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Damit Gott kommen kann

Foto:  eyetronic - stock.adobe.com

Wort zum Sonntag von Bischof Alois Schwarz. Mit dem heutigen Sonntag beginnt die Adventzeit. Und man erwartet, dass es jetzt mit der Vorbereitung auf Weihnachten beginnt. Und dann hört man in der Liturgie der Kirche, in den Sonntagslesungen der heiligen Messe, was der Prophet Jesaja über Juda und Jerusalem geschaut hat. Eine Vision, dass viele Völker zum Berg des Herrn nach Jerusalem ziehen. Und dass die Menschen ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Genau das wäre auch für so manche Staaten notwendig und eine friedvolle Botschaft: „Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ Also gut miteinander umgehen. Das gilt wohl auch für die kleinen zwischenmenschlichen Kriege und Auseinandersetzungen.

Paulus, der an die Gemeinde in Rom schreibt, ist sich gewiss, dass jetzt das „Heil uns näher ist, als zu der Zeit, da wir gläubig wurden“. Wenn das für den Advent gilt, dann sollten wir auch, wie der Apostel weiter schreibt, die „Werke der Finsternis“ ablegen und „ehrenhaft leben wie am Tag“, und er verdeutlicht dies so: „ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht!“ Das ist wahrscheinlich ein ganz anderes Adventprogramm als manche sich gedacht haben.

Entschieden anders leben

Advent heißt Ankunft und damit sind wir dann gleich konfrontiert, wenn wir das Evangelium des Sonntags lesen und Jesus zuhören, wie er zu seinen Jüngern von der Ankunft des Menschensohnes spricht. Er meint das Ankommen Got­tes in unserem Leben. Und wir horchen auf, wenn Jesus uns an Noach erinnert und die Tage der großen Flut. Als warnendes Beispiel dient das Verhalten der Menschen zur Zeit des Noach vor der Sintflut. Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging und ahnten nichts, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte. Die Jünger sollen wachsam sein. Manchmal leben auch wir, als ginge es um nichts. Essen und trinken wir, um bloß unseren Organismus zu erhalten, oder entdecken wir, dass es dabei um eine Gabe Gottes geht, in der er mir ein Zeichen gibt, dass ich einmal eine letzte Gabe meines Gottes empfangen werde? Heiraten Menschen, um sich gegenseitig vertraglich abzusichern, oder um sich gegenseitig mit ihrer Liebe ein Zeichen zu werden von einer Liebe, in die wir alle einmal endgültig hineingenommen werden? Das ist ein anderes Heiraten als das, in dem Menschen einander genügen wollen und nicht mehr offen sind für das Verlangen, das erst in der Vereinigung mit Gott zu einer erfüllten Ruhe kommen kann.

„Haltet euch bereit!“

Wir können unsere tägliche Pflicht tun als lästige Aufgabe oder als ein Bemühen, den Willen Gottes zu erfüllen und ihm mit meinem Leben eine Antwort auf seine Liebe zu geben. Ist mein Tun ausgerichtet auf eine Ankunft Gottes in meinem Leben? Wie wir etwas tun, entscheidet, ob wir in den Advent als Zeit der Gnade eintreten oder nicht. Eine Kerze kann ich der gemütlichen Stimmung wegen anzünden, oder überhaupt gleich alle Lichter, oder mit der Sehnsucht, dass wir uns an das Licht der Liebe Gottes für die Dunkelheit des Lebens in einer von künstlichem Licht erfüllten Umgebung erinnern.
Mit einem in sich verständlichen kleinen Gleichnis wird der Gedanke der Ungewissheit der entscheidenden Stunde vertieft. Gott kommt zu einer Stunde, in der wir es nicht erwarten. Das erfordert von uns: Haltet euch bereit. Wachsam leben ist eine Einladung, ein Appell, oder eine Empfeh-
lung Jesu.

Es geht im Advent um mehr, als bloß die Tage gut zu überstehen.
Wir dürfen unserem Gott entgegen­gehen. Seid also wachsam!