Internationaler Tag der Archive: Die Bedeutung der Vergangenheit

Diözesanarchiv, Landes- und Stadtarchiv St. Pölten präsentierten ihre Arbeit am „Tag der offenen Tür“ und luden Interessierte ein, ihre alten Familiendokumente, Briefe oder Bilder historisch bestimmen zu lassen.

Der Blick in die Vergangenheit ist Zukunftssicherung!“ Das betonte Diözesanbischof Alois Schwarz zum „Internationalen Tag der Archive“, der alljährlich am 9. Juni begangen wird und zu dessen Anlass sich die drei großen Archive in St. Pölten – das Diözesanarchiv St. Pölten, das NÖ   Landesarchiv und das Stadtarchiv St. Pölten – im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ präsentierten. 

Das Denken werde sich in Zukunft wohl verändern, so Bischof Schwarz. Er erinnerte an den Einfluss von Algorithmen oder an das Auseinanderdriften von Intelligenz und Bewusstsein. Archive seien von Bedeutung, weil sie über Jahrhunderte Verlässlichkeit geben – etwa im Bereich der Rechtsprechung.

Millionen von Urkunden elektronisch verfügbar

Auch Roman Zehetmayer vom NÖ Landesarchiv erinnerte bei der Abschlussveranstaltung im Bischöflichen Sommerrefektorium in St. Pölten an die Bedeutung von Archiven. Seine Einrichtung habe seit dem 16. Jahrhundert bereits 3,5 Millionen Dokumente gesammelt, etwa Urkunden, Grundbücher oder Schloss- und Stadtarchive. Vieles ist seit 15 Jahren elektronisch verfügbar, so Zehetmayer.

Auf den großen Bestand des St. Pöltner Stadtarchivs verwies Thomas Lösch, Historiker im Archiv der Stadt St. Pölten. Trotz Bränden und den beiden Weltkriegen sei erstaunlich viel erhalten geblieben. In den letzten Jahren habe man viel zur Gedenkkultur (z. B. Soldatenfriedhof) oder für Befreiungsfeiern beitragen können.

Das St. Pöltner Diözesanarchiv wurde 1961 unter Gerhard Winner gegründet, dessen Arbeiten seien eine gute Grundlage für heute, so Karl Kollermann, Mitarbeiter des Diözesanarchivs. Eine wichtige Aufgabe sei das Sammeln der Pfarrarchive, da diese teilweise nicht mehr betreut werden. Bisher seien 2,5 Millionen Matriken digitalisiert worden, man habe sich weiters mit Archiven aus ganz Österreich sowie aus Deutschland vernetzt. Die Digitalisierung biete Chancen und Herausforderungen zugleich. Viel mehr Menschen könnten sich online informieren, gerade der Bereich Familienforschung stoße auf großes Interesse. Hemmungen würden somit abgebaut, weil nicht jeder eine Pfarre für die Informationsgewinnung aufsuchen wolle. Gleichzeitig gebe es Gefahren beim Datenschutz, da man auf sensible personenbezogene Daten wie Erbschaften, Kirchenaustritte oder Scheidungen aufpassen müsse.

Die Vertreter von Diözese, Stadt und Land freuten sich, den Interessierten ein „facettenreiches Bild bieten“ zu können. Interessierte konnten ihre alten Familiendokumente oder Briefe der Vorfahren mitbringen, diese wurden dann von Archivexperten historisch bestimmt. Weiters half man beim Lesen alter Schriftstücke und gab Tipps zur Aufbewahrung von alten Werken. Die Quellen, die in den Archiven gezeigt wurden, reichten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. W. Zarl