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Emmaus feiert Jubiläumsjahr 2019

Im Rahmen des traditionellen Herbstfestes feierten gleich fünf Einrichtungen der Emmausgemeinschaft St. Pölten ein Jubiläum. Die Verantwortlichen schauten in Dankbarkeit auf die letzten Jahrzehnte, seit Gründung von Emmaus, zurück.

Gefeiert wurden in St. Pölten 30 Jahre Wohnheim Vie­hofen, 30 Jahre Haus Kalvarienberg für wohnungslose Männer, 15 Jahre Frauenwohnheim, 15 Jahre Jugendnotschlafstelle Compass und 20 Jahre CityFarm, wo das Fest mit zahlreichen Ehrengästen stattfand.

„Den Himmel auf Erden gibt es scheinbar nicht, denn unsere Einrichtungen sind über die Jahrzehnte nicht überflüssig geworden“, betonte Emmaus-Geschäftsführer Mag. Karl Langer in seinen Begrüßungsworten im vollen Festzelt. „Jeden Tag klopfen Menschen an unsere Türen und Herzen“, berichtete Langer. Wenn er dann die Lebensgeschichten der Gäste höre, stelle er sich oft die bange Frage: „Kann das auch mich treffen?“ Seine Erfahrung: Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, eine psychische Erkrankung oder Suchterkrankung – die hauptsächlichen Gründe, warum Menschen zu Emmaus kommen – können „jeden jederzeit erwischen“. In den Emmaus-Einrichtungen machen die Hilfe suchenden Menschen dann oft erstmals die Erfahrung, dass sie nicht ausgegrenzt werden, „sondern dass ihnen geholfen wird, dass sie dazugehören, dass sie wertvoll sind, Talente haben, eine Leistung bringen können und willkommen sind“, so Langer.

„Ohne Emmaus wäre ich nicht mehr am Leben.“ – „Bei Emmaus wird man angenommen wie man ist. Hier habe ich gelernt, dass ich Hilfe bekomme und annehmen kann. Dafür bin ich unendlich dankbar.“ – Sätze wie diese höre er, so Langer, von den Gästen, wie die Hilfe suchenden Menschen bei Emmaus genannt werden, immer wieder. Langer: „Wir feiern heute nicht die Gebäude, sondern Aussagen wie diese.“
In Interviews mit dem Sprecher von Emmaus, Mag. Christian Veith, kamen beim Jubiläumsfest auch die einzelnen Leiter der Einrichtungen zu Wort. So berichtete u. a. Gabriele Kellner, Leiterin der CityFarm, dass dort derzeit rund 45 Menschen beschäftigt sind: Gäste sowie haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Die Ziele des arbeitstherapeutischen Emmaus-Tagesstättenbetriebes für vorwiegend psychisch erkrankte arbeitslose Männer und Frauen reichen von der Stabilisierung ihrer Gesundheit bis hin zur Vermittlung eines dauerhaften Arbeitsplatzes.

Sylvia (Name geändert) ist einer jener Gäs­te, die es geschafft haben. „Mit 30 Jahren hatte sie rund 50 stationäre Aufenthalte in niederös­terreichischen Psychiatrien hinter sich. Sie kam in die Frauen-Wohngemeinschaft und arbeitete in der CityFarm, daneben wurde sie durch den psychosozialen Dienst der Caritas betreut. Sie musste seit elf Jahren nicht mehr stationär aufgenommen werden, sie hat jetzt eine Wohnung, ist verheiratet und erwartet ein Baby – das sind moderne Märchen“, erzählte Mag. Karl „Charly“ Rottenschlager in seinem Rückblick. Er gründete 1982 federführend die Emmausgemeinschaft. Nicht alles sei von Erfolg gekrönt, aber solche Geschichten wie die von Sylvia gebe es hunderte zu erzählen, sagte Rottenschlger, der Emmaus viele Jahre als Geschäftsführer leitete. Seit 2014 ist er in Pension, Emmaus aber nach wie vor herzlich verbunden. „Heilungsprozesse passieren dann, wenn es heilende Gemeinschaften gibt – wo die Hilfesuchenden liebevoll begleitet werden, aber auch professionelle Hilfe bekommen.“

Der Traum eines Mannes

Was 1982 als Traum eines einzelnen Mannes begann, wurde zur Wirklichkeit, weil viele diesen Traum teilten – betonte der „Emmaus-Erfinder“. Als Caritas-Mitarbeiter war Rottenschlager damals im Gefängnis Stein in Krems als Sozialarbeiter tätig. Hautnah erlebte er mit, dass die Männer nach Haftentlassung ohne Unterkunft dastanden. Fünf Mal habe er in Orten rund um St. Pölten Objekte für die Obdachlosen in Aussicht gehabt und fünfmal habe er in den Gemeinden gehört: „Das ist eine tolle Idee, aber bitte nicht bei uns.“ Beim sechsten Mal klappte es. Als erste Emmaus-Einrichtung wurde das Obdachlosenheim in St. Pölten gegründet.
Über 14.000 Menschen suchten seit der Gründung Hilfe bei Emmaus. Heute werden in den insgesamt acht Emmaus-Einrichtungen 320 Männer, Frauen und Jugendliche betreut – 155 MitarbeiterInnen und rund 100 Ehrenamtliche sind dort beschäftigt.  „Ein ganzes Netz von Freunden und Förderern trägt uns“, sagt Karl Rottenschlager und verweist auch auf die unverzichtbare Unterstützung durch das Land Niederösterreich und die Stadt St. Pölten. Rottenschlager ist dankbar: „Was hier entstanden ist, habe ich nicht in den kühnsten Träumen geträumt.“    Sop