Leben mit Terror und Klimawandel

Auf die zunehmende Gewalt und die immer stärkeren Auswirkungen des Klimawandels in Burkina Faso machten Ordensschwester Adeline Oedraogo und Cariatsprojektleiter Désiré Somé bei ihrem Besuch in der Diözese St. Pölten aufmerksam.

Wir leiden sehr unter der zunehmenden Gewalt und den Klimaveränderungen“,  betont Désiré Somé, Projektleiter bei der OCADES (Caritas) in Burkina Faso. Er und Ordensschwester Adeline Ouedraogo weilten im Rahmen eines Bildungsprojektes von „Welthaus“ in Österreich und besuchten in der Diözese St. Pölten mehrere Pfarren und Schulen, wo sie über ihren Einsatz und ihre Arbeit im westafrikanischen Land berichteten.

Brutale Attentate auf Christen in Burkina Faso hatten in jüngster Zeit für weltweites Entsetzen gesorgt. So wurden am 15. Mai der spanische Salesianer-Pater Fernando Hernandez im Südwesten des Landes erstochen und ein togoleischer Mitbruder schwer verletzt. Kurz davor waren im Norden des Landes fünf Gläubige und ein Priester in einer Kirche und tags darauf vier Gläubige bei einer Marienprozession getötet worden. 

„Wir wissen nicht, woher die Angreifer wirklich kommen, denn grundsätzlich herrscht in Burkina Faso zwischen den Religionen ein gutes Miteinander. Da leben selbst in Familien Chris­ten und Muslime friedlich zusammen“, sagt Sr. Adeline Ouedraogo. Seit der langjährige Präsident Blaise Compaoré 2014 die Macht abgegeben habe, sei das Land instabil, erklärt Désiré Somé. Das würden manche Gruppen ausnützen. Man nimmt an, dass die islamistischen Extremisten, die sich zu den Attentaten bekannten, aus den Nachbarstaaten Mali und Niger kommen. Hinter den Angriffen vermutet man aber vor allem auch wirtschaftliche Interessen, denn Burkina Faso ist reich an Bodenschätzen, vor allem Gold. Die Caritas versucht nun im Land mit einem Programm, das die Toleranz und gegenseitige Akzeptanz fördert, der negativen Entwicklung entgegenzuwirken, so Somé.

Schwer zu schaffen macht Burkina Faso vor allem auch der Klimawandel: Die Regenzeit wird von Jahr zu Jahr kürzer, die Böden werden trockener, die Ernteausfälle häufen sich. Vor allem der Norden ist betroffen. „Wir spüren die Klimaveränderungen sehr. 140.000 Menschen sind im Land auf der Flucht, weil sie keinen Zugang zu Nahrung haben“, so Désiré Somé. Die Caritas hilft Familien im Land in besonders schlimmen Notsituationen. 

Der Fokus der Arbeit von Sr. Adeline liegt in der Aus- und Weiterbildung von Jugendlichen und Frauen. Vor allem Frauen werden geschult, landwirtschaftliche Kleinbetriebe aufzubauen und zu betreiben sowie Mahlzeiten gesünder und nährstoffreicher zuzubereiten.

In der Landwirtschaft in Burkina Faso versucht man sich auf die Klimaveränderungen einzustellen. Dank angepasster landwirtschaftlicher Methoden sind selbst bei extremen Bedingungen meist ausreichende Ernten möglich. So entwickelte der Bauer Yacouba Sawadogo im Kampf gegen die Wüstenbildung eine traditionelle Landwirtschaftsmethode weiter: Er füllte in kleine Pflanzlöcher Saatgut, ummantelte diese mit einer Mischung aus Viehdung, Blättern und Asche, legte Steine darum, um so später das Abfließen des Regenswassers zu verlangsamen. Mit der Methode wurden in mehreren Ländern Afrikas Wüstengebiete wieder begrünt, wofür Sawadogo im Vorjahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Fairer Handel und gemeinsamer Einsatz für die Umwelt

80 Prozent der Menschen in Burkina Faso arbeiten in der Landwirtschaft, leben können sie davon aber nicht. Doch das hänge nicht nur mit dem Klimawandel zusammen, sondern auch mit der Tatsache, dass Produkte aus den westlichen Ländern oft viel billiger sind als die eigenen. „Uns würde ein fairer Handel helfen“, sagen Sr. Adeline und Désiré Somé. Und sie appellieren an die Menschen in den reichen Ländern für einen gemeinsamen Einsatz für die Umwelt. Die Ordensfrau: „Es gibt hier Wasser im Überfluss, aber wir haben auch Landwirte getroffen, die uns erzählt haben, dass das Land trockener wird. Wir leben alle auf der gleichen Erde und werden darum auch alle die gleichen Konsequenzen spüren müssen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns alle an die gleichen Regeln halten. Umweltschutz ist eine Überlebensfrage. Das muss eine Bedingung sein für alles.“ Sop