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875 Jahre Stift Altenburg

Im heurigen Jahr werden im Stift Altenburg alle jene für das Kloster bedeutsamen Tage in besonderer Weise begangen, denn man feiert das 875-jährige Bestehen. 1144 hat Gräfin Hildburg von Poigen das Kloster Altenburg gestiftet. Seit damals ist es ein Ort des Gebets, der Liturgie und der Gottesbegegnung.

So schwierig manche geschichtliche Epochen seit damals auch waren, so widrig manche äußeren Umstände, so unbeugsam war auch stets der Lebenswille unserer klösterlichen Gemeinschaft und der mit ihr verbundenen Menschen“, mit diesen Worten blickt Abt Thomas Renner auf die wechselvolle Geschichte des Stiftes Altenburg zurück und lädt zu den Feierlichkeiten im heurigen Jahr ein.

Ein Stift in der Stille des Nordwaldes

1144 stellte Bischof Reginbert in Krems die Gründungsurkunde aus. Sie besagt, dass Hildburg aus dem Geschlecht der Grafen von Poigen-Rebgau mit ihrem Sohn Hermann auf ihrem Gut Altenburg ein Kloster gegründet habe und es der Bischof in seinen besonderen Schutz nehme. Die ersten zwölf Mönche des neuen Klosters kamen aus St. Lambrecht in der Steiermark. Dies war der Beginn des christlich-benediktischen Lebens in der Stille des Nordwaldes am Ort der „alten Burg“ der Herren des Poigenreiches, wie die Horner Grafschaft im Mittelalter genannt wurde. Von Anbeginn besaß das Stift die Pfarre Horn. Bis 1251 kamen im Horner Becken alle Pfarren mit Ausnahme von Neukirchen a. d. Wild an das Stift.

Nach der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg ging man im 17. und 18. Jahrhundert daran, die Klos­teranlage zu sanieren. Unter Abt Benedikt Leiß (1648-1658) wurde das alte Klos­ter aufgegeben, um es in neuer, größerer und der Zeit entsprechender Weise wiederaufzubauen.

Das „Trogerstift“

Abt Maurus Boxler und Abt Placidus Much sorgten schließlich für jene beeindruckende Anlage, die heute bewundert werden kann. Besonders der kunstsinnige Abt Placidus Much versammelte die besten Handwerker und Künstler seiner Zeit in Altenburg. Der Baumeister Joseph Munggenast und die Maler Paul Troger und Johann Jakob Zeiller schufen die weitläufige Klos­teranlage mit ihren beeindruckenden Fresken und Wand­malereien. Mit gleich zehn Deckenfresken von Paul Troger wird Stift Altenburg auch als „Trogerstift“ bezeichnet.

Das Stift Altenburg durchlebte schwierige Zeiten: die Reformation, der Dreißigjährige Krieg, die Zeit Josephs II. oder die Weltwirtschaftskrise forderten einen hohen Tribut. In der NS-Zeit wurde das Kloster 1940 aufgehoben und 1941 enteignet, der Abt verhaftet und der Konvent ausgewiesen. Ab 1945 diente das Kloster für 2000 Mann der russischen Besatzungsmacht als Unterkunft. Unter Abt Maurus Knappek (1947-1978) wurde aus der „Ruine“ wieder ein Kloster. Seither wird ständig renoviert, restauriert und investiert.

Heute leben im Stift Altenburg neun Mönche, die ihre je eigenen Charismen verwirklichen und ihre täglichen Arbeiten in der Seelsorge in acht Pfarren, in der Schule und in den Wirtschaftsbetrieben verrichten. Bekannt ist das Stift auch für seine Sängerknaben. Altenburg ist das letzte Stift in Nieder­österreich, das noch ein Sängerknabeninstitut unterhält.

Das Kloster selbst ist Anziehungspunkt für rund 40.000 Besucher jährlich. Die Stiftskirche, die imposante Kaiserstiege, die 50 Meter lange Stifts­bibliothek, aber auch die mittelalterliche Klosteranlage, die bei archäologischen Ausgrabungen unter dem barocken Kloster entdeckt wurde, gehören wohl zum Pflichttermin jedes Besuches. Berühmt ist Altenburg aber auch für seine Stiftsgärten, zu denen u. a. auch der „Garten der Religionen“ oder der „Garten der Stille“ gehören.

Seit 2018 ist Altenburg um einen außergewöhnlichen Kunstschatz reicher: die Sammlung Arnold. Die mit mehr als 200 Gemälden wichtigste Barocksammlung Österreichs in Privatbesitz ging als Schenkung des Innsbrucker Sammler-Ehepaares Herta und Konrad Arnold an Stift Altenburg und wird im Rahmen einer neuen Dauerausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Für die einzigartige Sammlung wurden bisher nicht zugängliche Galerieräume im Kaisertrakt adaptiert. So kann man heute im Stift (weitere) Werke von Paul Troger, aber auch von Johann Michael Rottmayr oder Martin Johann Schmidt, dem berühmten Kremser Schmidt, bewundern.

