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Auf dem Schulweg einst und heute

Der Schulbeginn naht und bald machen sich die Kinder wieder auf den Weg zur Schule. Der Schulweg heute unterscheidet sich sehr von früheren Zeiten. Viele ältere Menschen erinnern sich noch genau und gerne daran.

Auf der kleinen Straße vor der Schule drängen sich die Autos, manche stehen sogar auf dem Gehsteig. Kinder hüpfen aus dem Auto und verschwinden gleich im Schulgebäude. Zehn Minuten nach Schulbeginn herrscht wieder Stille in den Gassen rund um die Schule.

Die Eltern wollen, dass ihr Kind sicher zur Schule kommt – und manche ziehen daraus den Schluss, dass es am besten mit dem Auto zur Schule gebracht wird. Sie möchten ihre Kinder nicht den Gefahren des Straßenverkehrs aussetzen, dazu kommt der Zeitdruck in der Früh – es eilt. So kommt es, dass in Österreich jedes fünfte Kind mit dem Pkw zur Schule gefahren wird. 

Weite Wege – meist zu Fuß

Frühere Generationen erlebten in ihrer Kindheit den Schulweg auf ganz andere Weise: Viele mussten weite Wege zurücklegen – meist zu Fuß. Dafür ging man selten allein, sondern meist mit anderen Kindern gemeinsam. Der Weg hielt Abenteuer, Erfahrungen mit der Natur, Begegnungen und kleinere Abstecher bereit – ein Schulweg voller Gefühle: vom Mut, in den Wald hinein zu gehen, bis hin zur Freude, wenn man einen Bekannten traf. Der Schulweg ermöglichte Freiheit – er war eine der ersten Reisen in die „Welt“ hinaus. Diese Erfahrungen spiegeln sich in den Erzählungen vieler älterer Menschen wider.

So gesehen  war und ist der Schulweg eine wichtige Lernerfahrung: Das Kind ist nicht mehr in der Familie und noch nicht in der Schule – es übt Selbständigkeit. Das Kind bewegt sich an der frischen Luft, erlebt und erforscht eigenständig seine Umgebung, begegnet Menschen und lernt, wie man sich im Straßenverkehr verhalten muss. 

Für heutige Eltern, die ihrem Kind einen Schulweg ermöglichen, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus, ist Sicherheit ein wichtiges Thema. Den Schulweg noch in den Ferien mehrmals zu üben, rät der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) Eltern von Kindern bis zum 12. Lebensjahr. Dabei sollten sie nicht nur auf Gefahren hinweisen, sondern auch auf die Möglichkeiten des Weges und auf Orientierungspunkte. Für Schulanfänger sollte nicht der kürzeste, sondern der am besten für ein Kind geeignete Weg gewählt werden: möglichst wenige Autos und Straßenüberquerungen, langsamer Verkehr, Schülerlotsen vor Ort, Straßen mit Zebrastreifen und Verkehrsinseln. Für ältere Kinder eignet sich das an manchen Schulen durchgeführte Projekt „Bikeline“, bei dem sich die Schüler morgens an bestimmten Stellen treffen, um dann gemeinsam mit dem Rad zur Schule zu fahren. – ph

 

Mein Schulweg damals

Ich bin im Jahr 1973 eingeschult worden, da war ich fünf Jahre alt. Mein sechster Geburtstag war im Oktober. Meine Familie wohnte auf einer Anhöhe, etwa vier Kilometer vom Dorf entfernt. Weil es noch keinen Schulbus gab, der mich von der Schule im Dorf nach Hause hätte bringen können, ging ich die Strecke im ersten Schuljahr zu Fuß. 

Ich war bis zu eineinhalb Stunden unterwegs, ein kleines Stück ging ich mit einem Schulkameraden, das größere alleine. Nach einem Kilometer wohnte ein älteres Ehepaar, bei dem ich ein wenig rasten konnte und oft einen Saft oder einen Keks bekam. Die beiden warteten oft schon auf mich. Nach der Rast ging der Weg bergauf; ich ging auf einer Straße, die damals noch wenig befahren war. Die Autos und Lastwagen waren damals lauter als heute und wenn ich eines hörte, wich ich auf die Wiese aus.

Am Weg war eine Quelle, aus der ich meis­tens trank – ein Fixpunkt auf meinem Weg. Manchmal ging ich ein Stück in den Wald oder folgte einem kleinen Bach. Es gab damals noch Fische im Bach und ich kannte die Stellen, wo welche zu finden waren. Ich sah Blindschleichen und naschte Erdbeeren, die auf der Böschung wuchsen.

Ich habe sehr angenehme Erinnerungen an meinen Schulweg. Ich spielte und erlebte die Natur in allen Jahreszeiten. Im Winter ging ich manchmal bei Schnee und auch, wenn es regnete. Das hat mich als Kind nicht gestört. Nur ein einziges Mal stürmte es so stark, dass mich der Mann des Ehepaares nach Hause begleitete. – Manfred