Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Fastenserie: Unterwegs mit Klara von Assisi

Sr. Franziska Bruckner über die heilige Klara von Assisi. Die heilige Klara von Assisi wird zumeist in ihrer Rolle als Gefährtin des heiligen Franz von Assisi wahrgenommen. Dabei wird oft übersehen, wie sehr sie als Frau in der damaligen Welt ihren eigenen Weg suchte, sich mutig gegen familiäre und gesellschaftliche Zwänge stellte und ihre Christusbegeisterung in offenherziger Hinwendung zu Armen und Bedürftigen verwirklichte.

Es ist der Abend des Palmsonntags 1211 – eine junge adelige Frau wagt einen Neubeginn auf ungewöhnliche und ziemlich einzigartige Art und Weise. Der Weg durch die darauffolgende Karwoche ist der Weg eines völligen Neubeginns – auch in der Kirchen­geschichte.

Inspiriert und durchdrungen von der Bewegung, die Franz von Assisi einige Jahre davor begonnen hat, will diese junge Frau auf ihre Weise arm, einfach und wach Gott dienen: Klara von Assisi.

Mit Unterstützung des Bischofs von Assisi und einiger Menschen, die ihr – dieser adeligen, in einem Wohnturm aufgewachsenen Frau – helfen, gelingt der Ausstieg aus dem bisherigen Leben. Mitbrüder des Franz von Assisi begleiten in der Nacht von Palmsonntag auf den Montag in der Karwoche die wagemutige junge Frau hinunter in die Ebene vor Assisi zum Kirchlein Portiunkula, wo Franziskus ihr als Zeichen der Gotteszugehörigkeit die Haare schneidet und ihr das ärmliche Gewand – eine braune Kutte – als Symbol der Mitgliedschaft in der neu entstandenen franziskanischen Bußbewegung überreicht. Dies ist der Beginn ihres eigenen Weges in der Nachfolge des armen Christus.

Nach jeweils kurzzeitigen Aufenthalten in einem Benediktinerinnenkloster in der Nähe von Assisi und später bei den Waldschwes­tern findet sie im Kloster San Damiano Herberge für den Rest ihres Lebens. Mit Gewalt versuchen die adeligen Familienmitglieder sie umzustimmen. Doch sie beruft sich auf das Kirchenasyl, zeigt ihre geschnittenen Haare und besteht die harten Konfronta­tionen.

Als ihre Schwester Katharina, die spätere heilige Agnes von Assisi, und eine weitere Weggefährtin zu ihr stoßen, beginnen sie das klös­ter­li­che Leben. Sie leben einfach, gemeinsam und hellwach in einer von Kriegen und großen Nöten gezeichneten Welt. Die „Armen Frauen“ leben bis zum Tod Klaras 1253 in San Damiano, außerhalb der Stadt auf dem Berghang vor Assisi. In kurzer Zeit gehören etwa fünfzig Schwestern zur Gemeinschaft von San Damiano. Neben Klaras Schwester Agnes schließen sich ihre Mutter Ortulana und die jüngere Schwester Bea­trice der neuen Gemeinschaft an.

Zeit für Gespräche und Zuhören prägen den Alltag der Schwestern – besonders im Umgang mit den Armen und Bedürftigen, die zu ihnen ins Kloster kommen. Mit Handarbeit, Gebet und großer Offenherzigkeit werden die Schwes­tern Anziehungspunkt für die Menschen aus nah und fern.

Klara von Assisi setzt in ihrer Zeit ein Zeichen, das die Welt bis heute begeistert – als Frau wagt sie es, mit einer Schwesterngemeinschaft ohne Besitz und Absicherung zu leben. Das „Privileg der Armut“ erkämpft sie sich von der Kirche mit einer staunenswerten Beharrlichkeit und Durchsetzungskraft. Sie ist die erste Frau, die für ihre Gemeinschaft eine Ordensregel verfasst und diese zwei Tage vor ihrem Tod von Papst Innozenz IV. bestätigt bekommt. „Gott, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast“ (LebKl 46,5) – so betet sie auf ihrem Sterbebett, so bringt sie ins Wort, wo­rauf sie ein Leben lang gebaut hat.

Klaras innerer Weg mit Gott

Während ihres langen Lebens im Kloster San Damiano sind in ganz Europa Gemeinschaften nach dem Vorbild der „Armen Schwestern“ in Assi­si entstanden. Mit der Königs­tochter Agnes von Prag, die selbst ein solches Kloster gegründet hat, pflegt sie einen regen Austausch. Vier Briefe sind uns erhalten, die Klara geschrieben hat. Die Gedanken Klaras sind ein wunderbares Vermächtnis ihres inneren Weges mit Gott. Durch die neuere Klaraforschung und die Herausgabe der „Klara-Quellen“ können diese vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Zwei Zitate aus den Briefen an Agnes von Prag möchte ich uns allen als besonders kostbare Perlen mitgeben auf den Weg durch die Karwoche, auf unseren persönlichen Lebensweg.

Klara ermutigt im zweiten Brief an Agnes von Prag die ehemalige Königstochter auf ihrem „Weg der Seligkeit“ voranzuschreiten. Sie schreibt: „Was Du hältst, das halte weiter fest, was Du tust, das tue weiter und lass nicht ab. In raschem Lauf, mit leichtem Schritt und ohne mit dem Fuße anzustoßen, so dass Deine Schritte kaum Staub aufwirbeln, sicher, freudig und munter schreite achtsam voran auf dem Weg der Seligkeit.

