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Ein beherztes Leben führen…

Wie kann man ein beherztes, engagiertes Leben führen? Welche Stolpersteine gibt es auf dem Weg dahin und was bestärkt einen, mutig zu sein? Diesen Fragen geht die Salvatorianerin und Bestseller-Autorin Sr. Melanie Wolfers nach.

Lebe ich ein beherztes, couragiertes Leben     oder bin ich eher Zuschauer und lebe ich, wie es sich gerade ergibt?“. Diese Frage sollte man sich von Zeit zu Zeit stellen, ist Sr. Melanie Wolfers SDS überzeugt. Unter dem Titel „Trau dich, es ist dein Leben“ hat die deutsche Salvatorianerin und Bestsellerautorin ihr jüngs­tes Buch veröffentlicht und darüber am 25. Jänner im Sparkassensaal in St. Pölten auf Einladung des Katholischen Bildungswerkes der Dompfarre einen Vortrag gehalten. 

Mut, so Wolfers, bedeute nicht allein in außergewöhnlichen Situationen heldenhaft zu handeln. „Das eigentliche Revier des Mutes ist der Alltag.“ Jeden Tag müssen Menschen viele kleine und mitunter große Entscheidungen treffen, immer wieder stehe man vor der Wahl, ob man zu seinen Überzeugungen und Werten steht oder ob man sich auf Ungewisses einlässt. Mutig sei man deshalb, weil man nicht wisse, wie es ausgeht. „Wir machen uns emotional berührbar und wir gehen das Risiko ein, dass das, was wir tun, möglicherweise nicht so gelingt wie erhofft.“ Mut, so Sr. Melanie, habe daher immer auch etwas mit Mut zu Verwundbarkeit und Verletzbarkeit zu tun. 

Auf dem Weg zu einem mutigen und beherzten Leben gebe es Stolpersteine – Angsthürden, wie etwa das eigene Sicherheitsstreben, eine ausgeprägte Anpassung bzw. Außenorientierung oder das eigene Schamgefühl. Doch nicht die Stolpersteine würden einen daran hindern, mutig zu sein. Die eigentliche Voraussetzung, ein beherztes Leben führen zu können und die Stolpersteine überhaupt in den Blick zu bekommen, sie umgehen und überwinden zu können, sei die „Klarsicht“. Es gehe darum, so Wolfers, eine gute Selbstwahrnehmung zu haben und einen nüchternen Blick auf die Verhältnisse und Dinge. Und diese Klarsicht im Leben erhalte man dadurch, dass man immer wieder inne hält. Innehalten, indem man sich selbst Zeit gönnt, kleine Zeitsplitter nutzt, achtsam sich gegenüber wird und Stille sucht. Ein Leben in Fülle

Ein beherztes Leben zu führen, bedeute letztlich ein Leben in Fülle zu führen und der Pilot bzw. die Pilotin im eigenen Leben zu sein. Die schlechteste Entscheidung sei, nicht zu entscheiden. Es gebe aber gute Gründe, sich zu riskieren und verwundbar zu machen. Wolfers: „Mut  steht am Ursprung unserer vitalsten Erfahrungen im Leben. Am Ursprung von Freude und Freundschaft, von Liebe und Zugehörigkeit, von Solidarität und Zivilcourage.“ So sei Nähe das Ergebnis von „riskierter Verletzlichkeit“. Denn wer Freundschaft und Liebe will, muss sich dem anderen öffnen, dabei geht er das Risiko ein, vom anderen verletzt und abgelehnt zu werden.

Zu Mut gehöre Angst – beide bildeten eine innere Spannungseinheit. Nur in ihrem Zusammenspiel schützten sie einen einerseits vor Tollkühnheit und Leichtsinn und andererseits davor, sich vor Angst lähmen zu lassen. Mut erfordere aber auch ein Gespür für Werte. Etwas, von dem man angezogen werde, was man als richtig und wichtig erachte. Sr. Melanie: „Mut zeigt sich dann, wenn etwas anderes wichtiger wird als unsere Angst.“

Glaube und Angst

Manche würden Angst als Hindernis auf dem Weg zu Gott sehen. Sie meinten, ihre Angst sei ein Zeichen, dass sie zu wenig glauben und vertrauen oder nicht richtig beten. Doch Glaube und Angst würden einander nicht ausschließen – das zeige auch der Blick auf Jesus von Nazaret. In seinem Leben lasse sich die Spannung von Angst und Mut gut ablesen. Als Jesus ahnt, dass ihm ein gewaltsames Ende droht, packt ihn die Angst. Er schreit zu Gott, nimmt seine Angst ins Gebet, lässt sie zu und spricht sie aus. Wolfers: „Durch all das wird Jesus nicht von seiner Angst befreit, aber er wird fähig, mit und trotz seiner Angst, seinen Weg weiterzugehen. Er bleibt sich, den Menschen und Gott treu.“

Auch im eigenen Leben stelle sich manchmal die leise Ahnung ein, dass man mit seiner Angst nicht alleine ist. Wolfers: „Als ob in der Tiefe des eigenen Herzens ein Licht schimmern würde, als ob ich von innen her liebevoll angeschaut werde. Das weckt Vertrauen und Mut, ein beherztes Leben zu führen.“ Sop

 

Buchtipp 

Das neue Buch von Sr. Melanie Wolfers handelt vom Glück, beherzt zu leben. Es handelt von der Kunst, mutig zu sein – eine Kunst, die den Mut zur Verletzbarkeit in sich einschließt. Und es handelt von der Angst, die uns vor Leichtsinn und Tollkühnheit warnt und schützt – die uns aber auch am Leben hindern kann.
Trau dich, es ist dein Leben. Die Kunst, mutig zu sein. Melanie Wolfers, Droemer Knaur Verlag, 224 Seiten, € 17,50; ISBN: 978-3-96340-022-3; Oktober 2018.

 

Termine 

Im BildungsZentrum St. Benedikt in Seitenstetten wird Sr. Melanie Wolfers im März zwei Vorträge und ein Seminar halten.

Wie sage ich es einem Untheisten? An Gott glauben und von Gott reden in säkularer Zeit.
Zeit: 14. März, 15 bis 18 Uhr. Beitrag: € 24,-.

Trau dich, es ist dein Leben. Die Kunst, mutig zu sein. 
Zeit: 14. März, 19.30 Uhr. Beitrag: €8,-.

Die Kraft des Vergebens. Sich von der Macht der Kränkung befreien und von Neuem vorwärts gelebt.
Beitrag: € 120,-.
Zeit: 15. März, 15 Uhr, bis 16. März, 17 Uhr.

Weitere Infos unter: www.st-benedikt.at