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Fastenserie: Maria Magdalena – erste Zeugin der Auferstehung

Mag. Maria Zehetgruber über Maria Magdalena. Am Ende der Fastenzeit steht Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu. Durch die Wochen der Fastenzeit hindurch möchte die neue „Kirche bunt“-Serie „Mit Frauen durch die Fastenzeit“ den Weg zu diesem Fest des Lebens begleiten. Von Maria aus Magdala, der Nachfolgerin Jesu und ersten Zeugin der Auferstehung, gehen viele Impulse für unseren Glauben aus.

Vor etwa 30 Jahren habe ich mich zum ers­ten Mal intensiver mit Maria Magdalena beschäftigt. Seither lässt mich die Faszination dieser Frau nicht mehr los. In verschiedenen Phasen meines Lebens sind mir auch unterschiedliche Aspekte aus ihrem Leben besonders aufgefallen.

Heilung und Berufung der Maria aus Magdala

Da ist einmal die erste Erwähnung Marias im Lukasevanglium (Lk 8,1-3): Wir lernen Maria Magdalena kennen als eine von mehreren Frauen, die mit Jesus unterwegs waren. Sie wird an erster Stelle und mit ihrem Namen genannt, war demnach eine der bedeutendsten dieser Frauen. Sie wird näher beschrieben als die aus Magdala, also nach ihrem Herkunftsort, nicht nach ihrer Beziehung zu ihrem Vater, ihrem Mann oder ihrem Sohn, wie es sonst bei Frauen üblich war. Und sie wird charakterisiert als eine, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren. Dämonen – lebensfeindliche, ja zerstörerische Kräfte, die ihr Leben schwer gemacht, sie innerlich zerrissen und aufgefressen haben. Heute würde man vermutlich von Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten sprechen. Von diesen lebensfeindlichen Kräften hat Jesus sie befreit. Als Geheilte, als von ihrer Qual Befreite, als eine, der Jesus neues Leben geschenkt hat, begleitet sie ihn auf dem Weg, folgt ihm nach, unterstützt ihn mit ihrem Vermögen: mit ihrem Besitz und mit all dem, was sie vermag, was ihr möglich ist.

Schmerz und Trauer

Vergeblich sucht man in den Evangelien nach weiteren Informationen über das Leben und Wirken von Maria aus Magdala. Erst unter dem Kreuz Jesu auf Golgotha und bei seinem Begräbnis taucht sie wieder auf, und zwar in allen vier Evangelien. Da wird sie genannt unter den Frauen, die Jesus schon in Galilaä nachgefolgt sind und ihm gedient haben (vgl. Mk 15,40). Im Dienen wird Maria zur Nachfolgerin Jesu, der von sich gesagt hat: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben“ (Mk 10,45). Sie ist Jesus treu, sie geht seinen Weg bis zum bitteren Ende mit, sie schleicht sich nicht davon, sondern harrt auch in der schwersten Stunde seines Lebens an seiner Seite aus. In der Liebe leidet sie mit ihm, wird Zeugin seines unendlichen Schmerzes am Kreuz und bleibt bei ihm in der Stunde seines Todes. Wie für jeden Menschen, der einen geliebten Menschen so leiden und sterben sieht, zerbricht auch in ihr etwas von der Hoffnung und dem Glauben an das Reich Gottes. Schade, dass bei vielen Kreuzigungsdarstellungen der Kunst nur selten auch Maria Magdalena abgebildet ist (vgl. Joh 19,25).

Botin der Auferstehung und des Lebens

Am bedeutsamsten und am häufigsten begegnet uns in den Evangelien Maria Magdalena am leeren Grab Jesu. Mit anderen Frauen möchte sie Jesus den letzten Liebesdienst erweisen und seinen Leichnam salben, wie es damals üblich war. Sie entdeckt, dass das Grab leer ist, sie erschrickt, ist entsetzt, sie fürchtet sich und schweigt (Mk 16,1-8), freut sich, läuft zu den anderen Jüngern und erzählt es weiter (vgl. Lk 24,9 und Mt 28,8), eilt davon, kommt wieder und begegnet Jesus dem Auferstan­denen (vgl. Joh 20, Mt 28,9f, Mk 16,9f).

