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Priesterseminaristen: Dem Ruf Gottes folgen

Seit Herbst 2012 sind die Priesterseminaristen der Diözese St. Pölten im Erzbischöflichen Priesterseminar in Gemeinschaft mit den Wiener und burgenländischen Seminaristen untergebracht. Ihr Zentrum ist weiterhin die Diözese St. Pölten, wo sie sich auf unterschiedliche Weise einbringen.

Insgesamt leben im Erzbischöflichen Priesterseminar in der Strudlhofgasse 7 im 9. Wiener Gemeindebezirk  49 Männer, davon neun aus der Diözese St. Pölten, in kleinen Wohngruppen zusammen. Sie stehen an verschiedenen Punkten ihrer Ausbildung zum Priesterberuf. Erst kürzlich wurde Simon Eiginger, der aus Neuhofen an der Ybbs stammt und derzeit als Pastoralpraktikant in den Pfarren Nöchling und Dorfstetten tätig ist, zum Diakon geweiht. Zu „Peter und Paul“ am 29. Juni werden zwei Seminaristen im St. Pöltner Dom von Bischof Alois Schwarz zum Priester geweiht:  Alexander Fischer aus Kirchberg am Walde, der derzeit Pastoralpraktikant in Eichgraben und Maria Anzbach ist, sowie Christoph Hofstätter aus Persenbeug, derzeit Pastoralpraktikant in Haag.

Voll Gottvertrauen

Den anderen sechs Seminaristen begegneten wir von „Kirche bunt“ bei einem Besuch im Erzbischöflichen Pries­terseminar. Im Beisein von Regens Dr. Richard Tatzreiter erzählten sie in offener und herzlicher Weise von ihren Berufungen und dem Leben im Priesterseminar. Wir erlebten dabei junge  Männer, die voll im Leben stehen, die Verstand, Bildung und Humor haben und die mutig und voll Gottvertrauen ihr Leben Gott und den Menschen weihen wollen.

Die Entscheidung dafür fiel bei einigen sehr früh. Wie bei Lukas Rei­chard, der aus der Pfarre Arbesbach stammt: „Ich habe einen Moment während des Ministrierens erlebt und das hat mich seither nicht mehr losgelassen.“  Ähnlich erging es auch Thomas Heinrich aus Sieghartskirchen: „Ich hatte bei der Erstkommunion ein einprägsames Erlebnis und von da an die felsenfeste Überzeugung, Pries­ter zu werden und den Wunsch, Gott und den Menschen zu dienen.“

Auch Henry Ucho verspürte schon als Kind den Ruf zum Priestertum. Er wuchs in einer gläubigen katholischen Familie im Osten Nigerias auf und begann in seinem Heimatland mit dem Theologiestudium. Über Sabinus Iweadighi, Pfarrer von Pottenbrunn, und unterstützt von einigen Österreichern wechselte Henry vor drei Jahren nach Österreich. „Ich dachte mir, die Kirche ist universell, da kann ich über­all Gott und den Menschen dienen.“ Nur die Umstellung sei nicht so einfach gewesen: „Als ich in Wien ankam, war das Wetter wie zu Hause im Kühlschrank“, schmunzelt Henry.

Bei Thomas Brandhofer aus der Pfarre Purgstall gedieh der Wunsch langsam. „Ich hatte kein großes Berufungserlebnis, es waren eher die kleinen Momente, die mich immer mehr hingeführt haben“, erinnert er sich. Begleitet und bestärkt auf seinem Weg wurde er von seinem Heimatpfarrer Franz Kronister und von Weihbischof Anton Leichtfried.

Ähnlich erging es Thomas Lehner aus der Pfarre Amstetten-St. Stephan. Sein Wunsch, Priester zu werden, wuchs über die Jahre. Er erlernte zunächst den Beruf des Krankenpflegers. „Aus dieser sozialen Schiene heraus wuchs mein Wunsch, Priester zu werden“, erzählt er. Thomas Lehner erlebte übrigens den Umzug vom Pries­terseminar St. Pölten nach Wien. „Das wurde am Anfang ja teilweise kritisiert, aber ich glaube, dass es die beste Entscheidung war – sowohl für die Diözese wie auch für uns, denn so können wir in einer größeren Gemeinschaft leben.“

Thomas Schmid aus Ulmerfeld hatte schon früh durch seine pfarrliche Sozialisierung, sein familiäres Umfeld und priesterliche Vorbilder ein Interesse am Priestersein. „Ich hatte schon in der Schule bei manchen den Spitznamen Don Schmido“, lacht Thomas. 2015 schließlich trat er, nachdem er schon mit dem Theologiestudium begonnen hatte, ins Seminar ein. „Ich hatte verschiedene Phasen und auch gewisse Krisen im Lauf der Zeit – aber letztlich war da immer die Gewissheit: Es passt, das ist mein Weg.“ 

