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Menschen auf der Flucht

Foto: Katrin Gänsler/KNA

Millionen Menschen erleben Weihnachten nicht als Friedensfest – sie sind auf der Flucht. Doch gerade für sie hat die Geburt Jesu besondere Aktualität.

Wir sind gewohnt, Weihnachten möglichst „romantisch“ feiern zu wollen. Dazu bedarf es freilich viel Vorbereitung, wozu uns die Zeit des Advents vielfache Möglichkeiten bietet. Gerade im Advent ist die Sehnsucht nach Licht enorm: Schon Mitte November werden Lichterketten, leuchtende Weihnachtsmänner, springende Rentiere mit Schlitten vor den Häusern installiert. Zu Weihnachten selbst sind heute viele Menschen „voll“, doch nicht erfüllt, sondern „ausgepowert“; sie wissen mit dem eigentlichen Geheimnis der Menschwerdung Gottes kaum noch etwas anzufangen.
Das Drama um die Geburt Jesu lässt jeden „romantischen Weihnachtszauber“ schnell entfliehen. Der Evangelist Johannes beklagt im Prolog: „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinigen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Durch die aus Steuergründen veranlasste Volkszählung des machtgierigen Kaisers Augustus konnte Maria ihr Kind nicht in Nazaret zur Welt bringen. Und in Betlehem, der Heimatstadt Josefs, fanden sie keine Unterkunft, um Jesus eine würdige Geburt zu ermöglichen. Der nächste Albtraum für Maria, Josef und das neugeborene Jesuskind war die Flucht nach Ägypten, die König Herodes der Große aus Größenwahn und Verlust­ängsten veranlasste.

Wie verbringen heute Menschen auf der Flucht Weihnachten?

Berichten der UNO-Flüchtlingshilfe zufolge sind heute ca. 71 Millionen (!) Menschen vor Krieg, Konflikten, Verfolgung auf der Flucht. Die Zahl der Flüchtlinge war noch nie so hoch wie heute. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Südsudan, Jemen, Irak und der Ukraine. Davon sind ca. 111.000 Minderjährige ohne Begleitung, die besonders gefährdet sind. Deshalb hat es sich die UNHCR zum Ziel gesteckt, für die Rechte und Bedürfnisse der Kinder einzutreten. Und wie viele Menschen, die sich Schlepperbanden anvertraut haben, durch Hunger, Kälte, Ertrinken, sterben auf der Flucht?
Über 170.000 Flüchtlinge dürften in Österreich Aufnahme gefunden haben, wovon viele von ihnen schon mehrere Jahre in Österreich leben und ein Leben in Frieden aufbauen wollen. Österreich gehört zu den reichsten Ländern der Erde. Da schmerzt es schon, wenn dramatische Abschiebungen – gerade noch vor Weihnachten – exekutiert werden, Behörden den Flüchtlingen und           Helfern Schwierigkeiten bereiten. Ist nicht vielmehr das Gesetz für den Menschen da, als der Mensch für das Gesetz? Trotzdem: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14).

Im Jahrhundert der Flüchtlinge gilt erst recht, was Papst Franziskus der Welt ungefähr so ausrichtet: In vielen Fällen ist Flucht ein Aufbruch voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Weihnachten muss die Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit aufwecken und die Augen für das Leid der Menschen öffnen. Auch heute gibt es Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden. Weihnachten sei der Zeitpunkt, um die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln (vgl. Ansprache von Papst Franziskus am 24. Dezember 2017). H. Ambrosius Straka can.reg.