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Konradsheim – reich an Berufungen

In der kleinen Ybbstaler Pfarre Konradsheim hörten besonders viele den Ruf Gottes: Rund 20 Frauen traten in eine Ordensgemeinschaft ein und sieben Männer wurden zu Priestern geweiht. „Kirche bunt“ besuchte die Familie Ritt, aus der gleich fünf Geschwister ihr Leben der Kirche widmeten.

Schon mit sieben Jahren hat unser Josef philosophiert und über schwierige Themen wie den Tod nachgedacht“, berichten seine Geschwister. Josef wurde später Priester, ebenso sein älterer Bruder Karl. Aus der 13-köpfigen Geschwisterschar traten weiters zwei Schwes­tern in den Orden der Franziskanerinnen ein: Sr. Klara Angelina und Sr. Theresia Fridoline. Außerdem half Rosa als Pfarrhaushälterin ihrem Bruder Karl, der 40 Jahre als Pfarrer in Plankenstein sowie 30 Jahre in Texing gewirkt hat. Auch aus der nächsten Generation ist eine Nichte Ordensschwester geworden.
Laut einer Erhebung ist Konradsheim ganz vorne bei den kleineren Pfarren dabei, was die Zahl der Berufungen betrifft: Rund 20 Ordensfrauen und sieben Priester hörten dort in den letzten 150 Jahren den Ruf Gottes, ein Gutteil von ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg.


Sr. Fridoline betont mit dem Vers „Die Freude an Gott ist meine Stärke“ aus den Psalmen, dass sie sich jeden Tag über ihre Berufung freue. Sie arbeitete u. a. in der Landwirtschaft der Franziskanerinnen in Hainstetten und wirkt jetzt als Mesnerin in der Klosterkirche von Amstetten. Sie habe schon als Kind die Sehnsucht gehabt, „Gott ganz zu ge­hören“. Sie habe ihren Weg nie bereut, auch wenn zum Ordensleben manch schwierige Stunde dazugehöre.

Glauben vorbildhaft vermittelt

Die Eltern Maria und Franz hätten den Kindern den Glauben damals vorbildhaft vorgelebt, berichten die Geschwister. Es sei morgens, mittags und abens selbstverständlich gewesen zu beten. In der Familie sei es gleichzeitig immer gesellig hergangen. Bei Familienabenden habe man viel gesungen, dieses schöne Familienleben habe gerade bei den Ordensfrauen auch zu starkem Heimweh geführt. Das Gesellige hat die Familie beibehalten: Bei einem der Treffen, bei dem „Kirche bunt“ dabei sein durfte, wird groß aufgetischt, es werden Anekdoten von früher erzählt und natürlich wird gesungen: etwa alle Strophen von „In die Berg bin i gern“ oder religiöse Lieder. Vier Generationen haben sich am Tisch des Bauernhofes versammelt, zu dem eine enge, steile Straße führt. Rundherum ist ein landschaftliches Paradies: die Mostviertler Hügel bieten im Herbst ein wunderschönes Panorama.
Konradsheim, das zur Gemeinde Waidho­fen/Ybbs gehört und rund 700 Einwohner zählt, war über viele Jahre geprägt von den rund hundert Bauernhöfen. Zuletzt wurden viele neue Häuser gebaut, um die Jungen im Ort zu halten. Früher hatten die Familien zwischen drei und 13 Kinder. In vielen Familen war es eine große Freude, wenn jemand Priester oder Ordensfrau wurde. Auch bei Sr. Angelina war es so. Eines Tages habe die Mutter zu ihr gesagt, sie würde sich freuen, wenn eine ihrer acht Töchter ins Kloster gehe. Aufgrund des familiären und des pfarrlichen Umfeldes sei  das also quasi in die Wiege gelegt worden, so
Sr. Angelina. Sie arbeitete nach dem Eintritt und ihrer Ausbildung als Kindergärtnerin in Gmünd, Langenlois und Loosdorf. Sie habe ihr bisheriges Leben im Orden immer als erfüllend empfunden.
Konradsheim sei ein „fruchtbarer Ort für Berufung“ gewesen, sagen die Geschwister. Geprägt habe die Pfarre in der Nachkriegszeit Pfarrer Johann Koller, der als fromm und leutselig galt. Auch er habe junge Menschen angesprochen und zum geistlichen Beruf ermutigt. Das bestätigt auch der gebürtige Konradsheimer Klaus Farfeleder, der als Pastoralassistent in der Pfarre Amstetten St. Stephan wirkt. Koller sei ein „Volkspriester“ gewesen, dessen Vorbild für manche ausschlaggebend gewesen sei, Priester zu werden. Ab 1930 habe er neue Jugendbewegungen nach Konradsheim geholt, für die Nazis sei der Ort nicht leicht gewesen. Die Bevölkerung habe zur Kirche gehalten, so Farfeleder. Auch heute gebe es im Ort einen guten Zusammenhalt. Und die Menschen halten zusammen, erzählt Farfeleder: „Die Landjugend des Dorfes organisiert etwa im August einen Wandertag, an dem 3.000 Menschen teilnehmen.“

Familie und Pfarre prägten

„Aufsehenerregende Berufungserlebnisse“ seien es bei ihnen nicht gewesen, vielmehr waren es das religiöse Umfeld und die Familie, die positiv beindruckten, so die Ritt-Geschwister. P. Josef, der dem Orden der Steyler Missionare angehört und als Pfarrer in Vösendorf tätig ist, weiß viel um die Charakteristik von Konradsheim. Er schwärmt von der Zeit seiner Kindheit, als der Ort vom Glauben wesentlich bestimmt war; gerne kommt er mit Angehörigen seiner Pfarren zu Exkursionen her, um ihnen Konradsheim zu zeigen. Die geringe Kinderzahl in den Familien sowie die fehlende Weitergabe des Glaubens machen die Ritts hauptverantwortlich, dass es heute so wenige Eintritte in die Klöster oder Pries­terseminare gibt. Sie sagen aber auch: „Verstehen können wir es eigentlicht nicht, dass es gar so wenige sind.“    W. Zarl