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Ein „Elias“, der unter die Haut geht

Konzertkritik von Franz Reithner. Mit einer stürmisch umjubelten Auf­füh­rung des Oratoriums „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy eröffneten Domkantorei, cappella nova graz und L’Orfeo Barockorchester das Festival „Musica Sacra“. Domkapellmeister Otto Kargl hatte einmal mehr Biblisches aufs Programm gesetzt und für eine packende Aufführung gesorgt, deren emotionale Intensität selten gehörte Ausmaße erreichte. Dicht lagen in dieser Klang gewordenen Sammlung von Gottesfragen Verzweiflung und Jubel, Triumph und Depression, Unglück und Rettung nebeneinander. Zehn Jahre hatte der Komponist mit Inhalt und Form des Werkes gerungen und gab sich auch nach der Uraufführung 1846 noch nicht zufrieden. Ähnlich rastlos forderte der Dirigent scharfe Kontraste zwischen den tröstlichen Momenten weichen Wohllauts und den erschütternden Schreien um Rettung und Hilfe.

Der etwa 60-köpfige Chor war auf seinen zweistündigen Kraftakt bestens vorbereitet: Kaum hatte er dem verdurstenden Volk seine verzweifelte Stimme geliehen, überraschte er mit unerschütterlichem Gottvertrauen aus dem Psalm 91: „Denn er hat seinen Engeln befohlen“. Eben hatte er sich nach der Totenerweckung des Sohnes der Witwe überzeugend zu den Wegen Jahwes bekannt, schon steigerte er seine Anrufung Baals bis an die Grenzen des Ausdrückbaren. Sturm, Erdbeben, Wasserfluten und Feuer gerieten ebenso hautnah erlebbar, wie das stille, sanfte Säuseln, in dem sich Gott offenbarte.

Matthias Helm, Bass, füllte die Rolle des titelgebenden Propheten im Sinne des Komponisten voll aus: „eifrig, auch wohl bös und zornig und finster … und doch getragen wie von Engelsflügeln. Daniel Johannsen, Tenor, nuancierte gekonnt zwischen dem König Ahab sowie seinem Palastvorsteher Obadja und ließ seine unvergleichliche Stimme immer wieder aufleuchten. Ida Aldrian, Alt, überzeugte als rachsüchtige Königin ebenso wie als sanfter Engel in der Arie „Sei stille dem Herrn“. Cornelia Horak, Sopran, fand für Totenklage und Auferstehungsjubel packenden Ausdruck und fügte sich harmonisch in das berühmte Terzett „Hebe deine Augen auf“.

Das L’Orfeo Barockorchester erwies sich als ein seinem Namen längst entwachsener Klangkörper, der für die breite Palette romantischen Ausdrucks die richtigen Farben bereit hält: von weicher Grundierung der Streicher über hymnischen Bläserklang bis zum lodernden Feuer in den Kesseln der Pauke.
Konzertkritik von Franz Reithner, Orgelreferent der Diözese St. Pölten

 

Demnächst bei Musica Sacra

  • 14. 9., 19.30 Uhr, Stiftskirche Herzogenburg: „From Silent Night“ mit Werken von William Byrd, Anthony Holborne u. a.
  • 15. 9., 10 Uhr, Stiftskirche Lilienfeld: „Kleine Festmesse“ von Ernst Tittel. Diese Messe wird auch im Rundfunk übertragen.
  • 15. 9., 18 Uhr, Dom zu St. Pölten: „Songs of Exile – Lieder aus der Verbannung“, mit dem Nagash Ensemble (Armenien).
  • 22. 9., 16 Uhr, Stiftskirche Lilienfeld: „Menschen, Engel und der siebte Himmel“. Gregorianische Gesänge aus der Notre-Dame-Schule, mit der Choralschola der Wiener Hofburgkapelle.

Nähere Infos: https://www.festival-musica-sacra.at
Das Konzert ,,Elias" wird am 23. Dezember auf Ö1 übertragen. Nähere Infos dazu gibt es rechtzeitig auf den Terminseiten von Kirche bunt!