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Missionar P. Felix: „Brasilianer haben Gespür für das Heilige“

Elf Missionare aus der Diözese St. Pölten wirken derzeit in aller Welt. Die diözesane „Missio“ hält Kontakt mit ihnen, bei Heimatbesuchen berichten sie über ihre vielfältigen Aktivitäten. So erzählte der gebürtige Dorfstettner Pater Felix Poschenreithner im Pfarrsaal von Maria Laach von seinem Leben als Missionar in der brasilianischen Diözese Nova Iguaçu nahe Rio de Janeiro.

1998 kam Pater Felix erstmals nach Brasilien, auf Einladung von Ordens­schwes­tern, die sich um Leprakranke kümmerten. Er war vier Wochen dort und war beeindruckt von der Arbeit der Ordensfrauen und von der lebendigen und lebensfrohen Gesellschaft. Dann kam er wieder. „Aller Anfang war schwer“, erzählt er, „ich bekam eine riesige Großstadtpfarre zugeteilt und konnte kaum Portugiesisch.“ Mittlerweile sei es umgekehrt, jetzt habe er eine relativ kleine Pfarre am Fuße einer Berghanges. In der Pfarre des 67-jährigen Kalasantiner-Priesters leben fast 40.000 Menschen, er wohnt gemeinsam mit fünf jungen Theologiestudenten im Pfarrhof.

Emotionale Brasilianer


Die Brasilianer seien temperamentvoll und emotional, erzählt der Missionar. Sie hätten ein „Gespür für das Heilige“ und das feiern sie auch: mit viel Blumenschmuck, lebendigen Gottesdiensten oder mit für uns Österreichern ungewohnten Karfreitagsumzügen. „Ruhige Messen feiern wir nicht – im Gegenteil.“ In der Diözese mit zwei Millionen Einwohnern wirken nur rund 80 Priester.
P. Felix meint, dass es in Brasilien einen Priestermangel gebe, der von Region zu Region unterschiedlich sei. Aber es würden sich viele Laien engagieren, alleine in seiner Diözese würden 4000 Kommunionhelfer und 1500 Wortgottesleiter Dienst tun. Zu schaffen mache der katholischen Kirche das Wachsen der Freikirchen. Da dürfe man keine Resignation zulassen. Man versuche „missionarisch tätig zu sein und zwar in einer guten Art“. Wegen der vielen anderen christlichen Gemeinden – die 500 Kirchengebäude in der Diözese errichteten – sei es wichtig, Präsenz zu zeigen, etwa mit Prozessionen zu Ehren der Gottesmutter: „Da ziehen wir auf schlechten Straßen und oft bei Regen betend und singend durch den Ort.“


Der Kalasantiner beklagt die allgegenwärtige Kriminalität: Bandenkriege, Gewalt, Morde und Korruption seien Alltag. Brasilien sei reich an Ressourcen und Rohstoffen und doch käme das bei vielen nicht an, Industrie und Technologien würden fehlen. Dazu gebe es nur geringe soziale Standards, fragwürdige Bürokratie, hohe Arbeitslosigkeit und Umweltprobleme. Die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro setze falsche Maßnahmen – etwa die Streichung der Bildungsgelder um 30 Prozent. Manchmal würde man aufgrund der vielen Probleme gerne alles hinschmeißen, aber man müsse sich eben Freiräume schaffen. Seine Pfarre leiste jedenfalls viel Positives: Sie kümmert sich um Schwangere in Notsituationen, Behinderte und Arme. Weiters werden Jugendliche mit Stipendien unterstützt. Die Jugend ist P. Felix ein besonderes Anliegen: Aufgrund der schlechten politischen Stimmung würden sie schnell resignieren und da steuere seine Pfarre dagegen und motiviert, an die Zukunft zu glauben.