Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

"Eure Zeit ist heute, nicht morgen"

Über eine halbe Million junge Christen aus aller Welt nahm vom 22. bis 27. Jänner am Weltjugendtag in Panama teil – auch eine kleine Gruppe rund um den Eggenburger Stadtpfarrer P. Sepp Schachinger war vor Ort und erlebte Papst Franziskus u. a. live bei der Sonntagsmesse, bei der die Jugend einmal mehr aufrief, sich nicht vertrösten zu lassen, Fragen zu stellen und Krach zu machen.

Alles in allem war der Weltjugendtag (WJT) ein tiefes Erlebnis des Glaubens und der Gemeinschaft vieler verschiedener Nationen in Freude, Friede und Dankbarkeit – mit diesen Worten zog P. Sepp Schachinger CSsR am Ende des WJT in Panama Bilanz. Der Stadtpfarrer von Eggenburg und Moderator im Pfarrverband ist bekannt für sein großes Engagement in der Jugendarbeit und war nicht zum ersten Mal auf einem solchen Event. Schon bei den Weltjugendtagen in Madrid, Krakau, Australien, Rio und Kanada war der Redemptoristenpater mit dabei. Dieses Mal begleiteten ihn zwei Jugendliche aus der Pfarre: Lisa Leutgeb und Miriam Schaupp. Auch sie zeigten sich vom Event in Zentralamerika begeistert (siehe Infobox auf Seite 13). 

Die kleine Gruppe aus der Stadtpfarre Eggenburg war Teil der rund 200 Teilnehmer aus Österreich, die angeführt vom Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl, nach Panama gereist waren. Mit dabei waren auch zwölf Soldatinnen und Soldaten der Militärdiözese, die in Begleitung von Militärsuperior Stefan Gugerel am WJT teilnahmen. 

Für die österreichischen Weltjugendtagspilger bildete das traditionelle „Österreicher-Treffen“ in einer Salesianerschule in Panama City den gemeinsamen Auftakt zum WJT. Der Höhepunkt des Glaubensfestes fand am 26. und 27. Jänner statt. Am Samstagabend versammelten sich die Jugendlichen aus aller Welt zu einer Vigil, einem abendlichen Gebet mit dem Papst. Nach einer Übernachtung unter freiem Himmel feierte Franziskus am Sonntag mit allen Teilnehmern die Abschlussmesse. 

In seiner Predigt forderte Franziskus die jungen Menschen einmal mehr auf, sich mit ihren kritischen Fragen und Träumen nicht vertrösten zu lassen. „Euer Leben findet heute statt – in der Gegenwart“, so der Papst. Jung zu sein sei nicht gleichbedeutend mit einem „Wartezimmer“. Es sei nur eine vorgetäuschte Freude, wenn man in der „Zwischenzeit“ bis zum scheinbar richtigen Termin „eine hygienisch gut verpackte und folgenlose Zukunft“ erfinde. So würden Träume zu „kleinen, traurigen Illusionen“.

Die Jugendlichen sollten sich nicht einreden lassen, dass sie zu jung seien, um sich „beim Aufbau des Morgen einzubringen“, warnte der Papst. Sie sollten stattdessen Krach machen, Fragen stellen und sich selbst und andere zur Diskussion stellen.

Reise in schwierigen Zeiten

Die Reise nach Panama trat Franziskus in einer für die katholische Kirche schwierigen Zeit an. Der Papst steht durch den seit einem Jahr verstärkt andauernden Missbrauchsskandal unter Druck. Beim traditionellen Mittagessen mit WJT-Teilnehmern aus allen Kontinenten darauf angesprochen, bezeichnete er den sexuellen Missbrauch als „schreckliches Verbrechen“. Wie sehr ihm die Krise persönlich zusetzt, deutete sich an, als er bei einer Messe mit Klerikern und Ordensleuten mehrfach von „Ho­ffn­ungs­müdigkeit“ sprach. Die Kirche, so der Papst, sei „durch ihre Sünde verwundet“ und habe den Schrei der Opfer nicht gehört. 

