Die Botschaft der Musik

Vom 8. September bis 6. Oktober erklingt wieder „Musica Sacra“. Wir sprachen mit Domkapellmeister Otto Kargl über das Programm des Festivals und die verbindende Botschaft der Konzerte. Kirche bunt verlost 2 mal 2 Festivalpässe für alle Konzerte.

„Musica Sacra“ transportiert jedes Jahr eine Botschaft. Gibt es auch heuer ein Leitmotiv, das die Konzertreihe verbindet?

Domkapellmeister Otto Kargl: Ich habe schon das Gefühl, dass bei den Konzerten so ein biss­chen ein ,,roter Faden“ durchläuft – nämlich gegen das Ausgrenzen. Das beginnt oft schon in der Familie, geht in der Schule weiter mit dem Mobbing … Den Menschen ist oft nicht bewusst, was man schon mit wenigen Sätzen anrichten kann.

Wie zeigt sich das in den Konzerten?

Kargl: Das beginnt schon beim ers­ten Konzert „Elias“, da kommt stark heraus, dass das Auseinanderdividieren eigentlich nicht zielführend ist. Im Konzert „Songs of Exile“ werden vertonte Gedichte des armenischen Priesters Mkrtich Naghash dargebracht. Im 15. Jahrhundert wurden die armenischen Christen von den Mongolen und Osmanen aus ihrem Land vertrieben. Der Priester berichtete aus der Fremde von seinem Dasein, seinem Elend und davon, wie er in der Fremde wahrgenommen wird. Das ist auch politisch unglaublich aktuell – wenn Menschen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Das ist schwer und wirklich nicht lustig. Im Konzert „Silent night“ geht es darum, dass sich die musizierende Gesellschaft aus den politischen und religiösen Machtkämpfen zurückgezogen hat. Die Leute wurden unterdrückt und waren ausgelaugt. Sie zogen sich in ihre vier Wände zurück und machten mit stillen Instrumenten – Laute, Klampe – Musik. Das ist ein schönes Bild, aber auch deprimierend, weil man nicht frei ist und sich zurückziehen muss. Im letzten Konzert tritt eine Gruppe aus Afrika auf. Ich glaube, wir können von anderen Kulturen viel lernen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir Einflüsse und Ideen von außen brauchen – eingekapselt und engstirnig zu sein, das ist nicht gesund. 

Hat Musik bzw. Kunst den Auftrag, auf Missstände hinzuweisen?

Kargl: Ja, genau das wollen wir. Wahrscheinlich kommt niemand darauf, gerade in der Kirchenmusik politische Statements zu sehen, aber für mich ist das wichtig, denn manche Entwicklungen bereiten mir Sorgen. Unsere Botschaft: Lasst euch nicht spalten, Fanatismus in jede Richtung ist abzulehnen.

Kann man mit der Musik also Missstände auflösen?

Kargl: Die Musik gibt schon eine Lösung vor und versöhnt! Beim „Elias“ z. B. durch den Engel, der singt: ,,Sei stille dem Herrn und warte auf ihn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“ Er soll also von seinem Zorn abstehen, er soll sich nicht ärgern und sich beruhigen. 

Was würden Sie sich wünschen, sollen die Menschen, die die Konzerte von „Musica Sacra“ besuchen, mit nach Hause nehmen im Herzen?

Kargl:  Schön wäre es, wenn die Zuhörer für die menschlichen Dinge sensibilisiert werden. Dass sie vielleicht ein bisschen menschlicher werden, toleranter, offener, sensibler, empathischer. Letztlich geht es um die Nächstenliebe. Diese wird heute oft nur in Bezug auf die eigene Familie verstanden. Aber Nächstenliebe ist für uns Chris­ten ein zentrales Gebot. Ich denke, man hat als Christ viel getan, wenn man diese Nächstenliebe ausweitet.  Das ist natürlich eine tägliche Herausforderung – auch für mich selbst. Da bleibt man immer unvollkommen, da muss man täglich an sich arbeiten.

 

Musica Sacra

  • Elias. Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mit: cappella nova Graz, Domkantorei St. Pölten, L’Orfeo Barockorchester u. a. Ort: Dom zu St. Pölten. Werkeinführung um 17 Uhr im Sommerrefektorium. Sonntag, 8. September, 18 Uhr
  • „From Silent Night“, Consort Songs & Music for Viols. Mit: Anna Kargl, Martina Daxböck u. a. Ort: Stiftskirche Herzogenburg. Samstag, 14. September, 19.30 Uhr 
  • „Songs of Exile – Lieder aus der Verbannung“. Von John Hodian vertonte Gedichte des armenischen Priesters Mkrtich Naghash. Mit: Nagash Ensemble. Ort: Dom zu St. Pölten. Sonntag, 15. September, 18 Uhr 
  • „Menschen, Engel und der siebte Himmel“. Greogorianische Gesänge. Mit: Choralschola der Wiener Hofburgkapelle. Ort: Stiftskirche Lilienfeld. Sonntag, 22. September, 16 Uhr 
  •  Sounds of Africa. Geistliche Werke werden mit religiöser Musik der Xhosa, Zulu  etc. verwoben. Mit: Cape Town Opera Chorus. Ort: Dom zu St. Pölten. Sonntag, 29. September, 18 Uhr 

 

Gottesdienste

  • Kleine Festmesse. Ernst Tittel: 15. September, 10 Uhr, Stiftskirche Lilienfeld.
  • Gospel Mass. Robert Ray: 29. September, 10 Uhr, Domkirche St. Pölten.
  • Pasticcio. Werke von Heiller/Widor/Vasiliauskaite: 6. Oktober, 10.30 Uhr, Dom kirche St. Pölten.
  • Missa brevis. Wolfgang Amadé Mozart. 6. Oktober, 9.30 Uhr, Stift Herzogenburg.

 

Karten: Festivalpass: 65 Euro. Einzelkarten: 19 bis 39 Euro. Die Ti­ckets sind an der Abendkassa erhältlich. Vorverkauf: Buchhandlung Schubert, Tel. 02742/35 31 89-0; Ö-Ticket oder bei Festival Musica Sacra, Tel. 0677/61 27 44 62.