Die Seminaristen erzählen auch, dass die Menschen mehrheitlich positiv reagieren, wenn sie von ihrem Weg erzählen. Thomas Schmid: „Manche sind zwar überrascht, dass  heute noch wer Priester werden will. Aber ich erfahre eher Interesse als Abneigung.“ Er betont: „Wenn jemand in sich diesen Ruf spürt, dann würde ich ihm auf jeden Fall empfehlen, diesem nachzugehen und das einfach einmal auszuprobieren. Wenn man ins  Seminar eintritt, bedeutet das ja nicht automatisch, dass man das Weiheversprechen ablegen  muss. Aber ich glaube, dass das Seminar hilfreich sein kann herauszufinden, ob das der richtige Weg für einen ist.“

In die selbe Kerbe schlägt Regens Tatzreiter: „Man sollte, wenn man diesen Gedanken in sich trägt, diesen nicht wegschieben, sondern sich drübertrauen.“ Interessenten können sich  telefonisch oder schriftlich an einen der Vorstände wenden. (Näheres dazu in der Infobox auf Seite 12).

Zentrum für die St. Pöltner Priesterseminaristen ist die Diözese St. Pölten: Hier  absolvieren sie nicht nur ihr Praktikum, sondern haben in den vergangenen Jahren auch ihre Präsenz in den Pfarren verstärkt, die sie in Absprache an Sonntagen besuchen. Fixpunkte sind auch ihre Domdienste bei bischöflichen Liturgien. Zuletzt war das übrigens wieder in der Karwoche und Osterzeit. Nach dem Osterhochamt waren die Seminaristen gemeinsam mit Regens Richard Tatzreiter traditionell beim Bischof zum Mittagessen geladen. Dabei überreichten sie ein besonderes Geschenk: eine Tischglocke, auf dem sich das Relief des Diözesanpatrons, des hl. Hippolyt, befindet. Es ist dies eine Miniaturausgabe der neuen St. Pöltner Glocke in der Seminarkirche. „Sie möge den Bischof stets an die Seminaristen erinnern, auch wenn sie nicht in St. Pölten anwesend sind“, sagt Seminarsprecher Thomas Schmid. Die Glocke sei auch ein akustisches Signal, um nicht zu vergessen, dass es angebracht sei, gerade in den Wochen von Ostern bis Pfingsten im jeweiligen Umfeld zu schauen, ob es junge Männer gibt, die eine Priesterberufung haben könnten.

Übrigens: Von dieser Ausgabe an werden die Seminaristen  im „Brief an die Jugend“ (Seite 20) über ihren (Berufungs-)Weg schreiben.  Sonja Planitzer/Wolfgang Zarl

 

Geistliche Berufungen

Weltgebetstag für geistliche Berufungen: „Sei bereit“ – unter diesem Motto ruft die katholische Kirche weltweit rund um den 12. Mai auf, für geistliche Berufungen zu beten. In der Diözese St. Pölten finden zwei Wallfahrten statt:
Berufungswallfahrt: Am 12. Mai laden die Priesterseminaristen der Diözese St. Pölten zur Berufungswallfahrt nach Maria Taferl. Fußwallfahrer starten um 8.30 Uhr bei der Schiffstation Marbach/Donau. Die heilige Messe beginnt um 10 Uhr in der Basilika Maria Taferl.
Nachtwallfahrt: Schon am 10. Mai findet eine Nachtwallfahrt auf den Sonntagberg mit P. Laurentius Resch OSB und Mitarbeitern und Freunden des Hauses Gennesaret  statt. Abmarsch: 20 Uhr beim Friedhof Gleiß; um 21.30 Uhr wird in der Basilika Sonntagberg eine Messe gefeiert.
Pfingstnovene: Vom 31. Mai bis 8. Juni wird die Pfingstnovene im Anliegen um Berufungen gebetet. Als Gebetsheft dient die neue Gebetsbroschüre „ICH BIN DA“. Erhältlich ist diese beim Behelfsdienst der Pastoralen Dienste:
Tel. 02742/324-3315; E-Mail: .

Der Weg zum Priesterberuf: Der Eintritt in ein Priesterseminar ist ein Schritt in ein neues und unbekanntes Land. Um sich besser orientieren zu können, bieten persönliche Kontakte die beste Möglichkeit, mehr über diesen Schritt zu erfahren. Ganz informell kann man sich bei einem der Vorsteher des Erzbischöflichen Priesterseminars informieren oder  Kontakt zu einem Priester oder einer anderen geeigneten Person suchen. Infos: Tel. 01/3108750 oder E-Mail: .

Der Ausbildungsweg für Priester: In der Regel gliedert sich die Ausbildung in sechs Phasen: Propädeutikum (1 Jahr), Seminarkurs (1-3 Jahre), Externjahr (1 Jahr), Seminarkurs (1-2 Jahre), Praktikumsjahr (1 Jahr) und Diakonatsjahr (1 Jahr). Die wissenschaftliche Ausbildung bildet das Studium der Theologie. Die spirituelle Formung obliegt den Spiritualen und dem vom Seminaristen frei gewählten geistlichen Begleiter bzw. der geistlichen Begleiterin. Nähere Infos unter: www.wiener-priesterseminar.at.