Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Glauben verstehen - von Dr. Ingrid Fischer

Vom Dunkel ins Licht. Gesellschaftlich erscheint das Osterfest hinter Weihnachten weit abgeschlagen: weniger Konsum, weniger Emotion, weniger heile Welt. Weniger heile Welt? Im Gegenteil: Christen feiern zu Ostern, dass nicht nur ihre Welt, sondern die ganze Welt geheilt geworden ist – und wird. Ostern ist kein idyllisches, sondern ein dynamisches Fest. Es lädt nicht zum Verweilen im schönen Augenblick ein, sondern führt zum Aufbruch ins Leben.

Das Sakrament der Vierzig Tage

Vorbereitet wird die ersehnte Nacht des Aufbruchs in der Fastenzeit. Das Tagesgebet am Aschermittwoch nennt sie das „Sakrament der Vierzig Tage“, denn sie gibt für Notwendiges und Heilsames Zeit: zur Befreiung aus Abhängigkeiten, die das eigene oder das Leben anderer mindern, und Neuausrichtung auf das, was dem Leben förderlich ist. Genauer: auf Christus, der das Leben „neu geschaffen“ hat, wie die Osterpräfation I ihn rühmt.

„Dies ist die Nacht …“

Sein Realsymbol ist die entzündete Osterkerze, deren Flamme das Grabesdunkel der Kirche erhellt. Sie bringt alle zum Strahlen, die das Licht Christi empfangen und untereinander teilen. Die brennenden Kerzen in Händen, hören sie das dazugehörige Hoch­gebet: Das Osterlob „Exsultet“ besingt die Rettungs­erfahrung dieser Nacht, „die unsere Väter, die Söhne Isra­els, aus Ägypten befreit und auf trockenem Pfad durch die Fluten des Roten Meeres geführt hat.“ Was sie versklavt hat, ist überwunden, doch der Weg, auf dem sie gerettet werden, führt durch tödliches Wasser und lebensfeindliche Wüste, bevor sie im Land der Verheißung Ruhe finden. Auch die Christen nehmen keine Abkürzung, sind keine Aussteiger aus der Welt. Sie folgen der Lebensrealität aller Menschen – und der des Gekreuzigten: mit ihm gehen sie durch Leid und Tod hindurch zum Leben.

„… die Himmel und Erde versöhnt“

In den österlichen Elementen Wasser und Licht empfangen die Getauften unverbrüchlich ihre neue Exis­tenz: „O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet!“ Fünfzigtägiger Osterjubel und jeder gefeierte Sonntag verbürgen: Daraus lässt sich leben! - Dr. Ingrid Fischer

 

Glauben verstehen ist eine Reihe von Kirche bunt in Zusammenarbeit mit den THEOLOGISCHEN KURSEN der Erzdiözese Wien und der Österreichischen Bischofskonferenz.