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Fastenserie: Heilige Katharina von Siena: Wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf euch!

Anna Rosenberger über Katharina von Siena. Katharina von Siena hat mit Mut und schonungsloser Offenheit Missstände in der Kirche ihrer Zeit benannt und sich für eine innere Reform der Kirche stark gemacht. In ihrem ungeduldigen Glauben steht sie auch heute an der Seite derer, die sich für eine Kirche mit menschlichem Antlitz einsetzen.

Jetzt fahren wir nach Rom und reden mit dem Papst!“

Bei der Vollversammlung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) 2012 wurde wieder einmal Unmut laut, weil die Frauenanliegen innerhalb der Kirche einfach nicht gehört werden. „Papst Benedikt empfängt uns ja nicht einmal!“, meinte eine weitere Teilnehmerin. „Da machen wir uns doch lieber auf den Weg in Richtung Rom und stellen uns eine Heilige, Katharina von Siena, als Fürsprecherin, Stärkende, Begleitende und Ermutigende zur Seite.“

So wurde die kfb auf Katharina von Siena aufmerksam und zeitgleich bekamen wir eine Einladung der deutschen katholischen Frauenorganisationen, dem Netzwerk „Diakonat der Frau“ beizutreten.

Interessant war, dass seit 1999 alljährlich am Gedenktag der heiligen Katharina von Sien­a (29. April) in vielen deutschen Diözesen vom Netzwerk „Diakonat der Frau“ für das Anliegen, Frauen als Diakoninnen zu weihen, mit Gottesdiensten und Frauenliturgien aufmerksam gemacht wurde.

Also wurde in der kfbö beschlossen, dem Netzwerk beizutreten und eine österreichweite Reise von kfb-Frauen nach Siena zu planen, um diese großartige Heilige aus dem Mittelalter näher kennenzulernen. 250 Frauen aus allen Diözesen Österreichs nahmen an unserer „Ka­tharinenreise“ im Jahr 2013 nach Siena teil. Es war spannend, herausfordernd und beeindruckend, diese Heilige aus dem Mittelalter näher kennenzulernen und auf ihren Spuren unterwegs zu sein.

Ein Jahr später stellte sich die kfbö Katharina von Siena als ihre Patronin und Weggefährtin an ihre Seite. Dies wurde auf Öster­reichebene sowie auch in unserer Diözese gemeinsam mit Bischof Klaus Küng mit einer Urkunde und einer Katharinenfeier be­siegelt.

Seither veranstalten wir alljährlich um den 29. April Katharinenfeiern in Pfarren, Dekanaten und Diözesen. Die diözesane Ka­tha­ri­nen­feier der kfb findet heuer am 29. April um 19 Uhr in der Pfarrkirche Windhag statt. Patrizia Karg, eine Tiroler Künstlerin, schuf für die kfb das sogenannte „Katharinentor“. Es begleitet uns seither bei unseren Katharinenfeiern.

„Gebt euch nicht mit Kleinem zufrieden, Gott erwartet Großes!“

Dieses Zitat von Katharina von Siena begleitet uns in unserer Arbeit in der kfb und weit darüber hinaus. Katharina von Siena ist uns ein großes Vorbild durch ihr Wirken und Sein. Menschen wie Katharina waren und sind wichtig für unser Leben, für unsere Gesellschaft, für unsere Welt. Dabei musste sie in ihrer Zeit genauso ihren Weg für das Leben suchen, wie wir es auch tun müssen, ein Leben mit allen Zweifeln und Umwegen, mit allen Herausforderungen und Ängsten, mit allem Gegenwind und Unverständnis.

Besonders beeindruckend für uns ist, dass Katharina von Siena in der damaligen Zeit sogar als Beraterin zweier Päpste gerufen war. Dies ist eigentlich fast unvorstellbar und sensa­tionell zugleich. Sie war eine, die sagte, was ihr am Herzen lag, wofür sie einstand und dabei niemanden scheute – auch nicht den Papst.

Frauen wie sie machen uns heute Mut, nicht hoffnungslos zu werden, sondern dem Geist Gottes zu vertrauen, dass er die Grenzen des Gesetzes öffnet und der Kirche auch ein weibliches Gesicht schenkt. 

Die heilige Katharina von Siena hat uns einen Weg gezeigt: Sie hat die Miss­stän­de in der Gesellschaft und in der Kirche gesehen. Sie hat diese beim Namen genannt ohne Angst vor den Folgen. Sie hat alles versucht und getan, um vorwärts zu kommen und Veränderung zu bewirken. Sie war eine, die nicht nur geredet hat, sondern Taten gesetzt hat und Begegnungen geschaffen hat.

