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Langeweile darf sein

Im Winter kann bei Kindern mitunter Langeweile aufkommen – vor allem wenn das Wetter grau ist. Doch die Jahreszeit muss aus Kindern keine Stubenhocker machen. Gerade in solchen „leeren“ Zeiten entstehen gute Ideen.

Mir ist langweilig!“ Dieser Satz ist in den Ferien manchmal zu hören – besonders im Winter, wenn das Wetter die Kinder zum Zuhausebleiben animiert. Wenn der Himmel grau und der Boden durchweicht ist, wissen Kinder oft nichts mit sich anzufangen. 

Manche Eltern verspüren dann den Impuls, für Unterhaltung und Beschäftigung zu sorgen oder Ideen zu liefern. Doch nicht immer ist das sinnvoll. Beide, Eltern und Kinder, können lernen, die Langeweile erst einmal auszuhalten. „Langeweile darf sein, jedes Kind ist in der Lage, sie auszuhalten“, sagt die Psychologin Elke Leger. „Und schon bald wird aus der Langeweile heraus eine Idee entstehen und aus dieser Idee eine Beschäftigung, in der das Kind Raum und Zeit vergisst. In diesem Moment hat es die Erfahrung gemacht, dass unverplante Zeit glücklich machen kann.“

Einfach nur dasitzen

Allerdings gilt auch hier: Kinder lernen am Vorbild. Viele erleben den Alltag ihrer Eltern als hektisch. Einfach nur dasitzen und atmen, einer Kerze beim Brennen zuschauen, Musik hören, ohne nebenher noch schnell etwas zu erledigen – das alles kommt in Familien oft kaum noch vor. Der Schriftstellerin Astrid Lindgren waren solche „leeren“ Zeiten wichtig: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen“. Auch Kinder brauchen solche Pausen. 

Nicht selten ü̈berbrücken Kinder und Eltern diese leeren Zeiten mit dem Griff zum Smartphone, Tablet oder zur Fernbedienung. Die mediale Unterhaltung stellt die Kinder zwar eine Weile ruhig, löst das Problem aber nur vordergründig. Denn Fernsehen oder Computerspiele lassen wenig Spielraum für eigene Ideen und Erfahrungen mit allen Sinnen. 

Eine Fülle von Anregungen lassen sich schon im häuslichen Alltag entdecken. Manche Kinder lieben es, beim Einkaufen und Aufräumen, beim Wäscheaufhängen, beim Kochen und Backen, Tischdecken oder Staubsaugen spielerisch und doch ernsthaft einbe- zogen zu werden. Manchmal verbirgt sich hinter dem „Mir ist langweilig“ auch der Wunsch nach Nähe und Kontakt. Und der ist bei solchem Helfen gegeben. 

Und längst nicht zu jedem Spiel brauchen Kinder gekauftes Spielzeug. Eine Verkleide-Kis­te mit Decken, Tüchern, abgelegten Kleidern und Hüten birgt etwa einen unerschöpflichen Fundus für Rollenspiele. Weil in vielen Kinderzimmern die Regale von Spielzeug übergehen, ist es ratsam, einiges an Spielzeug für eine bestimmte Zeit wegzuräumen. So können die Kinder dieses Spielzeug wiederentdecken und neu wertschätzen. Eine großzügig mit verschiedenen Dingen wie Stiften, Farben, Pinseln, Knete, Schere, Klebstoff und Papier ausgestattete Bastelkiste kann ebenfalls dazu beitragen, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Ein Geschenk selbst basteln, einen Kuchen backen, in Töpfen Pflanzen vorziehen – es gibt eine Fülle von Möglichkeiten.

Der Winter muss aus Kindern keine Stubenhocker machen. Bei einer Regen- oder Schneewanderung dem Wetter trotzen: Wenn man sich einmal überwindet, bietet die Natur auch jetzt viele sinnliche Erlebnisse. Manchmal genügen schon ein paar Minuten im Freien, eine Runde Spazieren-Gehen, und man fühlt sich „ausgelüftet“ und voller Energie. 

Wenn Kinder nicht hinausgehen wollen, liegt es manchmal daran, dass sie ein Spiel nicht unterbrechen wollen. Entweder wartet man das Ende des Spiels ab, oder man nimmt das Spielzeug ins Freie mit: Die Puppe kann mit hinaus gehen, das Auto auch im Hof fahren. Die Ansicht, dass Langeweile Kindern nicht schadet und ihnen ein gewisses Maß sogar gut tut, hilft vielleicht im Umgang mit dem gelangweilten Kind: „Du langweilst dich? Das ist gut! Da entstehen die besten Ideen.“ KNA/Red.