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„Ich bin dankbar für die herzliche Aufnahme“

Vor einem Jahr, am 1. Juli 2018, wurde im St. Pöltner Dom die Amts­ein­führung von Bischof Alois Schwarz gefeiert. Im Gespräch mit „Kirche bunt“ blickt er auf das vergangene Jahr zurück und hält Ausschau, wie es in der Diözese weitergehen soll.

Herr Bischof, Sie sind nun ein Jahr als Bischof von St. Pölten im Amt? Haben Sie sich schon gut eingelebt?

Bischof Alois Schwarz: Ich bin dankbar für die vertrauensvolle und herzliche Aufnahme hier in der Diözese. Sie ist mein neues Zuhause geworden.

Wie haben Sie das erste Jahr in der Diözese St. Pölten erlebt?

Bischof Schwarz: Es war eine intensive Zeit, ich war viel im Gespräch, viel unterwegs. Mein Terminkalender war und ist gut gefüllt.

Was hat Sie in Ihrer neuen Diözese am meisten beeindruckt? Gab es Überraschungen?

Bischof Schwarz: Das wertschätzende Miteinander war ein sichtbarer roter Faden, die Unaufgeregtheit, die Ruhe in der Umsetzung von Entscheidungen, das gute Gesprächsklima – all das habe ich zu schätzen gelernt. Ich habe Offenheit und Unverblümtheit erfahren, im besten Sinn. Wenn es Fragen gab, so hat man mir diese gestellt, und ich konnte sie beantworten.

Auch die Diözese St. Pölten steht vor großen Herausforderungen – Stichwort Priestermangel. Gibt es schon konkrete Vorstellungen/Konzepte, wie man damit in Zukunft umgehen wird? 

Bischof Schwarz: Ich bin voller Freude über die zwei jungen Männer, die ich vergangenen Samstag zu Priestern weihen durfte. Wir haben für das kommende Studienjahr bereits Neuanmeldungen für das Priesterseminar und ich bin überzeugt, das kirchliche Leben geht weiter. Ich tue mir schwer, das Wort „Mangel“ in den Mund zu nehmen: Berufungen zu folgen, ist eine zutiefst persönliche, nicht steuerbare, wesentliche Lebensentscheidung. Verantwortung zu übernehmen, darum geht es. Viele sprechen vom vermeintlich besseren „Früher“: dass damals nicht einmal ansatzweise so viel ehren- und hauptamtliches Engagement von Laien vorhanden war wie heute, das gilt es auch zu sehen.

Wurden neue Wege angedacht? Wie geht es mit der Diözese St. Pölten weiter?

Bischof Schwarz: Mein Ziel ist, dass es weiterhin in jeder Pfarrgemeinde einen Sonntagsgot­tesdienst geben wird. Gottesdienst ist Eucharis­tiefeier und wo dies nicht möglich ist, soll es einen Wortgottesdienst geben. Viele sprechen dann davon, dass das „nur“ Wortgottesdienste sind. Lassen wir das „nur“ weg. Im Herbst wird zudem mit einer Ausbildung für Begräbnisleiterinnen und -leiter begonnen, sodass Pfarrer auch hier entlastet werden können. Im wertschätzenden Miteinander wird es gehen, dass Gemeinschaft in Gott möglich ist.

Sie haben anfangs angemerkt, dass die Leitungsstrukturen in der Diözese St. Pölten sehr priester­orientiert besetzt sind und dass mehr Laien und Frauen eingebunden werden sollen. Hat sich da die Diözese auf einen guten Weg gemacht? 

Bischof Schwarz: Mir ist wichtig, dass Männer und Frauen Verantwortung übernehmen können und es sind erste Schritte erfolgt. Erstmals gibt es einen Diözesanrat, im Pastoralrat–Vorstand sind jetzt drei Frauen, drei Männer und drei Priester vertreten. Für Herbst ist geplant, einen Frauenrat einzurichten. Auch hier gilt es, das Miteinander zu leben. Das ist auch in den Pfarren der Zukunftsweg.

Auch in unserer Diözese wenden sich Menschen von der Kirche ab. Sie selbst haben über eine Neuevangelisierung gesprochen. Haben Sie Hoffnung, dass das ein Massenphänomen werden könnte?

Bischof Schwarz: Mein Zugang zur Evangelisierung ist, und das betone ich oft: Lebe als Christin, als Christ so, dass du gefragt wirst, warum du so lebst – und dann erzähle von Gott, von Jesus Christus, vom Glauben. Sie werden mehr wissen wollen, werden neugierig sein, werden angesprochen sein. Viele sprechen davon, dass wir „Jesus zu den Menschen bringen müssen“. Meine Überzeugung ist: Überall, wo wir hinkommen, ist Jesus schon lange vor uns da. 

Viele schämen sich für die Kirche wegen verschiedener Skandale, allem voran dem Missbrauchsskandal. Was sagen Sie diesen Leuten?

Bischof Schwarz: Wichtig ist, dass alle diese Vorfälle geklärt und bearbeitet werden, dass wir als Diözese geeignete Strukturen leben, die die Aufarbeitung und Klärung möglich machen. Jeder Fall ist einer zu viel. Hier hat mein Vorgänger Bischof Klaus Küng gute Arbeit etabliert. Zudem haben wir uns verpflichtet, sämtliche Mitarbeitenden zu schulen und zu sensibilisieren, es gibt einen Ansprechpartner, an den man sich wenden kann. Ich bin immer überrascht, wie wenig Fragen dazu in den Pfarren gestellt werden. Wir unternehmen als österreichische Kirche und als Diözese viel, dass Miss­brauch und Gewalt keinen Platz haben. Die aktuellen Zahlen sprechen hier auch eine eindeutige Sprache, dass das immer besser gelingt. Der Schmerz und die Scham über das, was Menschen widerfahren ist, der bleibt. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Früher waren Kinder eng mit der Kirche verbunden, etwa mit der Jungschar oder als Minis­trant. Wie wird sich kirchliche Kinderarbeit verändern aufgrund der vielen Vereine, die ebenfalls Nachwuchsarbeit machen, und aufgrund des reichlichen Freizeitangebotes?

