Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Der Mai – ein Monat der Gottesmutter Maria

Foto: Peter Schimatschek

Maiandachten sind aus der Volksfrömmigkeit heraus entstanden, teilweise im Gleichklang mit der Entwicklung der kirchlichen Lehre über Maria, teilweise auch als Gegenpol zu einer allzu rationalistischen und abstrakten Theologie.

Maria, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen“, heißt es in einem der beliebten Marienlieder, die man oft während des „Wonnemonats“ singt. Maiandachten prägen diesen Monat. Gerne und häufig versammelt man sich, um vor dem liebevoll geschmückten Marienaltar zu beten und zu singen.

Es ist interessant, dass der Brauch, im Monat Mai besonders die Gottesmutter Maria zu ehren, schon sehr alt ist. Eigentlich hat man in frühchristlicher Zeit den Mai genutzt, um für eine gute Ernte zu beten. Er ist eben jener Frühlingsmonat, in dem die Saat auf die Felder ausgebracht ist und man spürt, dass die Natur wieder zu vollem Leben erwacht. Unwetter und sogar Hagel können um diese Zeit bereits schwere Schäden anrichten, nicht weni­ger schlimm wirkt sich anhaltende Trockenheit, wie sich heuer in vielen Regionen bereits abzeichnet, auf die Entwicklung vieler Kulturen aus. Bis heute betet man an den Bitttagen vor Christi Himmelfahrt um gutes Wetter; Flurumgänge sind ein Ausdruck dafür, dass wir Gott für die Schöpfung danken und sie seiner Güte anvertrauen.

Dennoch ist diese Sorge um die Schöpfung im Mai zugunsten der Gottesmutter Maria in den Hintergrund getreten. Dies ist besonders im 19. Jahrhunderts geschehen, in dem die Maiandachten, die schon in der Barockzeit entstanden waren, und die marianische Volksfrömmigkeit auch in den deutschsprachigen Ländern einen Aufschwung erlebten. Gerade die Blütenpracht des Mai lenkt den Blick auf Maria, die „schönste Blume Gottes“ (Alois Albrecht) und macht deutlich, dass mit Maria die neue Schöpfung ihren Anfang genommen hat.

In der Volksfrömmigkeit gewachsen

Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Marias, das Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 verkündete, bekräftigte die Marienverehrung in der katholischen Kirche. Gerade um die Zeit des Ersten Vatikanischen Konzils (1869-1870) erlebte die Verehrung der „Maien­königin“ einen Aufschwung. Dies hängt möglicherweise mit der Konzent­ration auf das Papstamt und dessen Unfehlbarkeit zusammen, die auf dem ersten Vatikanischen Konzil einen Höhepunkt erreichte. Während hier theologische Ideen dominierten, die vor allem den Papst und die Kirche im Blick hatten, galt die aufkommende Ma­rien­fröm­mig­keit den einfachen Gläubigen.
Maria wurde als die Frau aus dem Volk verehrt, die sich auf Gottes Plan einlässt und ihm ihr Ja zuspricht. Gerade die Maiandachten, die eher von einem romantischen Zug geprägt waren, sprachen die Gefühle der Gläubigen an und bildeten die Kehrseite der hohen Theologie, wie sie in Rom betrieben wurde. Während der Papst in immer größere Distanz zu den Gläubigen rückte, fanden die Menschen in Maria eine Gleichgesinnte: Da sie selbst nur ein einfaches Mädchen aus dem Volk war, konnten sich viele Menschen sehr leicht mit ihr identifizieren. Aufgrund dieses geschichtlichen Kontextes mag es nur verständlich sein, warum gerade die Maiandachten in dieser Zeit einen so großen Zulauf erhielten.

Früher gab es gleich mehrere Zeiten im Kirchenjahr, in denen Marienverehrung besonders groß geschrieben wurde. Sehr alt ist der Brauch des „Mariendreißigers“ vom 15. August bis zum 14. September. Marienmonate sind der Mai und der „Rosenkranzmonat“ Oktober.

Wenn sich die Gläubigen im Mai versammeln, um miteinander in Maiandachten auf Maria zu schauen, dann ist das mehr als ein Ausdruck der Volksfrömmigkeit. Denn Maria zeigt uns, wie ein gutes christliches Leben gelingen kann. Von ihr können wir lernen, was es heißt, unser Leben Gott anzuvertrauen und auf Christus zu hören. Zusammen mit Maria schauen wir auf ihren Sohn, zusammen mit ihr glauben wir an Gottes unverbrüchliche Liebe, die er uns zuhöchst in Christus erwiesen hat. Maria ist uns ein Vorbild im Glauben. Sie wird selig gepriesen als jene Frau, die geglaubt und sich ganz und gar Gottes Heilsplan anvertraut hat. Deshalb können wir auf sie blicken und von ihr lernen, was es heißt, ein christliches Leben zu gestalten. Fabian Brand (KNA) / Red.

 

Reichhaltiges Liedgut

Das reichhaltige Liedgut der Maiandachten schöpft aus älteren Quellen, fußt auf Hymnen, Litaneien, biblischen Motiven aus dem Alten und Neuen Testament und einer langen Tradition der Marienmystik, die bis in die Zeit der Kirchenväter zurückreicht. Blumen und Blüten symbolisieren Maria in ihrer Gnadenfülle, sie wird als die schönste aller Blumen, als Rose ohne Dornen u. a. besungen – Ausdruck für die Glaubenswahrheit, dass Maria „durch die Gna­de Got­tes wäh­rend ihres ganzen Lebens frei von jeder persönlichen Sünde geblieben“ ist (Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 493).

Wie für jede andere Form der Marienverehrung gilt auch für die Maiandachten, was der Katechismus der katholischen Kirche über Marienverehrung ganz allgemein sagt: „Was der katholische Glaube von Maria glaubt und lehrt, gründet auf dem Glauben an Christus, es erhellt aber auch den Glauben an Christus“ (Nr. 483).