Franziskus platzierte eigene Themen: Politiker und Wirtschaftsvertreter mahnte er beim offiziellen Empfang bei seiner Ankunft, jeglicher Korruption abzuschwören und der neuen Generation mehr Mitgestaltung ihrer eigenen Zukunft einzuräumen, nicht zuletzt mit Blick auf die krasse soziale Ungleichheit. Den Bischöfen Zentralamerikas riet er, auf den „Herzschlag des Volkes“ zu hören und eine heilsame Unruhe zuzulassen. Bei einem Besuch in einer Jugendhaftanstalt kritisierte er eine Gesellschaft, die geradezu obsessiv andere als böse etikettiert und einsperrt, um sich selbst auf der Seite der Guten zu fühlen.

In zwei großen Veranstaltungen an der Küstenpromenade Panamas mit ihren glitzernden Hochhausfassaden, rief Franziskus Zehntausende aus aller Welt auf, für eine Kultur der Begegnung zu arbeiten und populis­tischen Tendenzen von Spaltung und Ausgrenzung zu widerstehen. Konformismus – Anpassung an bestehende Verhältnisse – nannte er eine der am meisten verbreiteten Drogen unserer Zeit.

Lange galt als zweifelhaft, ob das kleine Panama das große Katholikentreffen würde stemmen können. Am Ende äußerten sich lokale und ausländische Beobachter so anerkennend wie überrascht über den „geschmeidigen Verlauf“. Der nächste Weltjugendtag findet 2022 in Lissabon statt.

 

Eine besondere Atmosphäre


Der Eggenburger Stadtpfarrer Pater Sepp Schachinger reiste mit den beiden Studentinnen Lisa Leutgeb und Miriam Schaupp in den zentralamerikanischen Staat. Per „Messenger“ schickte die Gruppe „Kirche bunt“ Fotos und ihre Eindrücke vom WJT 2019, dessen Motto ein biblisches Marienzitat bildete: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es sagt hast.“

Pater Sepp Schachinger: Ich möchte aus den vielen drei Eindrücke herausnehmen. Als erstes das Gefühl, dass so ein Treffen eine ganze Stadt verwandelt. Es herrscht eine positive Stimmung, im Bus und auf der Straße wird gesungen, Autos bleiben stehen und nehmen dich mit. Man bekommt Geschenke von Gastfamilien. Als zweites haben mich die Gebete tief berührt, die die Jugendlichen beim Abendgebet für ihr Land und für die Jugend gesprochen haben. Im tiefen Glauben – auch von jenen, die in Ländern mit menschenverachtenden Regimen leben und die trotz Verzweiflung voll Hoffnung sind. Als drittes: Papst Franziskus. Die Worte, die er zu und für die Jugendlichen gesprochen hat. Als er sie dann als Freunde bezeichnet hat, war voll spürbar: Er ist wirklich ein Freund der Jugend.

Miriam Schaupp: „Was mich besonders beeindruckt hat, war der Friede, der zwischen den Teilnehmern des Weltjugendtages spürbar war. Man hat einfach gemerkt, dass mit so einer Jugend, die als Einheit zusammengeschweißt ist, großartige Dinge geschehen werden. Auch Papst Franziskus hat in einer seiner Predigten gesagt, dass wir uns gemeinsam auf den Weg in die richtige Richtung machen sollten und zwar nicht morgen oder übermorgen, sondern gleich HEUTE! Ich denke, nirgends anders wird so laut und schön gefeiert, gesungen und getanzt und im nächsten Moment gemeinsam in Stille gebetet. Ich glaube, dass ist auch das, was Jesus von uns will: Einen lebendigen Glauben, der alle Menschen mitzieht und ein stilles Hören auf seine Botschaft in unserem Herzen.“

Lisa Leutgeb: Die Atmosphäre am Weltjugendtag war einfach ein Wahnsinn. Es war so schön zu sehen, dass alle Jugend­lichen aus den verschiedensten Ländern immer gute Laune verbreiteten und der Glaube uns einfach alle vereinte. Besonders das Zitat von Papst Franziskus „Denn, liebe junge Freunde, ihr seid nicht die Zukunft, sondern das Jetzt Gottes… Nicht morgen, sondern heute… “ ist mir besonders in Erinnerung geblieben, dass man für Gott so wertvoll ist, wie man jetzt gerade ist.