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„Ich war wirklich gern Bäuerin“

Den landwirtschaftlichen Betrieb aufzugeben, fiel Eva Wagner nicht leicht: „Man schließt etwas, das Generationen aufgebaut haben.“ Auf ihrem Vierkanthof geht das Leben jetzt weiter – jedoch ganz anders als bisher.

Eva Wagner stand 36 Jahre lang als Bäuerin tagtäglich im Stall. Als es immer schwieriger wurde, mit der Milchproduktion genügend zu verdienen, gab die Biberbacherin ihren Hof auf. Und schließt sich damit zahlreichen Landwirten im Mostviertel an. 

Einige Kilometer vom Ortszent­rum der Gemeinde Biberbach entfernt liegt das kleine Dorf Adersdorf. An einem Hang mit Blick auf den Sonntagberg befindet sich der große, liebevoll hergerichtete Vierkanter der Familie Wagner. In ihrer Kindheit, erzählt die Biberbacherin, gab es in Adersdorf noch 14 Häuser, die entweder ein paar Kühe hatten oder eine Landwirtschaft betrieben. Einige Jahrzehnte später hat sich das Dorf verändert: Junge Familien siedelten sich in Adersdorf an und errichteten Einfamilienhäuser. Die Landwirte sperrten ihre Betriebe zu. Als letzte Bäuerin im Dorf blieb Eva Wagner übrig. 13 Jahre lang. Bis auch sie im Jahr 2018 nach insgesamt 36 Jahren ihre Milchwirtschaft aufgab. 

Eva Wagner gehörte zur zweiten Generation am Bauernhof, die den Betrieb als Nebenerwerb führte. Die Großeltern haben noch alles gehabt – Schweine, Pferde, Hühner und Kühe, erzählt die 53-jährige. Ihre Mutter habe den Betrieb dann bereits im Nebenerwerb geführt, Evas Vater ging arbeiten. Im Alter von 16 Jahren arbeitete die Frau bereits zuhause im Betrieb. Mit 27 Jahren übernahm sie schließlich den Hof. Evas Ehemann verließ morgens das Haus, um arbeiten zu gehen. Bis sechs Uhr abends war ihr Tag ausgefüllt mit Stall- und Feldarbeit, der Arbeit im Haus und im Garten und mit ihren Kindern. Im Stall und am Feld half bis zuletzt tagtäglich ihr Vater mit, der mittlerweile 85 Jahre alt ist. 

Ohne die Hilfe der Großfamilie, der Kinder und des vollzeitberufstätigen Mannes wäre es in schwierigen Situationen wie der Ernte nicht gegangen. Damals habe es für Eva noch gut gepasst: „Die ersten zehn Jahre hat der Preis noch gestimmt. Ich habe die Lebensqualität geschätzt und konnte mich mit der Landwirtschaft identifizieren. Ich war wirklich gerne Bäuerin.“ 

Der Milchpreis fiel stetig

Danach wurde es immer schwieriger: Eva Wagners Haupteinnahmequelle war die Milch – und deren Preis fiel stetig nach unten. Laufende Kosten deckten die Einnahmen noch, in Maschinen investierte die Frau die letzten 15 Jahren nicht mehr. Rund um sie herum gaben Landwirte ihre Betriebe auf. Und selbst Evas Vater meinte: „Willst du nicht langsam aufhören?“ Zwei Jahre lang spielte Eva Wagner mit dem Gedanken, den Betrieb aufzugeben. Nebenbei fing sie an, einige Stunden arbeiten zu gehen und Kurse zu machen. Als klar war, dass ihre Kinder den Betrieb in dieser Form nicht fortführen würden, fasste sie den Entschluss, aufzuhören. Das fiel ihr schwer: „Man schließt etwas, das Generationen aufgebaut haben.“ Damit nicht noch mehr Bauern diesen Weg gehen müssen, brauche es ein Umdenken in der Gesellschaft, ist Eva Wagner überzeugt. „Derzeit fehlt die finanzielle Gerechtigkeit und das Bewusstsein um die hohe Qualität der Lebensmittel, die Bauern herstellen. Die Richtung, die wir jetzt einschlagen, geht auf Kosten der Tiere, der Umwelt und der Gesundheit der Menschen.“ 

Um ihre Kühe selbst gut versorgen zu können, kam Eva Wagner im Laufe der Zeit mit alternativen Heilungsmethoden in Berührung. Heute konzentriert sie sich auf Ausbildungen in diesem Bereich und ist selbstständig. Seit sie die Stallarbeit aufgegeben hat, schätzt sie umso mehr, was andere Landwirte leisten. Ihre beiden Kinder sind heute erwachsen und können sich beide vorstellen, in dem schönen, gelben Vierkanter zu bleiben. Für die Felder, die noch im Besitz der Familie sind, haben sie bereits ein paar innovative Ideen. Es geht weiter am Vierkanthof in Adersdorf – nur eben anders als bisher. 

- Daniela Rittmannsberger