Abt Thomas Renner lädt zu den heurigen Feierlichkeiten ein: „Seit 875 Jahren darf nun unser Kloster ein Ort des Gebetes, der Liturgie und der Gottesbegegnung sein. Wir wollen dieses Jubiläum zum Anlass nehmen, um mit allen Menschen, die uns verbunden sind, Gott zu danken für diese lange Zeit des Bestehens unserer klös­terlichen Gemeinschaft.“

 

 

Schule für den Dienst am Herrn

Abt MMag. Thomas Renner OSB trat 1994 in das Stift Altenburg ein und wurde am 17. Jänner 2014 zum 52. Abt des Stiftes gewählt.

Stift Altenburg feiert heuer sein 875-jähriges Bestehen. Was verbinden Sie mit dem Jubiläum?
Abt Thomas Renner: Dankbarkeit, denn es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Stift so eine lange Zeit hindurch besteht. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Stift Glanzzeiten erlebt, aber auch Tiefpunkte, wo man geglaubt hat, man steht vor dem Ende, wie z. B. nach dem 30-jährigen Krieg oder nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Zahl der Mönche ganz niedrig war und das Stift wirtschaftlich darnieder lag. Aber der liebe Gott hat doch immer wieder gezeigt, dass hier eine Schule für den Dienst am Herrn ist und dass es weitergeht.

Wo liegt heute die Aufgabe des Stiftes?
Abt Thomas Renner: Die Aufgabe eines Stiftes sehe ich vor allem darin, ein spiritueller Ort zu sein – das Wichtigs­te ist der Gottesdienst, das Gebet und bei uns war es auch immer schon die Seelsorge. Wir sind eine Gemeinschaft von neun Mitbrüdern und betreuen sechs inkorporierte Pfarren und zwei Diözesanpfarren. Dazu haben wir ein lebendiges kulturelles Angebot mit Allegro Vivo, der Musikakademie und vor allem mit den Altenburger Sängerknaben – wir sind ja das letzte Stift in Niederösterreich, das noch ein Sängerknabeninstitut hat. Im Vorjahr haben wir die Sammlung Arnold eröffnet – mit über 200 außergewöhnlichen barocken Gemälden, die uns das Innsbrucker Ehepaar Arnold geschenkt hat.

Sind Sie zufrieden, wie das Stift heute dasteht?
Abt Thomas Renner: Wir können zufrieden sein – sowohl wirtschaftlich wie auch personell. Im vorigen Jahr traf ich unseren Primas in Rom und er sagte: Wenn du ein Kloster hast mit drei, vier Leuten, die Klosterleben wollen, dann genügt das schon, dann hast du Kloster. Es gibt immer wieder sehr ernstliche Anfragen – diese Männer laden wir gerne zum Kennenlernen ein. Man schaut, was sich daraus entwickelt. Grundsätzlich ist es aber so, dass ein Stift keine Versorgungsstelle ist, jeder, der bei uns eintritt, hat das Seinige zum Klosterleben zu leis­ten. Wir haben auch eine Oblatengemeinschaft, in der sich einige Frauen und Männer der Klostergemeinschaft angeschlossen haben.

Warum haben Sie sich als Wiener für das Stift Altenburg entschieden?
Abt Thomas Renner: Meine Mutter stammt aus Altenburg und ich kannte das Stift von vielen Besuchen. Als mir klar war, dass ich Priester werden wollte, stand ich vor der Frage, ob ich Welt- oder Ordenspriester werden soll. Da hat meine Tante, die damals Putzfrau im Stift Altenburg war, gesagt: ,Komm zu uns, wir brauchen eh ein paar Junge.‘ Ich hab mir dann einige Klöster angeschaut, kam aber immer wieder auf Altenburg zurück. Es hängt viel davon ab, wo man sich zu Hause fühlt und wo man mit den Mitbrüdern kann. Man muss sich ein Stück weit in die Gemeinschaft und in das konkrete Haus verlieben. Sop

 

 

Termine

Im Laufe des heurigen Jahres wird das 875-Jahr-Jubiläum des Stiftes Altenburg mit zahlreichen Festmessen, Feierlichkeiten und Konzerten begangen. Folgend die Termine im Juni, Juli und August. Alle weiteren Termine finden Sie auf der Homepage des Stiftes unter: www.stift-altenburg.at.

2. Juni, 10 Uhr: Weihetag der Stiftskirche; Pontifikalamt mit Bischof Alois Schwarz. Der Kirchenchor St. Florian, Wien, singt die „Missa solemnis in C-Dur“ von W. A. Mozart.

9. Juni, 10 Uhr: Pontifikalamt mit den Altenburger Sängerknaben.

15. Juni, 7.15 Uhr: Das Stift feiert den heiligen Vitus, den zweiten Patron des Klosters. Musik für zwei Orgeln.

16. Juni, 10 Uhr: Konventmesse mit den Altenburger Sängerknaben um 10 Uhr. Sommerkonzert der Sängerknaben um 15 Uhr.

25. Juli, 18.30 Uhr: 875. Stiftungstag des Klosters. Festliche Musik für Orgel und Blechbläser.

15. August, 10 Uhr: Mariä Himmelfahrt, Patrozinium der Stiftskirche, Pontifikalamt mit „Cappella Albertina Wien“.