und in Ruprechtshofen lebt, sagt: „Ich habe mich jedes Jahr auf das Sternsingen gefreut, denn in meiner Gruppe waren meine Schwester und meine zwei Cousins. Das war immer eine Gaudi! Weil meine Schwester lange Zeit zu klein für eine Sternsingerin war, durfte sie als Schäfchen mitgehen. Das fanden die Leute immer süß.“ Kitzwögerer weiter: „Bei jeder Tür mussten wir uns ausmachen, wer als nächstes mit der Kreide schreiben durfte, das war ein Highlight bei jedem Hausbesuch. Am Ende wurden wir immer auf Würstel eingeladen. Und wir haben die Schokolade aufgeteilt, die uns die Leute mitgaben.“

Bei Fußballturnier gesammelt


„Ich war jahrelang begeisterter Sternsinger in der Pfarre zum hl. Johannes Bosco im 3. Bezirk und später als Begleiter in der Pfarre Döbling-St. Paul in Wien“, erzählt ORF Niederösterreich-Chefredakteur Robert Ziegler. Draußen sei es kalt gewesen und viele Häuser hätten auch schon damals in Wien Gegensprechanlagen gehabt, mit wenig Chance hineinzukommen. „Also stieg unser findiger Begleiter mit uns in die Straßenbahn, wir fuhren in die Wiener Stadthalle zum Hallenfußballturnier, das es damals Ende der 1970-er-Jahre gab.“ Dort sei es warm und spannend zum Zuschauen gewesen und die meisten Besucher waren in guter Laune und daher auch bereit, zu spenden.
„Auch wenn wir damit weit außerhalb unseres Pfarrgebietes in fremden Gebieten unterwegs waren: Es war ein Volltreffer!“, schmunzelt Chefredakteur Ziegler.

Mikl-Leitner: Vorbildaktion


Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner war keine Sternsingerin, aber sie freue sich, dass ihre Töchter mitmachen. Mikl-Leitner gegenüber „Kirche bunt“: „Die Dreikönigsaktion ist ein wichtiger Beitrag für das gelebte Miteinander und Füreinander weit über die Landesgrenzen hinaus. Ein besonderer Dank gilt allen, die diese Vorbildaktion möglich machen und sich aktiv daran beteiligen.“
Ihr Stellvertreter, Landesrat Stephan Pernkopf erzählt: „Ich war 20 Jahre mit den Sternsingern unterwegs, zuerst in meiner Ministrantenzeit und dann als Begleiter. Ich habe das immer sehr gern gemacht. Damit bringt man, gerade auch bei alleinstehenden Personen, menschliche Wärme in die Häuser. Danke an alle, die sich beim Sternsingen engagieren!“


„Es war immer ein Spaß, mit Freunden zusammen zu sein, als Sternsinger oder Ratscher-Bub von Haus zu Haus zu ziehen und den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, so Landeshauptfraustellvertreter Franz Schnabl. Der Landesrat weiter: „Gleichzeitig konnten wir dadurch jenen, die es im Leben nicht so leicht haben, Gutes tun und Spenden sammeln.“
Seit 16 Jahren gehen in Haag erwachsene Sternsinger von Haus zu Haus.

Mit dabei ist der junge Bürgermeister Lukas Michlmayr, der auch die goldene Stimmgabel mit sich trägt. „Unsere Eltern sind schon gemeinsam Sternsingen gegangen, wir leben die Tradition in Haag weiter,“ erzählt er. Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern sind vor allem in ländlichen Gebieten unterwegs. „Und das alles zu Fuß. Wir gehen bei jedem Wetter von Haus zu Haus. Einmal hatte es so viel Schnee, dass wir bis zu den Hüften eingesunken waren. Der Anblick von drei halben Königen und aus dem Schnee herausragendem Stern muss köstlich gewesen sein“, erinnert sich Lukas Michlmayr gern zurück.
Das Männerquartett singt vierstimmige Lieder und hat für spezielle Situationen auch weltliche Lieder auf Lager. „Es kommt durchaus vor, dass wir nicht nur unter der Türe stehen bleiben, sondern auch ins Haus gebeten werden. Bei Keksen und einem Warmgetränk können sich die Hausbesitzer über weitere Lieder von uns freuen.“ Die Route wird jedes Jahr neu gewählt und 20 bis 30 Bauernhöfe und Häuser werden besucht. „Wir nehmen uns gerne Zeit für die Haushalte und bringen den Segen und die Frohe Botschaft in die Häuser.“    Wolfgang Zarl