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Fasching: Die Narren sind unterwegs

Foto: benicoma - adobe.com

Zur Faschingszeit gehören neben Veranstaltungen wie Bällen oder Gschnas-Festen auch die Faschingsumzüge dazu. Dieser Brauch wird in vielen Ortschaften, Regionen und Ländern der Welt schon seit vielen Jahrhunderten gepflegt. 

Er ist die „fünfte Jahreszeit“ – der Fasching, der vom Dreikönigstag bis zum Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit dauert und auf vielfache Weise in der Diözese, in Österreich und weltweit begangen wird. 

„Fasching ist in Österreich und Süddeut­schland das Synonym für Fastnacht oder Karneval“, schreibt Helga Maria Wolf in ihrem Buch „Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis“. Das Wort sei im 13. Jahrhundert als „Vaschanc“ oder „Vastschang“ aufgetaucht und meine das Ausschenken des Fastentrunks. Es verweist auf Bräuche in den Zünften und auf städtische Rituale. Karneval wiederum soll auf den Begriff „Carne levale“ zurückgehen, was so viel wie „Fleisch wegnehmen“ bedeute.

Faschingsumzüge als immaterielles Kulturerbe

Damals im Fasching war alles erlaubt, was sonst verboten war: Geschlechterwechsel, Protest, Freizügigkeit, Parodie oder Umkehr der Herrschaftsverhältnisse – bis den Behörden das Treiben zu bunt wurde. Schon aus dem 13. Jahrhundert sind Reglementierungen bekannt. Besonders Kaiserin Maria Theresia, die selbst Bälle und Tanzveranstaltungen liebte, verfügte strenge Gesetze. So ließ sie das Tragen von Masken allen Ständen, auch dem Adel, 1743 verbieten. Damit sollten Ausschweifungen und Ausschreitungen, aber auch politische Verschwörungen verhindert werden. Als neue Orte für derartige Festlichkeiten entwickelten sich in der Folge immer mehr geschlossene Räume. Darauf lassen sich die heutigen Bälle und Feste zurückführen, zu denen auch in vielen unserer Pfarren in der Diözese eingeladen wird. Die Palette reicht vom bunten Kinderfasching bis hin zum heiteren Pfarr-Gschnas. So mancher Pfarrer hält eine lustige Faschingspredigt.  

Unterschiedliche Bräuche

Zur Faschingszeit gehört heute aber auch die Pflege ganz bestimmter Bräuche – und die können von Ort zu Ort, von Region zu Region und von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. Umzüge etwa bilden oftmals den Höhe- und Endpunkt der Faschingszeit und werden in vielen unserer Gemeinden gepflegt – alljährlich oder in bestimmten Jahresabständen. Viele Faschingsumzüge gehen auf uralte Flurläufe zurück. Ein Beispiel, das sich bis heute erhalten hat, ist das Faschingsrennen in den Ortschaften des Bezirks Murau in der Steiermark. Dort verkleiden sich Burschen mit Kopftüchern und besuchen laufend alte Bauernhöfe. 

So mancher Faschingsumzug in Österreich ist nicht nur über die Grenzen hinaus bekannt, sondern wurde auch in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Mit farbenprächtigen Kos­tümen und besonderen Holzmasken ziehen Figuren wie Hexen, Melcher, Spiegeltuxer, Zaggler oder Zotter bei Fasnachtsbräuchen in Tirol durch die Ortschaften – beim „Ims­ter Schemenlauf“ etwa, an dem nur Männer teilnehmen dürfen. Oder beim „Schellerlaufen“ in Nassereith, an dem wiederum nur Frauen durch den Ort ziehen.

Beim Wampelereiten in Axams laufen „Wampeler“, deren Hemd mit Stroh prall ausgestopft ist, in gebückter Haltung durch die Gemeinde und „Reiter“ versuchen, sie auf den Rücken zu legen, um ihr weißes Hemd zu beschmutzen. Auch das „Mullen und Matschgern“ in den Martha-Dörfern (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam) nördlich von Innsbruck ist ein ausgelassenes und buntes Treiben, das auf eine jahrhundertelange Tradition zu­rückblickt. Frühe Aufzeichnungen sind bereits aus der Zeit um 1500 bekannt. 

Beim Blochziehen im tirolerischen Fiss wird ein von Ästen befreiter, geschmückter Nadelholzstamm (Bloch) durch das Dorf gezogen – begleitet von zahlreichen Verkleideten. Am Ende wird der Bloch versteigert und der Erlös kommt Projekten der Dorfgemeinschaft oder sozialen Projekten zugute.

Der Ausseer Fasching findet von Faschingssonntag bis Faschingsdienstag statt. Drei Hauptfiguren spielen dabei eine Rolle: Trommelweiber, Flinserl und Pless. An allen drei Tagen werden außerdem sogenannte Faschingsbriefe in diversen Gaststätten vorgetragen, wobei Missgeschicke, Ortspolitik und lokale Gegebenheiten aus dem alten Jahr in gereimter und gesungener Form aufs Korn genommen werden, unterstützt von handgezeichneten Bildern.

Seit rund 120 Jahren ist in Ebensee (Oberösterreich) der jährliche Fetzenzug am Faschingsmontag der Höhepunkt der Faschingszeit. Die Teilnehmer, die so genannten „Fetzen“, kleiden sich dabei in alte Frauengewänder, an die Lumpen genäht sind. Sie tragen einen Fetzenhut sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske. Wesentliches Element des Fetzenzuges ist das sogenannte „Austadeln“ (Verspotten) der Zuschauer.

Von Köln bis Rio: Berühmte Faschingsumzüge

Faschingsumzüge werden weltweit gepflegt: Berühmt ist u. a. der riesengroße Rosenmontagsumzug im deutschen Köln, an dem fast 10.000 Menschen aktiv teilnehmen und den alljährlich rund eine Million Menschen entlang der Strecke mitverfolgen. Gigantische Ausmaße nimmt jedes Jahr auch der Umzug beim Karneval in Rio de Janeiro (Brasilien) ein. Sechs Sambaschulen mit jeweils bis zu 5000 Mitgliedern nehmen aktiv daran teil. Im Vorjahr wurden rund sechs Millionen Besucher gezählt. Nicht weniger bekannt und ebenfalls ein Magnet für viele Besucher ist der „Carnevale“ in Venedig, der 1094 erstmal in der Chronik des Dogen Vitale Falier erwähnt wurde. Dabei wird die ganze Stadt in den Tagen vor dem Aschermittwoch zur Bühne. Eröffnet wird der Karneval jedes Jahr mit dem Engelsflug, bei dem sich ein als Engel verkleideter Akrobat vom 99 Meter hohen Campanile auf dem Markusplatz in die Menge stürzt. Sop