Nino Schweiger berichtet von seinem Ghana-Volontariat

Mein Name ist Nino Schweiger. Auf die Frage, wie ich meinen Zivildienst sinnvoll gestalten kann, gab mir die Organisation Volontariat Bewegt – eine Initiative von Jugend eine Welt und den Salesianern Don Boscos – eine Antwort: Ein Volontariatsdienst in einem Straßenkinder-Projekt des Globalen Südens! So ging es für mich in das westafrikanische Land Ghana. 

Ungewohnte Umgebung

Die Anfangszeit war sehr intensiv. Überall, wo man hinsieht, geschieht etwas Neues. Viele Menschen bleiben auf den Straßen stehen, um mit mir zu reden. Beinahe jeder will einen Obruni („weißen Mann“) in seinem Land willkommen heißen. Wenn man in einen Autobus steigt  wird plötzlich gebetet, dass alles gut geht. Auf den Straßen sieht man Kinder mit einfachsten Dingen spielen, Leute mit enormen Lasten auf ihren Köpfen herumgehen und viele Straßenverkäufer. Der Glaube in Ghana ist sehr stark. Dies liegt unter anderem auch an der Armut, in der die Menschen leben. Das Gebet, mit der ehrlichen Bitte, täglich etwas zu Essen zu bekommen, ist dabei etwas Normales.

Aufgaben

Meine Arbeit findet in einem Jugendzentrum in Odumase statt. Auf einem großen Gelände, wo jedes Kind zum Spielen willkommen ist. Dort biete ich abwechselnd Fußballtrainings, Basketballunterricht, Theater-Aufführungen sowie Tanz-, Bastel- und diverse Mini-Spiel-Einheiten an. An einem Nachmittag kommen dabei schon so um die 200 Kinder zu uns. An besonderen Tagen wie zu Weinachten, Ostern und an Wochenenden sind bis zu 300 Kinder und Jugendliche da. Zudem erzählen wir den Kindern Geschichten mit einem oft moralisch lehrreichen Hintergrund. 

Herzliche Menschen

Ich fühle mich sehr wohl in der ghanaischen Kultur und es gab viele Situationen, in denen ich von der Gutherzigkeit dieser Menschen positiv überrascht wurde.

Ich hatte vor einiger Zeit meinen Rucksack samt Geldbörse und Geld, Handy und Kamera in einem Taxi vergessen. Ich war natürlich komplett verzweifelt, da es Millionen von Taxis in dieser Stadt gab und dachte, dass ich es nie wieder finden würde. Ich stieg also in das nächste Taxi und erzählte dem Fahrer alles, was passiert war. Sofort fuhr er mit mir zu einem Radiosender, den alle Taxifahrer hörten. Dort wurde meine „Vermissten-Anzeige“ gesendet. Und siehe da: Später an diesem Tag suchte mich der Taxi-Fahrer auf und übergab mir meinen Rucksack… mit all meinen Sachen.

Einmalige Erfahrung

Mein Volontariatsdienst ist geprägt von vielen neuen Erfahrungen und Bekanntschaften, die mich selbst in vielen Hinsichten stärken und bereichern. Ich kann es nur herzlichst allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen empfehlen, solche Erfahrungen selbst zu sammeln!

 

Volontariat-Statistik:

475 Österreicher haben im vergangenen Jahr einen mindestens drei monatigen freiwilligen Auslandseinsatz geleistet und sich dabei für Soziales, Entwicklungshilfe oder Menschenrechte engagiert. Im Vergleich zum Vorjahr sind das um ein Fünftel mehr an Volontäre. Mehr als die Hälfte der der Einsätze führten nach Asien, Amerika, Afrika und Ozeanien, laut der der Statistikservicestelle „WeltWegWeiser“. Die beliebtesten Einsatzländer waren Ecuador, Uganda, Kenia und Indien. Die häufigsten Tätigkeitsbereiche waren im sozialen Bereich mit Kindern und Jugendlichen. Der Großteil der Österreicher, die ein Volontariat absolvierten, waren zwischen 18 bis 25 Jahren (80 Prozent). Die Mehrheit bilden Frauen. 60 Prozent der Volontäre sind Frauen.