Glauben verstehen - von Mag. Oliver Achilles

Sprechende Namen in der Bibel. Wenn bei Johann Nestroy ein Kaffeesieder Gschloder heißt, dann hat dieser sprechende Name eine konkrete Bedeutung. Wer das Wort nicht kennt, wird allerdings eine Erklärung brauchen, um diesen Namen zu verstehen. 

Ähnlich verhält es sich mit den sprechenden Namen der Bibel, die in dem kleinen Büchlein Rut gehäuft auftreten. Das Buch spielt zur Zeit der Richter – der königslosen Zeit. Es ist daher kein Zufall, dass der Schwiegervater Ruts – Elimelech hieß: heb­räisch für „Mein Gott ist König“. Seine Söhne heißen Machlon und Kiljon, was „kränklich“ und „verschmachtend“ bedeutet – dementsprechend sterben sie zu Beginn des Buches. Elimelech und seine Frau Noomi (= Wonne/Liebe) kommen aus Betlehem, was „Haus des Brotes“ heißt – kein Wunder, dass Noomi nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Söhne dorthin zurückkehren will, um ihr tägliches Brot zu erhalten. Die moabitischen Schwiegertöchter Noomis tragen die Namen Orpa und Rut. In Orpa klingt der Ausdruck „hartnäckig“ an – daher bleibt sie in Moab, während der Name Rut sich an das Wort für „Freundin“ anlehnt – also schließt sie sich ihrer Schwiegermutter mit den Worten an: Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott (Rut 1,16).

Die Rettung für die Frauen ist die Begegnung mit Boas (= in ihm ist Macht), der tatsächlich in der Lage ist, den beiden Frauen weiterzuhelfen und am Ende des Buches Rut heiratet. Auf dem Weg dahin begegnet der für mich schönste sprechende Namen des Buches: Ploni Almoni (Rut 4,1). Der Name entspricht dem deutschen Max Mustermann und heißt soviel wie Herr Soundso. Weil er nach seinem Auftritt keinerlei Bedeutung mehr für die weitere Handlung hat, muss er es sich gefallen lassen, von Boas so angesprochen zu werden: Setz dich her, Ploni Almoni! Schade, dass sich in der alten und neuen Einheitsübersetzung keinerlei Erklärungen dieser Namen finden – und der ploni almoni einfach weggelassen wird!

 

Glauben Verstehen ist eine Reihe von „Kirche bunt“ in Zusammenarbeit mit den THEOLOGISCHEN KURSEN der Erzdiözese Wien und der Österreichischen Bischofskonferenz.