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Eine Burg für die Seele

Eine starke, aber auch freundliche Burg ist jene von Rappottenstein im Waldviertel. Als „Kinderburg“ gewährt sie Familien, die von einem schweren Schicksalsschlag getroffen wurden, Schutz und Raum zum Krafttanken.

Für Frau Huber*, die Mutter von Sarah (8) und Elias (6), kam die Krebs-Diagnose ihres Mannes völlig unerwartet. Es folgte eine belastende und aufreibende Zeit der Hoffnung und des Wartens. Immer wieder musste der Vater für Untersuchungen und Behandlungen ins Spital, und die Familie musste lernen, sich auf die Krankheit einzustellen.

Dann ein Jahr später die nächste erschütternde Nachricht: Die Krankheit schreitet weiter fort, die Chemo-Therapie greift nicht mehr. Die Familie musste langsam vom geliebten Vater Abschied nehmen. Sein Tod war für alle ein Schock, trotzdem mussten das Begräbnis organisiert und behördliche Wege erledigt werden. Mit der Zeit kehrte zwar der Alltag wieder ein, doch die Trauer blieb – mit all ihren Facetten. 

Über das Palliativteam erfuhr die Familie vom Angebot der „Kinderburg Rappottenstein“, das sie ein halbes Jahr nach dem Tod des Vaters in Anspruch nahm. Der intensive Kontakt mit dem Kinderburg-Team, viele einfühlsame Gespräche und die wundervolle Natur rund um die Burg machten es möglich, dass alle drei wieder Kraft tanken und ein Stück Lebensfreude zurückgewinnen konnten. 

Elias und Sarah konnten ihre Trauer im Spiel und beim Gestalten einer Erinnerungs­kiste für den verstorbenen Vater ausdrücken. Zeitgleich war eine zweite Familie mit ähnlichem Schicksal auf der Kinderburg, und Familie Huber* schätzte den Austausch über gemeinsame Erfahrungen.

„Ihr habt uns Hoffnung gegeben“, lautet der Eintrag im Gästebuch. Überhaupt ist das Gästebuch der „Kinderburg“ ein Zeugnis für Licht in dunkler Zeit: „David hat endlich mal durchgeschlafen“, ist zu lesen, und: „Ich bin wieder fröhlich und ich esse auch wieder.“

Die „Kinderburg Rappottenstein“ ist eine Initiative des Roten Kreuzes und der Burgbesitzer, der Familie Abensperg und Traun. Familien mit schwer bzw. chronisch kranken Kindern oder Eltern sowie Familien, die den Tod eines nahen Familienmitglieds verarbeiten müssen, bekommen hier die Möglichkeit, Kraft zu tanken und sich mit der neuen Lebenssituation auseinanderzusetzen. 

„Die Burg wirkt beschützend“

Maximal zwei Familien wohnen gleichzeitig in der Burg. Für Kinder ein tolles Erlebnis: Ihre Zimmer befinden sich in der Hochburg. „Die Burg mit ihren dicken Mauern wirkt beschützend“, sagt Laura Sigl, die Teamleiterin. Das mächtige Gebäude wirkt innen nicht düs­ter, sondern hell und freundlich und durch eine wohnliche Einrichtung entsteht eine familiäre Atmosphäre. Es gibt Ruheplätze am Kamp und einige Tiere. Vor allem die Alpakas schließen viele Kinder ins Herz – wie man an den Zeichnungen im Gästebuch sehen kann.

Das Team der „Kinderburg“ ist tagsüber vor Ort und betreut die Familien. Zusätzlich werden auch psychologische Unterstützung sowie Trauerbegleitung angeboten – alles auf freiwilliger Basis. Die Familien leisten für den Aufenthalt einen Unkostenbeitrag, abgestimmt auf ihre individuelle Situation, der Rest wird über Spenden für die „Kinderburg“ finanziert. ph *Name geändert

www.kinderburg.net, Tel. 059144/50506.