Verweigere Dein Vertrauen oder Einverständnis allem, was Dich von diesem Vorsatz abzubringen sucht, was Dir ein Stein auf Deinem Weg werden könnte.“ (2. Brief an Agnes von Prag, 11b-14a)

Wenn wir auf die Klarheit der Unterscheidung und des Gottvertrauens blicken, das uns in diesen Worten entgegenkommt, dann wundert es nicht, dass Klara und ihre Schwes­tern Menschen begeistern für ein Leben mit Gott.

Wie lässt sich ein Leben mit Gott in den Alltag integrieren? Auf diese Frage gibt uns Klara eine spannende und selbst gelebte Antwort, die im dritten Brief an Agnes von Prag so klingt: „Stelle Dein Denken vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle Deine Seele in den Abglanz der Herrlichkeit, stelle Dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit, und forme Deine ganze Person durch die Beschauung in das Bild seiner Gottheit um, damit Du empfindest, was seine Freunde empfinden, wenn sie die verborgene Süße verkos­ten, die Gott selbst von Anbeginn für die aufbewahrt hat, die ihn lieben.“ (3Agn 12-14)

In diesen Worten und Bildern drückt sich aus, was ein Mensch erleben und erfahren mag, der mit Gott unterwegs ist. Klara von Assisi – eine mutige, Gott verbundene Frau!

 

Impulse

Zum Weiterdenken – Einüben – Nachspüren – Austauschen – Meditieren:

Innerlich mit Klara von Assisi verbunden, gehe ich ein Stück des Weges und versuche achtsam auf mein Leben zu schauen:

  • Woran halte ich mich fest?
  • Was prägt meinen Alltag?
  • Was sind meine tiefsten Über­zeugungen?
  • Worin besteht meine Sehnsucht?
  • Wo merke ich, was mir im Leben hinderlich ist bzw. werden könnte?
  • Und wo entdecke ich meine Kraftquellen wie Vertrauen und Freude, die mich „ohne mit dem Fuß anzustoßen“ mutig den eigenen Weg finden lassen?
  • Mit einer guten Freundin/einem guten Freund tausche ich mich aus über meine Erfahrungen mit Gott:
    Wo stelle ich mein Denken, mein Herz und meine Seele unter den Blick Gottes?
    Wie spüre ich, dass meine ganze Person umgeformt wird und ich die „verborgene Süße“ des mich liebenden Gottes ansatzweise entdecke?

In dieser Fastenzeit – besonders in der Karwoche – lasse ich mich bewusst und mit offenem Herzen auf den Weg Jesu mit mir ein – vielleicht in Dankbarkeit, weil er „mich erschaffen hat“.

 

Klara von Assisi

  • 1193 (94) erblickt Klara als erstgeborene Tochter der adeligen Ortulana und des Ritters Favarone di Offreduccio in Assisi das Licht der Welt.
  • 1199 flüchtet die Familie nach Perugia wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen der Bürger mit dem Adel,1204/05 kehren sie nach Assisi zurück.
  • 1210 widersetzt sich Klara vehement den Heiratsplänen der Familie.
  • Am Palmsonntag 1211 überreicht ihr der Bischof persönlich den Palmzweig, in der folgenden Nacht flieht sie aus dem Elternhaus. Nach der Einkleidung im Kirchlein Portiunkula lebt sie einige Tage bei den Benediktinerinnen in San Paolo delle Abbadesse, danach kurze Zeit in der Nähe des Kirchleins San Angelo di Panzo, ihre engste Vertraute und ihre Schwester Ka­tha­ri­na kommen zu ihr, danach bringen die Brüder des Franz von Assisi die kleine Gemeinschaft zur Kirche San Damiano, die der Jurisdiktion des Bischofs untersteht.
  • 1214/15 erlangt Klara die Bestätigung des „Privilegs der Armut“ von PapstInnozenz III.
  • 1219 gibt es bereits Klöster der „Armen Frauen“ in Florenz, Perugia, Siena und Lucca.
  • 1224 Beginn der Erkrankung Klaras, die bis zu ihrem Tod andauern wird.
  • 1224/25 lebt Franziskus schwerkrank in San Damiano und dichtet den Sonnengesang.
  • 1240 rettet das Gebet der Schwestern Assisi vor dem Angriff der Sarazenen.
  • 1247 beginnt Klara mit der schriftlichen Fassung ihrer „Lebensform“.
  • 1251 bittet Klara – bereits schwer krank – um die Approbation ihrer Ordensregel.
  • Zwei Tage vor ihrem Tod, am 9. August 1253, approbiert Papst Innozenz IV. Klaras Lebensform mit der Bulle „Solet annuere“.
  • Am 11. August 1253 stirbt Klara. Nach ihrem Tod ereignen sich zahlreiche Heilungen. Vermutlich am 15. August 1255 wird Klara von Papst Alexander IV. heiliggesprochen.
  • 1255/56 verfasst Thomas von Celano die offizielle Lebensbeschreibung.
  • 1257-1265 Bau der Kirche Santa Chiara in Assisi.
  • 1283 malt ein umbrischer Künstler ein detailreiches Tafelbild als Bildbiographie der Heiligen (zu besichtigen in der Kirche Santa Chiara in Assisi).

 

Zur Autorin

Sr. Franziska Bruckner wurde 1960 in der Pfarre Kirchbach, Gemeinde Rappottenstein, geboren. 1981 legte sie die Or­dens­profess bei den Franziskanerinnen von Amstetten ab, absolvierte die Ausbildung zur Haus- wirtschaftslehrerin und unterrichtete bis 2002 an der Fachschule für wirtschaftliche Berufe in Amstetten bzw. Ybbs/Donau. Seit 2004 ist sie Generaloberin der Gemeinschaft.