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Papst Franziskus besucht den Südosten Afrikas

Foto (@Foto: Romano Siciliani/Romano Siciliani/KNA): Madagaskar

Mosambik steht bei der Papstreise im Brennpunkt. Erst heuer im März wurde das Land von einer Naturkatastrophe getroffen: Der Zyklon Idai überzog das Land mit Verwüstung. Rund 600 Menschen starben, viele blieben vermisst, Hunderttausende wurden obdachlos. Das Unglück warf das Land in seiner Wirtschafts- und Finanzkrise noch einmal weiter zurück.

Die Reiseankündigung zwei Wochen nach dem Zyklon Idai ließ erwarten, dass Papst Franziskus auch die Katastrophenregion besuchen werde. Doch das ist nicht geplant, denn auch ein halbes Jahr nach dem Sturm sei eine Papstvisite im Katastrophenort logistisch nicht verkraftbar, hieß es im Vorfeld dazu. So absolviert Papst Franziskus ein „Standardprogramm“: Er trifft mit dem Klerus und pastoralen Mitarbeitern zusammen, wird ein Straßenkinder-Projekt besuchen oder auch ein interreligiöses Jugendtreffen.

Auf dem Programm steht ebenso ein Treffen mit Politikern des Landes – allen voran Präsident Filipe Nyusi. Für Nyusi ist der Papstbesuch am Ende seiner Amtszeit ein Glanzlicht. Ein weiterer Erfolg ist ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und der bewaffneten Opposition, das wohl nicht zufällig kurz vor dem Papstbesuch – am 1. August – unterzeichnet wurde.

Nach einem Bürgerkrieg ist Mosambik eines der ärmsten Länder der Welt. 2016 belegte es Platz 181 von 188 Ländern im Index der menschlichen Entwicklung. Der 15 Jahre lang währende Bürgerkrieg forderte fast eine Million Tote und konnte 1992 mit dem „Frieden von Rom“ beendet werden. Maßgeblich war dies ein Verdienst der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio.

Wirtschaftlich kämpft das Land mit großen Herausforderungen: Drückten erst der Verfall der Kohlepreise die Handelsbilanz und das Klimaphänomen El Nino die Erträge in der Landwirtschaft, so belastete ein milliardenschwerer Kreditskandal 2016 das Vertrauen der Geber. Hoffnungen knüpfen sich an Gasvorkommen im Norden, aber seit Ende 2017 schüren dort Attacken von mutmaßlich islamistischen Milizen Unsicherheit. Unterdessen setzt China, das nicht zuletzt ein Auge auf die Rohstoffvorkommen Mosambiks geworfen hat, große Infrastrukturprojekte. Aushängeschild ist die im November 2018 eröffnete Hängebrücke über den Golf von Maputo, das längste Bauwerk dieser Art in Afrika. Die Kosten von schätzungsweise 726 Millionen US-Dollar entsprechen gut einem Fünftel des Staatshaushaltes. Gesellschaftlich stellen die Gesundheitsfürsorge und vor allem Aids Herausforderungen dar. Auf dem Feld der Bildung gibt es zwar Fortschritte – die Analphabetenrate sinkt –, aber insbesondere die Förderung von Mädchen und Berufsperspektiven für die vielen in Frustration und Armut gefangenen Jugendlichen bleiben dringende Aufgaben.

Lebhafte Konkurrenz für die Katholiken

Die katholische Kirche hatte in den ers­ten Jahren der mosambikanischen Unabhängigkeit einen schweren Stand: Ihr haftete der Geruch der ehemaligen Kolonialmacht Portugal an, und die damals marxistische Regierungspartei FRELIMO war auf Religion generell nicht gut zu sprechen. Mittlerweile sind die Enteignungen teilweise rückgängig gemacht worden. Der Episkopat gilt als geeint und politisch neutral.

Katholiken machen 28 Prozent der Bevölkerung aus; allerdings hat die Gesamt­heit der anderen christlichen Gemeinschaften sie inzwischen überholt. Eine lebhafte Konkurrenz besteht durch evangelikale Missionare aus Brasilien, die mit der portugiesischen Sprachverwandtschaft und wirtschaftlichen Heilsversprechen punkten.

Die weiteren Reiseziele sind
Madagaskar …
Die nächste Station des Papstes ist Madagaskar. Auch dort erwartet ihn ein Land mit gravierenden Armuts­problemen und einer Wirtschaftsentwicklung, die dem Bevölkerungswachstum hinterherhinkt. Ein Hemmschuh ist die Infrastruktur: Trinkwasser ist da, aber in ländlichen Regionen fehlt die Technologie für die Versorgung. Die Überlandstraßen sind so schlecht, dass die Madagassen ein eigenes Auto konstruierten, den legendären Karenjy.
Als politischer Lichtblick galt im Jänner die friedlich-demokratische Wahl von Andry Rajoelina zum Präsidenten. Zehn Jahre zuvor hatte der damals 34-Jährige versucht, den wirtschaftsliberalen Staatschef und Groß­unternehmer Marc Ravalomanana wegzuputschen. Damals hielten die Kirchen zum Amtsinhaber.

Reforminitiativen der neuen Regierung zielen auf den Ausbau des Straßen- und Stromnetzes, auf die Landwirtschaft, in der acht von zehn Madagassen tätig sind, aber auch auf den Bergbau als Devisenbringer und auf Tourismus: Die biologische Artenvielfalt und eine attraktive Küs­tenlinie bilden eine kostbare Ressource; ob aber das Land zu einer nachhaltigen Entwicklung fähig wird, beobachten ausländische Experten mit Sorge.

… und Mauritius
Den Schluss markiert ein Tagesausflug auf die 1.000 Kilometer östlich gelegene Insel Mauritius. Dort feiert Franziskus eine Messe beim Heiligtum „Maria Königin des Friedens“ in der Hauptstadt Port Louis. Ferner will er an der Gedenkstätte des französischen Ordensgeistlichen Jacques Desire Laval (1803-1864) beten, der als Missionar der Insel gilt. Im Gegensatz zu Mosambik und Madagaskar gilt Mauritius als fast so etwas wie eine Insel des Wohlstands. Das Taucherparadies ist politisch stabil und hat den Ruf als Steueroase.

Drei Länder, fünf Programmtage, 14 Ansprachen. Viele Themen liegen auf dem Tisch: Frieden, Armut, soziale Ungleichheit, Seelsorge in schlecht zugänglichen Regionen, die Folgen des Klimawandels oder auch das Zusammenleben in ethnischer und religiöser Vielfalt. Vier Wochen vor der Amazonas-Synode mit ähnlichen Fragen wird es interessant sein zu sehen, welche Akzente Franziskus setzt.

Burkhard Jürgens/KNA/Red.

Foto (@Foto: Romano Siciliani/Romano Siciliani/KNA): Madagaskar