„Da steckt die Liebe zu Gott drin“

Foto: Wolfgang Zarl

Die diözesane Stelle für liturgische Paramente in St. Pölten hat seit 1872 den Auftrag, Textilien, die in der Liturgie und in unseren Kirchen verwendet werden, zu restaurieren und herzustellen. In dieser Form ist die Einrichtung einzigartig in Österreich. „Kirche bunt“ hat sich bei den Mitarbeiterinnen umgesehen, wie sie die Paramente bearbeiten und für die nächsten Jahrzehnte oder Jahrhunderte retten.

Alte Messgewänder, stolz getragene Prozessionsfahnen, Altartücher oder farbenfrohe Stolen: In der Diözese St. Pölten kümmern sich Ordensfrauen liebevoll um die Textilien, die in unseren Pfarren verwendet werden und in die Jahre gekommen sind. Manches muss aufwändig res­tauriert werden, anderes muss neu hergestellt werden. 

Über zu wenig Arbeit kann sich Sr. Bernadette Hofer, Leiterin der St. Pöltner Paramenten-Stelle, nicht beklagen. Größere Aufträge gebe es etwa dann, wenn ein neuer Pfarrer den in der Pfarre vorhandenen Fundus an Paramenten durchstöbert und aussortiert. Derzeit arbeiten vier Ordensfrauen – zwei aus Österreich und zwei aus Indien – sowie zwei weitere Näherinnen dort. 

Beim Besuch von „Kirche bunt“ bei der Paramentenstelle kommt aus der Pfarre St. Pölten-Viehofen eine Fronleichnamsfahne zum Restaurieren herein, dann wird aus Erlauf ein Baldachin (Fronleichnams-Himmel) ausgebreitet und – aber das soll eine Überraschung bleiben –, bestellen Pfarrangehörige eine bunte Stola zum Jubiläum ihres Priesters. 

Nach biblischen Vorgaben werden die Motive gestickt: vom brennenden Dornbusch über die eucharistischen Zeichen von Fisch und Weinstock bis hin zu Darstellungen des Kreuzes. Bei Interesse kann unter der Anleitung der Schwes­tern selber gestickt werden. Das taten etwa manche Ehefrauen oder Mütter der neugeweihten Diakone der letzten Jahre. Die Paramentenstelle in St. Pölten ist ziemlich einzigartig in Österreich, sagt Sr. Bernadette. Die Kundschaft reiche weit über die Diözese St. Pölten hinaus. 

Ihr ist es ein Anliegen, die Messgewänder richtig aufzubewahren, oft fehle Priestern dafür aber die Zeit. Die Gewänder sollten hängen und nicht aufeinander gestapelt in engen Sakristei-Kästen liegen. Die Stifte oder die Wallfahrtsbasilika Maria Taferl seien da vorbildhaft. Auch Motten oder Feuchtigkeit könnten zum Problem werden. Viel, was man bringt, habe unter Schmutz gelitten. 

Ein großer Wunsch der Schwes­tern ist es, so viel wie möglich von alten Textilien zu erhalten und diese wenn nötig mit neuem Stoff zu kombinieren. Mühevoll wird händisch gerettet, was zu retten ist. „An manchen Stücken wird bis zu vier Wochen gearbeitet“, erzählt Sr. Bernadette. Ein Beispiel: Bei Messgewändern müssen oftmals die Vorderseiten restauriert werden, weil das unzählige Anstreifen am Altar zu Abnützungen führt.

Die Schwestern sagen: „In diesen alten Textilien steckt die Liebe der Menschen zu Gott drinnen.“ Es sei schön, wenn diese alten Paramente für viele weitere Jahre bestehen können. Sie bewundern überdies, welch schöne Werke man in früheren Jahrhunderten geschaffen habe. 

Einladung zu Exkursionen

Die Stelle des Bistums für liturgische Paramente in St. Pölten wurde 1872 gegründet. Die Aufgaben sind die Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes und die Erzeugung würdiger Paramente. Zum Zweck der Anbetung wurde die Herz-Jesu-Kirche in der St. Pöltner Karl Renner-Promenade erbaut und 1885 eingeweiht. Im Jahr 1895 wurde die Paramentenstelle von den franziskanischen Schulschwestern von Amstetten übernommen. 

Sr. Bernadette lädt Interessierte zu Exkursionen in ihre Werkstatt: Firmlinge, Senioren, Gruppen der Katholischen Frauenbewegung oder Mesner seien gern gesehene Gäste. Anmeldung:  Tel: 02742/72 075 oder Mail:  . Wolfgang Zarl

 

Bedeutung und Verwendung von Paramenten

Der Begriff Paramente bezeichnet alle im Gottesdienst verwendeten Gebrauchs- und Ausstattungsgegenstände aus Stoff. Er stammt vom lateinischen „parare“, was so viel wie bereiten bzw. schmücken bedeutet. Man unterscheidet zwischen Textilien zur Ausstattung des Altars und des Kirchenraums, liturgischen Gewänder und Stoffen mit besonderen Funktionen wie Handtücher und Fahnen.

Die Kleider, die die Geistlichen beim Gottesdienst tragen, gehen auf die weltliche Kleidung der griechisch-römischen Antike zurück. Sie richten sich in Farbe und Ausstattung nach den Zeiten des Kirchenjahres. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) waren in der westlichen Liturgie festliche Hochämter mit vier Geistlichen weit verbreitet. Der Hauptzeleb­rant trug über dem weißen Unterkleid, der Albe, eine kunstvoll geschmückte Kasel, die den ganzen Körper bis zum Boden bedeckte. Die Form der Kasel hat sich über die Jahrhunderte stark verändert. Diakon und Subdiakon tragen Dalmatika und Tunicella: Gewänder mit einem anderen Schnitt, die aber in Farbe und Ausstattung auf die Kasel bezogen sind. Der vierte Geistliche trug einen dazu passenden Chormantel. Dieser war ursprünglich ein Regenmantel, daher der Name Pluviale. Das ganze Ensemble dieser vier Gewänder nennt man „Kapelle“. Nach dem Konzil wurden solche Messgewänder und die sons­tigen Paramente in Frage gestellt. Forderungen nach einer Abschaffung, totalen Neugestaltung oder radikalen Vereinfachung setzten sich auf Dauer nicht durch.

Auch heute gilt, dass die unterschiedliche liturgische Kleidung im Gottesdienst nicht nur den festlichen Charakter der liturgischen Feier hervorheben soll, sondern vor allem auch  auf die verschiedenen Funktionen derer hinweist, die einen besonderen Dienst versehen. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Schnitt- und Machart charakterisieren sie besonders die Dienste von Diakon und Priester: Diakone tragen die Querstola und die Dalmatik, Priester die über beide Schulter herabhängende Stola und das Messgewand. In dieser Kleidung bedecken und verdecken sie die Individualität des Amtsträgers; sie bergen und verbergen den im Namen und Auftrag Christi handelnden Priester bzw. Diakon als „Privatperson“. Die Zeichenhaftigkeit des gottesdienstlichen Gewandes liegt also in der Verhüllung und Enthüllung der Gegenwart Christi.