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Erzbischof von Homs ruft zur Heimkehr auf

Abdo Arbach, melkitisch griechisch-katholischer Erzbischof von Homs, sagt im Gespräch mit „Kirche bunt“, dass heute die Sicherheitslage in weiten Teilen Syriens gut sei. Sorgen mache er sich um die traumatisierte Jugend, die ohne Bildung keine Perspektiven im Land sehe.

Es wäre wichtig, wenn die Menschen wieder nach Hause kommen würden. Wir brauchen sie zum Wiederaufbau.“ Mit diesen Worten ruft der Erzbischof von Homs, Abdo Arbach, zur Rückkehr der Flüchtlinge nach Syrien auf. Im Rahmen seines Aufenthaltes Ende März in Österreich besuchte der Erzbischof in Begleitung des melkitisch griechisch-katholischen Priesters Hanna Ghoneim und des St. Pöltner Diakons Johannes Kräftner „Kirche bunt“ in den Redaktionsräumlichkeiten in St. Pölten. Ghoneim ist Leiter der Stiftung „Korbgemeinschaft – Hilfe für Syrien“, die von Kardinal Chris­toph Schönborn ins Leben gerufen wurde. Diakon  Kräftner unterstützt die „Korbgemeinschaft“ und begleitete Pfarrer Ghoneim zuletzt im Februar bei einer Hilfslieferung nach Syrien.

120 Familien sind zurückgekehrt

Auch wenn es an einigen wenigen Orten noch Schläferzellen des Islamischen Staates (IS) gebe, sei die Sicherheitslage im Land gut und in weiten Teilen Syriens herrsche Frieden, so der Erzbischof. Allein in Homs sei es in den vergangenen Monaten mit Unterstützung von kirchlichen Hilfsorganisationen gelungen, viele Wohnungen und Häuser wieder aufzubauen bzw. zu res­taurieren. Bis jetzt seien 120 der insgesamt 240 geflüchteten christlichen  Familien wieder nach Homs zurückgekehrt. 

Sorge bereiten dem Erzbischof derzeit die Lebensumstände für die Menschen in Syrien. Die Situation habe sich seit Jänner dramatisch verschlechtert. Als Hauptgründe dafür nannte  der Erzbischof die Wirtschaftssanktionen gegen Syrien und den Iran, der Syrien mit Erdöl und Energie beliefert habe. Arbach: „Das Embargo trifft nicht die Regierung, sondern die Menschen, die sehr darunter leiden.“ Immer wieder falle im Land der Strom aus, Familien könnten die Wohnung nicht heizen, manchmal gebe es auch kein Wasser. Es fehle an allem. Der Bischof: „Die Kirche in Syrien hilft den Menschen so gut sie kann und wir sind dankbar für jede Hilfe von außen.“ So werden die Menschen u. a. mit Unterstützung der „Korbgemeinschaft“ mit dem Nötigsten versorgt.

Er selbst habe bis Mai 2014 von einem Vorort von Homs aus gewirkt, da das Stadtzent­rum, auch die griechisch-orthodoxen und die katholischen Kirchen, in der Hand der Rebellen waren. Das religiöse Leben sei in all den Jahren des Krieges aufrecht erhalten worden – „auch wenn man Angst hatte, dass während der Messe wieder etwas explodiert“, so der Bischof. „Eines kann ich für die Christen, die im Land geblieben sind, sagen: Der Glaube ist in der Zeit des Krieges größer geworden. Die Menschen haben den Glauben als eine Stütze erfahren.“ Die beschädigte Kathedrale sei inzwischen wieder aufgebaut worden, so Arbach. Die Kirchweihe war im Dezember 2017.

Sorge bereitet dem Erzbischof vor allem die Jugend. Viele Kinder und Jugendlichen seien vom Krieg traumatisiert und würden psychologische Hilfe benötigen. Viele junge Syrer – mitunter auch Kinder – müssten arbeiten und auf eine Ausbildung oder das Studium verzichten. In Flüchtlingslagern wie im Libanon wachse eine ganze Generation ohne Schulbildung auf. Vor diesem Hintergrund würden gerade junge Leute überlegen, nach Europa zu gehen. Der Erzbischof: „Wir versuchen zu helfen, wo wir nur können. Aber ohne Hilfe von außen schaffen wir das nicht. Wir appellieren an jeden Menschen guten Willens, uns zu helfen, damit die Christen nach Syrien zurückkehren und bleiben können.“ Der Erzbischof glaubt an eine gute Zukunft. Es habe schon vor dem Krieg ein gutes Miteinander mit den christlichen Kirchen und auch dem Islam gegeben – „das gilt vor allem für Gebiete, wo die Regierung an der Macht ist“, so Arbach. „Nach acht Jahren Krieg sind die Menschen in Syrien einfach müde.“  

Die kirchliche Stiftung „Korbgemeinschaft – Hilfe für Syrien“ hilft vielerorts mit dem Allernotwendigsten. Neben diversen Heimtextilien  werden Bekleidung oder Schuhe für alle Altersstufen, aber auch Küchen- und Arbeitsuntensilien benötigt sowie Grundausstattungen für Kindergärten, Schulen, Altenheime oder Pfarrzent­ren. „Jede Hilfe zählt“, sagt Diakon Kräftner. Auskunft gibt es bei ihm direkt unter Tel. 0699/11 00 56 27 oder E-Mail: . Weitere Infos unter: www.korbgemeinschaft.at; Spendenkonto bei der Erste Bank; IBAN: AT94 2011 1828 5755 6000. -Sop