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Brannte nicht unser Herz?

Konzertkritik von Franz Reithner, Orgelreferent der Diözese St. Pölten, zum Konzert „Sounds of Africa“. Fulminante A-capella-Kultur des Cape Town Opera Chorus begeisterte das Publikum im letzten Konzert des Festivals „Musica Sacra“ im Dom zu St. Pölten. Ein dichtes Gewebe aus geistlicher Musik europäischer und afrikanischer Provenienz, leidenschaftlich vorgetragen von sechs Frauen und sechs Männern, riss die Zuhörer zu frenetischem Applaus hin. Chorleiter Marvin Kernelle führte sein Ensemble mit sparsamen Bewegungen, nahm sich bisweilen ganz zurück und pass­te die Aufstellung der Ausführenden immer wieder der Kompositionsstruktur an. In Knut Nystedts Motette „Immortal Bach“ verteilten sich die Sänger überhaupt im ganzen Dom und ließen die Idee vom Stillstand der Zeit im Choral „Komm süßer Tod“ unmittelbar hör- und fühlbar werden.

Überaus farbig wirkten die Kompositionen aus verschiedenen südafrikanischen Traditionen: rhythmisch mitreißend angelegt, mit hör- und sichtbarer Bewegung vorgetragen, übertrug sich der Schwung auf das Publikum, das begeistert Zugaben forderte. Den emotionalen Gebetstexten entsprechend reichte die Ausdruckspalette des Chores von der gospelinspirierten, chorbegleiteten Soloklage bis zum kollektiven Jubel über das himmlische Jerusalem. Ihre kompositorische Dichte stand den Klassikern von Giovanni Pierluigi da Palestrina und William Bird, aber auch den Werken der nordischen Zeitgenossen Arvo Pärt und Kim Arnesen um nichts nach. Großer romantischer Chorklang, dem auch ein kontrolliertes Vibrato nicht fremd war, ließ Anton Bruckners berühmtes achtstimmiges „Ave Maria“ zum tiefen Erlebnis werden. Innig gelang die Darstellung der Sehnsucht nach Gott aus den Psalmversen „Sicut cervus desiderat“, demütig die Bitte um Vergebung in der Antiphon „Ave verum corpus“.

Wer Bögen spannt, die von Nordeuropa bis Kapstadt reichen und wesentliche Kirchenmusik der letzten 500 Jahre einschließen, braucht ein solides Fundament: flexibel und belastbar ausgebildete Stimmen, die zu erstaunlicher Homogenität fähig sind, stilistische Wandelbarkeit und eine gediegene Vorbereitung, die das große musikalische Potential der Mitwirkenden formt und sie das ganze Programm auswendig vortragen lässt. All das schenkte der Cape Town Opera Chorus seinem Publikum im Dom, der sich einmal mehr als idealer Ort erwies, um brennende Herzen zu erleben, die das eigene Herz entflammen.