Viele unterschiedliche Gefühle werden da erzählt, zwischen Schrecken und Freude ist sie hin und her gerissen: verständlich in so einer aufregenden, alle Regeln der Vernunft sprengenden Situation. Es waren Stunden, geprägt von Angst, Trauer, unsagbarem Schmerz, von Enttäuschung und vielen offenen Fragen, die Maria Magdalena durchlebt hat – jede/r Trauernde kennt sie. In diese Gefühlsschwere hinein erfährt sie die unglaubliche Botschaft, dass Jesus lebt und begegnet schließlich ihm selbst. Diese Begegnung verändert ihr Leben aufs Neue, sie blüht förmlich wieder auf. Von Jesus beauftragt wird sie zur ersten Verkündi­gerin der Auferstehung, zur „apostola apostolorum“ = Apos­tolin der Apostel, wie Augustinus sie nennt und Papst Franziskus das bestätigt hat.

Immer wieder beeindruckt mich die Darstellung der verkündigenden Magdalena – gemalt von der indischen Künstlerin Lucy D’Souza: Durch Krankheit und Heilung, durch Liebe, Leid und Schmerz gereift und erfüllt von der lebenspendenden Begegnung mit dem auferstandenen Herrn steht sie vor den Aposteln; kraftvoll, aufrecht und sicher, vom Licht umstrahlt, rot – in der Farbe der Liebe und des Heiligen Geis­tes – gekleidet spricht sie: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Joh 20,18).

Als Botin der Auferstehung und des Lebens tritt Maria Magdalena als erste in die Fußstapfen Jesu, des Anführers des Lebens (Apg 3,15). Darin ist sie Ermutigung für alle Frauen und Männer unserer Kirche, die – von der Begegnung mit Jesus erfüllt und beauftragt – die Auferstehungsbotschaft verkünden.

 

Maria von Magdala


Maria aus Magdala war eine der wichtigsten Jüngerinnen Jesu. Sie folgte ihm bis zum Kreuz und wurde erste Zeugin der Auferstehung. In Geschichte und Tradition wurde sie allerdings vorwiegend als Sünderin gesehen, weil die Erzählungen über verschiedene Frauen, die Jesus salbten (die Sünderin in Lk 7, Maria von Betanien in Joh 12, die namenlose Sünderin in Mk 14) mit Maria Magdalena verknüpft wurden. Genaue exegetische Forschungen ergeben ein ganz anderes Bild. Es gilt genau hinzuschauen, was in den Evangelien über Maria Magdalena geschrieben steht.

 

Zum Nachdenken


- Was habe ich an Maria Magdalena neu entdeckt?
- Welche ihrer Seiten spricht mich persönlich besonders an?
- Worin ist sie mir Ermutigung und Hilfe?
- Was könnte ich von ihr lernen?
- Was bedeutet sie für den Verkündigungsauftrag der Frauen in der Kirche?

 

Impulse

Mit Maria Magdalena immer wieder die Begegnung mit Jesus suchen und bei ihm verweilen.

Mich von der Begegnung mit Jesus heilen, verwandeln, zu neuem Leben rufen lassen.

Botin/Bote der Auferstehung und des Lebens sein – in meinem konkreten ba­nalen Alltag, in meiner Familie, am Arbeitsplatz.

 

Die Autorin   

Mag. Maria Zehetgruber, geb. 1960, verwitwet und Mutter zweier erwachsener Töchter. Nach dem Theologiestudium kurze Tätigkeit im Religionsunterricht, anschließend lang­jährige Pastoralassistentin in St. Pölten-Spratzern. Derzeit Seelsorgerin im Universitätsklinikum St. Pölten und Referentin für Exerzitien und Geistliche Begleitung in den Pastoralen Diensten.