Sie hatte Mut, große Dinge im Leben anzugehen. Sie bezog ihre Energie immer aufs Neue aus der Zuwendung zu Gott, aus dem Still-Werden, der Meditation. Ihre Klarheit des Engagements kann uns Frauen stärken und ermutigen, unser inneres Sendungsbewusstsein zu erspüren und wachsen zu lassen.

„Die Frauen der kfbö sind von der heiligen Katharina bewegt und möchten sich von ihr bewegen lassen, d. h. in ihrem Sinn für heute radikal, unkonventionell, segensreich und damit heilig, ja heil-machend für Kirche und Gesellschaft wirken“, hob die ehemalige Vizeprä­sidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB), Dr.in Gabriele Zinkl, hervor.

„Die Stunde ist kostbar. Warte nicht auf eine spätere Gelegenheit!“ Also, packen wir an, erheben wir unsere Stimmen, unseren Jubel, aber auch unser Klagen. Bringen wir uns ein, mischen wir uns ein und mischen wir mit.

 

Katharina von Siena

Katharina von Siena wurde 1347 als 23. oder 24. Kind einer Färberfamilie in Siena geboren. Mit sechs Jahren hatte sie eine Christusvision, bald darauf gelobte sie Jungfräulichkeit. Später schloss sie sich den Schwestern des heiligen Dominikus an, sie trug das Ordenskleid, lebte aber als Laiin nicht in einem Kloster. Bereits in sehr jungen Jahren erregte sie mit öffentlichen Äußerungen zu kirchlichen wie politischen Belangen Aufsehen. Erst spät lernte sie schreiben, stand aber dennoch in Kontakt mit hohen Amtsträgern. Papst Gregor XI. forderte sie in ungewohnt offener Weise dazu auf, sein Exil in Avignon zu beenden, um eine Spaltung der Kirche zu verhindern. Am 17. Jänner 1377 kehrte Gregor XI. nach Rom zurück. Den Sittenverfall im damaligen Klerus kritisierte Katharina scharf: „Was Christus am Kreuz erwarb, wird mit Huren vergeudet!“ Ihr persönlicher sozialer Einsatz für Pestkranke, Arme und Ausgegrenzte motivierte viele Männer und Frauen, sich ihr anzuschließen. Zugleich bemühte sie sich um eine innere Reform der Kirche, hin zu Armut und Demut. Am Ende ihres nur 33 Jahre währenden Lebens musste sie den Ausbruch des großen abendländischen Schismas erleben, das 70 Jahre dauern sollte. Nach Kräften setzte sie sich für die Rechtmäßigkeit Urbans VI. ein, dem als Gegenpapst Clemens VII. gegenüberstand. Nach schwerem Leiden starb Katharina am 29. April 1380 in Rom. Sie wurde in der Kirche Santa Maria sopra Minerva nahe dem Pantheon beigesetzt. 1461 erfolgte die Heiligsprechung, sie wurde zur Schutzpatronin von Rom und Italien. 1970 erklärte sie Papst Paul VI. zur Kirchenlehrerin und Papst Johannes Paul II. 1999 zu einer der Patroninnen Europas. Das vermutlich älteste Fresko, das die heilige Katharina von Siena zeigt, wurde auch für das Logo der diesjährigen „Kirche bunt“-Fastenserie ausgewählt.

 

Impuls

Katharinagebet der Kath. Frauenbewegung

Gott, du Quelle unserer Kraft.
Du hast uns in Katharina eine Frau geschenkt,
die ihre Talente für Kirche und Welt einsetzte
und dabei Kritik und Widerstand nicht scheute.
Sie war eine leidenschaftliche Christin,
die sich nicht entmutigen ließ.
Du warst die Quelle ihrer Kraft.
Ermutige auch uns,
so wie Katharina unsere Visionen
selbstbewusst und zielstrebig
in die Tat umzusetzen
und gib uns die Kraft,
bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben.

 

Zur Autorin:

Anna Rosenberger, wohnhaft in der Pfarre Oed bei Amstetten, ist Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten, und Vize­präsidentin der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten. Außerdem ist sie als Wort-Got­tes-Feier-Lei­te­rin, Pfarrge­meinde­rä­tin, Erwachsenenbildnerin, PGR-Klausurbegleiterin u. v. m. tätig.