Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Keine Mutter wie die andere

Eine Mutter, wie sie „im Buche steht“, muss nicht einem Ideal entsprechen. Auch die Mütter in der Bibel erleben Höhen und Tiefen in verschiedensten Lebenssituationen. Ihre Geschichten führen in eine andere Zeit – und inspirieren heute noch die Leser.

Mutter zu sein gehört zu den schönsten und tiefgreifendsten Erfahrungen im Leben. Die Liebe einer Mutter zum Kind ist einzigartig, verbunden mit großer Verantwortung und Sorge um das Wohlergehen des Kindes.

Die Mütter der Bibel zeichnen kein Idealbild, sondern in ihren Lebensgeschichten spiegeln sich die Vielfalt des Lebens wider sowie die Prob­leme der Gesellschaft, in der sie leben. Ihre Geschichten gewähren dabei Einblicke in eine andere Zeit und eine andere Kultur.  

Eine patriarchale Gesellschaft

Die Frauen des Alten Testaments leben in einer patriarchalen Gesellschaft, in der Männer über den Frauen ihrer Gesellschaftsschicht stehen. Bis zirka 1000 v. Chr. leben die Menschen im späteren Israel in Stämmen, den „zwölf Stämmen Israels“. Ihre Geschichte wird in der Bibel in Form von Familienerzählungen niedergeschrieben: Das Entstehen von Stämmen wird als Zeugen und Gebären von Kindern erzählt. Für das Oberhaupt einer Familie ist der Besitz von Land eben­so essentiell wie eine Nachkom­­­men­schaft, die die Zukunft des Stammes garantiert. 

Diesen Notwendigkeiten müssen sich Frauen wie Sara, Hagar, Rahel und Lea unterordnen. Daraus resultieren zahlreiche Konflikte um die Erbfolge und Rivalitäten unter den Frauen. Nicht Hagars Sohn Ismael darf die Verheißung erfüllen, sondern nur Saras Sohn Isaak, sodass Hagar auf brutale Art und Weise vertrieben wird.  Die Rivalitäten zwischen einzelnen Personen spiegeln Konflikte zwischen den Völkern des Vorderen Orients im 1. Jahrtausend vor Christus wider.

Eine weitere unkonventionelle Ahnfrau ist Rut, die als Witwe ihr Land verlässt, um sich nicht von ihrer Schwiegermutter trennen zu müssen. In Betlehem bewahrt sie die alte Frau zunächst vor Hunger und kann ihr später eine dauernde Altersversorgung sichern. Das biblische Buch „Rut“ thematisiert ausdrücklich das Lebensschicksal von Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft und tritt dafür ein, dass es für Frauen zielführender ist, einander zu unterstützen und zu vertrauen.

Das Gottvertrauen Marias

Als eine auf Gott vertrauende Frau tritt uns Maria in der Bibel entgegen, vor allem in den Geschichten rund um die Empfängnis und die Geburt Jesu. Kind und Mutter stehen unter göttlicher Führung und sind dem Schutz Josefs anvertraut. In weiteren Erzählungen werden Maria und Josef in ihrer gemeinsamen Sorge um das Kind Jesus gezeigt. Beim Evangelisten Johannes steht Maria unter dem Kreuz: Sie wird zur „Mutter der Kirche“. ph

 

 

Die späte Mutter

Elisabet reiht sich ein bei den biblischen Müttern, die unter ihrer Kinderlosigkeit leiden und spät doch noch ein Kind bekommen. „Der Herr (…) hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schmach befreit, mit der ich unter den Menschen beladen war“, sagt Elisabet (Lk 1,25). Hier kommt die soziale Diskriminierung zur Sprache, die damals mit Kinderlosigkeit verbunden war.

 

Ein krankes Kind

Eine ausländische Frau bittet Jesus, ihre kranke Tochter zu heilen. Weil sie nicht zum Volk Israel gehört, will Jesus zunächst ihre Bitte nicht erhören. Doch sie gibt nicht auf: Sie läuft hinter ihm her, schreit laut, fällt vor ihm auf die Knie, argumentiert. Die Sorge um ihre Tochter gibt ihr den Mut dazu. Und Jesus sagt: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.“ (Mt, 15,28)

 

Die Schwiegermutter

Noomi und ihr Mann Elimelech, die aus Betlehem stammen, leben mit ihren Söhnen in der Fremde. Nach Elimelechs Tod heiraten die Söhne zwei Frauen aus dem Volk der Moabiter, Orpa und Rut. Noomi liebt ihre Schwiegertöchter. Als dann auch noch ihre Söhne sterben, will sie in ihre Heimat zurückkehren. Rut zieht mit Noomi mit – die beiden Frauen halten zusammen (Buch Rut).

 

Im Stich gelassen

Hagar ist die Magd Saras, eine Sklavin aus Ägypten. Weil Sara offenbar keine Kinder bekommen kann, muss Hagar Abraham einen Sohn gebären: Ismael. Es geht um den Fortbestand des Stammes. Sara ist eifersüchtig auf Hagar und verlangt von Abraham, die Magd mit ihrem Sohn wegzuschicken. Schweren Herzen tut er es: Hagar muss fort in die Wüste. Nur mit Gottes Hilfe überlebt sie.

 

Unter schwierigen Umständen

Das Mutter-Sein Marias ist ganz besonders: Als Mutter Jesu ist sie die Gottesmutter. Rein menschlich erleben wir sie in der Bibel als Frau in einer sehr schwierigen Position: Sie wird schwanger, ohne verheiratet zu sein. Sie muss ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen und kurz nach der Geburt mit Mann und Kind nach Ägypten flüchten. 
Später wird Jesus immer wieder zu seiner Familie auf Distanz gehen, etwa als Maria ihn bittet, gemeinsam mit seinen Brüdern mit ihm reden zu dürfen, und Jesus entgegnet: „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“

 

Die kinderreiche Mutter

Wenn eine Frau in biblischen Zeiten viele Kinder hatte, galt das als Segen – auch wenn die Umstände nicht güns­tig waren. Lea brachte sechs Söhne und eine Tochter zur Welt – obwohl sie ihrem Mann eigentlich „untergeschoben“ worden war. Jakob hatte sich in ihre jüngere Schwes­ter Rahel verliebt und wollte sie heiraten. Doch nach der Hochzeit musste Jakob erkennen, dass Lea die Stelle Rahels hatte einnehmen müssen. Dem erzürnten Jakob gab der Schwiegervater nun auch Rahel zur Frau. „Jakob liebte Rahel mehr als Lea“, sagt die Bibel nüchtern (Gen 29,30). Die beiden Schwestern sind Konkurrentinnen, und auch ihre Kinder werden gegeneinander handeln.