„Ich stehe hinter dir“

Wer von einem Jugendlichen gefragt wurde, ob er Firmpate sein möchte, dem wurde eine besondere Ehre zuteil. Er ist als Mensch gefragt, nicht nur beim Fest der Firmung. Die Beziehung zum Patenkind entwickelt sich im Laufe der Zeit.

Die Wahl eines Firmpaten ist eine emotionale Angelegenheit: Es wird jemand gesucht, der dem Jugendlichen freundschaftlich verbunden ist und dem man dieses Amt zutraut: ein Mensch, der hinter einem steht. Ein Firmpate ist ja nicht nur dafür da, das Fest der Firmung mitzugestalten und ein Geschenk zu überreichen, sondern er hat eine Aufgabe übernommen, die über das Fest weit hinausreicht. Firmpate ist man das ganze Leben lang. 

Das Wort „Pate“ kommt vom lateinischen Wort „Pater“: Firmpaten sind also eine Art „geistliche Väter bzw. geistliche Mütter“ für ihre Schützlinge. Ihre Aufgabe ist es, den Jugendlichen auf seinem weiteren Lebensweg menschlich und religiös zu unterstützen. Bestimmte Traditionen geben einen Rahmen für das Patenamt vor und unterstützen die Beziehung zwischen Paten und Patenkind: Vielerorts sind bestimmte Besuchtage und Geschenke vorgesehen. Die Tradition kann in dieser Hinsicht Sicherheit geben: Man muss nicht alles neu erfinden, man weiß, womit man in etwa zu rechnen hat.

Das Patenamt sinnvoll gestalten

Trotzdem findet jeder Pate und jede Patin für sich selber Möglichkeiten, das Patenamt sinnvoll zu gestalten. Wenn jemand als Pate ausgewählt wird, dann ist er als Mensch, vielleicht sogar als Freund gefragt, und das ist mehr als eine vordefinierte Rolle. Ein junger Mensch will mich zum Paten. Vielleicht sagt ihm meine Lebensweise zu, vielleicht möchte er bei mir etwas finden, was er braucht. 

Wenn der Firmling vor dem Firmspender steht, dann wird in diesem Moment sichtbar: Er steht nicht alleine da. Sein Pate steht hinter ihm, er legt ihm die Hand auf die Schulter. Dieses „Ich stehe hinter dir“ könnte das Motto jeder Patenschaft sein, denn Jugendliche brauchen Menschen, die sie wertschätzen und unterstützen.

Wie genau man die Beziehung zum Patenkind gestaltet, entwickelt sich meist im Laufe der Zeit. Überlegungen des Firmpaten könnten sein: Was ist mir für das Patenamt wichtig? Wie kann ich für mein Patenkind da sein, ohne mich aufzudrängen? Was möchte ich weitergeben? Was hätte ich mir selbst damals von meinem Paten gewünscht?

Müssen keine Helden sein

Paten müssen keine glaubensstarken Helden sein. Zwar gibt es Bedingungen für das Patenamt: katholisch, gefirmt, über 16 Jahre alt und „ein Leben, das dem Glauben entspricht“.  Doch allein durch ihr Da-Sein sind die Paten oft ein wichtiges Vorbild – gerade in der Zeit der Pubertät. Sie geben ein Beispiel, nach welchen Werten man als Erwachsener sein Leben gestalten kann. Eine schöne Aufgabe – und eine Ehre. ph

 

Firmpate sein

Hannes Leichtfried ist zweifacher Firmpate und erzählt von seinen Erfahrungen:

Zum ersten Mal bin ich mit 26 Jahren Firm­pate geworden: Mein älteres „Patenkind“ ist heute 34 Jahre alt, das jüngere 20. Beide sind meine Neffen und beide wurden im Alter von 12 Jahren in Ybbsitz gefirmt.

Die Traditionen rund um das Patenamt haben wir aufgegriffen und gelebt: Zweimal im Jahr sind wir zum „God’ntag“ mit den Patenkindern zusammengekommen, zu Ostern und zu Allerheiligen. Es gab einen Striezel, ein Osternest und Geschenke, manchmal einen gemeinsamen Ausflug. Diese Traditionen enden dann ja im Alter von 15, 16 Jahren, wenn der Jugendliche „o’gwant“ wird. Man spielt dann als Pate traditionellerweise noch bei der Hochzeit und bei der Geburt eines Kindes eine Rolle, indem man z. B. Geld schenkt oder „hoamsucha“ geht. Abgesehen davon möchte ich die beiden unterstützen, wenn sie mich brauchen.

Das Firmpaten-Amt ist für mich insofern besonders, weil bei beiden Burschen der Vater gestorben ist. Da meine Schwester alleinerziehend war und ihr Sohn viel Zeit in meinem Elternhaus verbrachte, entstand ein freundschaftlich-väterliches Verhältnis. Das mag ein Grund gewesen sein, warum mich mein Neffe als Firmpate ausgesucht hat. Dass die Wahl auf mich fiel, hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich den Burschen sympathisch war und ihnen meine Lebensweise gefallen hat: Mir sind der christliche Glaube und christliche Werte wichtig, ich engagiere mich auch in der Kirche.

Heute sind beide erwachsen: Sie stehen voll im Leben, gehen selbstbewusst ihren Weg – auf verantwortungsbewusste Weise. Es ist schön zu sehen, wie sie sich entwickelt haben. Ich freue mich immer sehr, wenn ich einen von den beiden treffe.