Brief an die Jugend - von Lukas Reichard

Jeder Mensch hat seine Berufung. Liebe Jugendliche! Ich wuchs in Arbesbach im Bezirk Zwettl bei meinen Eltern, meinem Großvater und meinen beiden Geschwis­tern auf. Meine Eltern führen dort einen großen Einzelhandels-Familienbetrieb. Ich absolvierte in meinem Heimatort die Pflichtschuljahre und diente der Pfarrgemeinde viele Jahre als Ministrant und nach wie vor, wenn ich zuhause bin, als Organist.

Der Gedanke, Priester werden zu wollen, und die persönliche Überzeugung, dass es der Wille Gottes ist, kam mir bereits mit ungefähr zehn Jahren. Es begann damit, dass ich während des Ministrierens bei einer heiligen Messe einen vom Heiligen Geist erfüllten Moment erleben durfte, bei dem mich der Herr ganz persönlich in seine „engere Nachfolge“ eingeladen hat. In dieser Zeit hatte ich bereits einen guten pries­terlichen Freund, der seine Pension in Arbesbach verbrachte und mich hinsichtlich des Gedankens, Priester werden zu wollen, begleitete. Was ich diesem für mich heiligmäßigen Priester niemals vergessen werde, ist, dass er mir damals schon dazu verhalf, in das tägliche geistliche Leben intensiver hineinzuwachsen. Vor allem seine Treue als Priester prägte mich sehr. Nicht zu vergessen sind meine Familie und zahlreiche andere Katholiken aus meiner Pfarre, die mich vor allem mit ihrem Gebet und ihrem Zuspruch unterstützten und dies auch weiterhin tun.

Nach der Hauptschule absolvierte ich in Zwettl bei den Franziskanerinnen Amstetten die Fachschule für wirtschaftliche Berufe. Nach meiner Ausbildung startete ich meinen Weg zum Priestertum als Seminarist für die Diözese St. Pölten im Studienjahr 2016/17 und absolvierte in diesem Jahr im Priesterseminar Linz das sogenannte „Propädeutikum“, ein verpflichtendes Einführungsjahr für Priesterkandidaten, in dem es darum geht, die eigene Berufung abzuklären und vor allem für den Studienalltag im Priesterseminar vorbereitet zu werden. Nach dem Einführungsjahr wurde mir von unserem „Episcopus Emeritus“ DDr. Klaus Küng erlaubt, im Studienjahr 2017/18 das Theologiestudium im Priesterseminar „Leopoldinum“ und an der Päpstlichen Hochschule in Heiligenkreuz zu beginnen, wo ich derzeit noch studiere. Parallel zum bisherigen Studium in Heiligenkreuz absolvierte ich die Studienberechtigungsprüfung an der Karl-Franzens-Universität Graz.

Ich kann nur jedem empfehlen, der eine Berufung spürt, dieser nachzugehen und sie abzuklären. Vor allem ist es wichtig, sich mit einer Haltung der Demut auf den Weg zu begeben, denn die Bestätigung, ob eine Berufung echt ist, kommt durch die Kirche, da niemand einen Anspruch darauf hat, Priester zu werden. Jeder Mensch, jeder Getaufte hat seine Berufung, deshalb geht zum Tabernakel, zu Jesus, unserem Heiland, und bittet ihn und seine Mutter, dass sie Euch Eure Berufung zeigen. Ich wünsche Euch Gottes Segen und bitte Euch um Euer Gebet, damit ich ein guter Priester werde! Vergelt’s Gott dafür!

 


Der Autor

Lukas Reichard, 21, stammt aus der Pfarre Arbesbach. Er studiert an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz Theologie und lebt als St. Pöltner Priesterseminarist im Erzbischöflichen Priesterseminar in Wien.