Bischof Schwarz: Ich erlebe, dass Kinder eng mit der Kirche verbunden sind: kürzlich durfte ich mit 2.500 jungen Menschen beim „Minitag“ im Stift Zwettl zusammenkommen –  das war sichtbare Zukunft der Kirche. Wir wollen in Kontakt und im Gespräch bleiben, für nächstes Jahr ist ein diözesaner Innovationstag für Jugendliche unter dem Motto „Just DU it“ in Wieselburg geplant, wir rechnen mit mehr als 400 Teilnehmern. Mir war es zudem wichtig, dass in den Gremien der Diözese jeweils zumindest ein Mitglied eine Stimmberechtigung hat, der oder die die Jugend vertritt. Auch bei der Vollversammlung in Mariazell hatten wir Bischöfe einen Studientag mit Jugendlichen zum Papstschreiben „Christus vivit“.In der Diözese gibt es viel Engagement, viele Ideen, es gibt auch sicher immer noch mehr zu tun. In Bezug auf Vereine und Verbände habe ich eine ganz klare Antwort und ich fordere unsere Jugend auch immer auf: geht dorthin, wo die Jugendlichen sind, wartet nicht, dass sie zu Euch kommen. Als Christ müssen wir in der Welt wirken, nicht nur im Schutzbereich der Kirche. Bieten wir uns als Partner an, bei Landjugend, Feuerwehr, Rotem Kreuz. Da ist eine Menge junger Menschen, die wir erreichen können, sehen wir das nicht als Konkurrenz zu eigenen Aktivitäten, sondern als Wirkungsbereiche, wo wir vertreten sein können. 

In der Diözese gibt es auch viele Klöster und Stifte – wurde da eine engere Zusammenarbeit zwischen Diözese und Stiften angedacht? 

Bischof Schwarz: Ich bin dankbar für die Zent­ren der Spiritualität und der Kultur, die Stifte hier sind. Stifte und Pfarren können Magnete sein für Menschen. Stifte und Diözese sind in enger Zusammenarbeit verbunden. Ich habe im ersten Jahr bereits alle Stifte und viele Gemeinschaften besucht und bin voll Freude über das reiche Glaubensleben. Auch in diesem Sommer halte ich in einigen Stiften Exerzitien, wie beispielsweise in Seitenstetten, kommendes Jahr in Heiligenkreuz. Den neuen Propst von Herzogenburg durfte ich benedizieren. Auch in der Seelsorge leben wir ein Miteinander. 

Es gab in diesem Jahr immer wieder aus Kärnten Vorwürfe und Anschuldigungen, es gab eine Apostolische Visitation in der Diözese Gurk-Klagenfurt und die Staatsanwaltschaft ermittelt. Gibt es da schon Nachrichten aus Rom? Entscheidungen in den Gerichten?

Bischof Schwarz: Ich vertraue auf die Arbeit der römischen Bischofskongregation und die Rechtsstaatlichkeit und Redlichkeit unserer österreichischen Behörden. Im Übrigen möchte ich auch weiterhin über die Medien dazu niemandem etwas ausrichten oder Stellungnahmen abgeben, mir liegt viel am persönlichen Gespräch.

Sie sind in der Österreichischen Bischofskonferenz Referatsbischof u. a. für das Thema Umwelt. Der letzte Sommer konfrontierte uns mit Hitzerekorden – auch für den heurigen Sommer ist Ähnliches zu befürchten. Die Kirche ist ein Global Player. Wie könnte sie sich für mehr Umweltschutz engagieren?

Bischof Schwarz: Mit seinem Schreiben „Laudato si“ hat Papst Franziskus das Augenmerk auf die globale Bedrohung von Menschen durch Umweltverschmutzung hingewiesen. Wir haben das große Glück in Österreich – im globalen Vergleich – bereits extrem viel getan zu haben. Wir arbeiten hier in dritter Generation schöpfungsverantwortlich, da haben Politik, Gesellschaft und Kirche bereits viel erreicht. Auch weiter wird es nötig sein, zu optimieren, zu agieren. Hier ist Effizienz das Gebot der Stunde.

Können die Pfarrgemeinden noch mehr tun?

Bischof Schwarz: Es wird viel getan, es gibt viel zu tun: Pfarren leisten einen großen Beitrag, die Sensibilität für das Thema wächst. Es gibt in den Pfarrgemeinden beispielsweise bereits Windräder, Photovoltaikanlagen am Dach, E-Tankstellen, Umstellung von Gas- oder Öl- auf Pelletsheizungen, das Thema Schöpfungsverantwortung ist bei allen Bau- und Renovierungsarbeiten ein Faktor. Unsere Baudirektion versucht hier, bei allen Fragen zu unterstützen.

Sie sind am 14. Juni 67 Jahre alt geworden und haben somit knapp zehn Jahre Zeit, die Diözese St. Pölten zu leiten. Was möchten Sie, dass die Menschen nach diesen zehn Jahren über Sie sagen?

Bischof Schwarz: Mein großer Wunsch ist es, dass Menschen sehen und erleben, dass unser christlicher Glaube dazu beiträgt, ein geglücktes und erfülltes Leben zu führen. Wenn ich dazu auch nur ein bisschen beitragen kann, dann wäre das meine größte Freude.

Interview: Sonja Planitzer