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Die Vielfalt der Tiere in unseren Pfarren

Am 4. Oktober gedenkt die Kirche des Franz von Assisi. Der Umgang des Heiligen mit der Schöpfung hat die Menschen beeindruckt, daher wird an diesem Tag der Welttierschutztag begangen. Auch in vielen unserer Klöster und Pfarrhöfe haben Tiere ein schönes Zuhause.

Sie genießen ihre Ruhe, gut versteckt hinter der Ritterkapelle des Stiftes Seitenstetten leben die Schildkröten von Subprior Pater Florian Ehebruster. Er bekam die pflegeleichten Tiere anläss­lich seiner Ewigen Profess geschenkt. In vielen Pfarrhöfen und Klös­tern in unserer Diözese gab es oft Nutztiere, heute sind es meist Haustiere. Gute Tradition ist es, rund um den Gedenktag des heiligen Franz von Assisi zu Tiersegnungen zu laden. Tierliebhaber bringen gerne ihre „Lieblinge“ mit, Kinder auch Stoffbären, -papageien oder -mäuse. U. a. gibt es rund um den Welttierschutztag in den Pfarren Gansbach, Mautern, Maria Anzbach oder Harth Tiersegnungen. In der liturgischen Feier dazu wird die Dankbarkeit für die Schönheit der Schöpfung und die Bitte um deren Bewahrung zum Ausdruck gebracht.

Von Katzen bis Fischen

Anlässlich des Welttierschutztages, der auf den heiligen Franz von Assisi zurückgeht, fragte „Kirche bunt“ bei Ordensleuten und Priestern nach, welche Tiere sie haben: von Bienen wie bei den Marienschwestern von Erla über Katzen und Fische bis hin zu Hunden oder Schildkröten. In Mautern „erobert“ der rote Kater „Garfield“ immer wieder den Pries­tersitz. Mit seiner kecken Art bringt er den tierliebenden Pfarrer Pater Clemens Reischl immer wieder zum Schmunzeln.
In den kirchlichen Gebäuden leben Tiere vielfach im Verborgenen, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht: etwa Fledermäuse in der Kirche von Obermeisling, Störche bei der Kirche von Kirchberg am Walde oder ein Wanderfalke in der Pfarrkirche Langenhart. Peter Scheuchenegger hat darüber einen Film gedreht. Er möchte den Lesern von „Kirche Bunt“ „die Möglichkeit geben, zu sehen, was sich auf unserem Kirchturm abspielt“. Interessierte können sich das sehenswerte Leservideo mit Link und generiertem QR-Code zum Video ansehen (Bild links unten).
Auf www.kirchturmtiere.at sind alle naturinteressierten Menschen aufgerufen, Beobachtungen von Tieren in, an und rund um Kirchtürme zu melden. Mit den Daten soll das Wissen über die Besiedlung von Kirchen durch Vögel und andere Tiere erweitert werden, um Naturschutzmaßnahmen für gefährdete Arten ausarbeiten zu können. Die Fundmeldungen werden im Anschluss von Experten bestimmt bzw. geprüft.

Ordensfrauen als Imkerinnen

Wie sensibel die Schöpfung ist, das wissen die Marienschwestern von Erla. Seit hundert Jahren betreiben die Ordensfrauen im Garten des Schulareals eine kleine Honigproduktion. Sr. Klara und Sr. Irmgard erzeugen dort Honig – im Vorjahr waren es 120 Kilogramm. Sie achten sehr darauf, dass alles „Bio“ ist. Beim Ertrag hänge viel davon ab, ob das Wetter die Natur gut blühen ließ, ob es reichlich Nektar gibt und ob keine umweltschädlichen Stoffe in der Region ausgestoßen werden. Die Bienen würden empfindlich darauf reagieren, erzählen die beiden. Die Imkerei ist eine eigene Wissenschaft. Sr. Klara und Sr. Irmgard sind Expertinnen. Sie wissen wie viel Zuckerwasser die Bienen brauchen, welchen Einfluss der Mond hat oder welche Futterquellen am besten geeignet sind.

Auf die Bedeutung der Schöpfung für uns Menschen verweist jemand, der sich damit intensiv beschäftigt: Kräuterpfarrer Benedikt Felsinger vom Stift Geras. Derzeit gehe es dem Prämons­tratenser schlecht, wenn er an das Waldsterben im oberen Waldviertel denke. Der bekannte Ordensmann, der am Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein/Thaya wirkt und viele Vorträge zum Umgang mit der Natur hält (www.kraeuterpfarrer.at), interessierte sich schon mit sechs Jahren für Vogelkunde. Ruhiges Beobachten der Natur lernte er früh, weil er mit seinem Vater, einem Jäger, oft in den Wald ging. Haustiere hatte er immer: Hasen, Hühner und Tauben. In seinem Pfarrhof in Harth schnattern derzeit 15 Gänse. Sein Vorgänger als Kräuterpfarrer, der verstorbene P. Hermann Weidinger, hatte dort zuvor eine Zucht für Collie-Hunde.

Gott habe alles geschaffen und er trage letztlich Verantwortung für die Schöpfung. Aber auch der Mensch stehe in der Pflicht. Aus religiöser Sicht sei es etwas Wertvolles, von Gott etwas geschenkt zu bekommen. Der Kräuterpfarrer zitiert Papst Franziskus: „Ich übe mich darin, die Natur als Ausdruck der Liebe und Zärtlichkeit Gottes wahrzunehmen und vielleicht mit neuen Augen zu sehen.“ Der Kräuterpfarrer: „Wir sollten dieses Geschenk schätzen und die Schöpfung hüten wie ein Gärtner.“ Der 54-Jährige sagt, der Klimawandel sei einerseits ein globales Problem, andererseits sei jeder Einzelne gefordert, nachhaltig zu agieren. H. Benedikt erinnert: „Der Mensch ist von Gott her das Ziel der Schöpfung!“ Wir sollten staunen, was wir Gott wert sind und das sollten wir dankbar annehmen. Der heilige Augustinus habe davon gesprochen, dass uns zunächst die Bibel als Offenbarung gegeben worden ist. Bei Augustinus und anderen christlichen Autoren bezeichnet der Ausdruck „Buch der Natur“ das Buch der Geschöpfe, das neben der Bibel als Buch der Offenbarung eine weitere Quelle der Erkenntnis Gottes ist. Die Natur wird zu einer Chiffrenschrift, die entziffert werden muss.


H. Benedikt lädt ein, gegenüber der Schöpfung zu staunen. Das Staunen öffne den Menschen und bewahre ihn vor Gleichgültigkeit. Diese Ehrfurcht sei nicht nur ein körperlicher und geistlicher Vollzug, sondern sogar ein therapeutischer. Kinder, die natürlich aufwachsen, könnten noch staunen. „Und das sollten auch wir nie verlernen.“    W. Zarl