Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Wort zum Sonntag - von Sr. Ulrike Schaussberger

Foto: sonya etchison - stock.adobe.com

Von Gott überwältigt. Manchmal gibt es Ereignisse im Leben, die ganz anders verlaufen, als wir es uns erwartet haben. Wir planen und investieren, machen uns Sorgen – und dann eine plötzliche Kehrtwende zum Positiven. Zufall sagen die einen – Geschenk von oben sagen die anderen.

Die biblische Erzählung am heutigen Festtag ist eine ungewöhnliche Glaubensgeschichte. In den wenigen Worten, die heute aus dem Lukas-Evangelium vorgelesen werden, wird uns von der Geburt eines Kindes erzählt, das dem alten kinderlosen Ehepaar Elisabeth und Zacharias geschenkt wurde.

Gott hat Zacharias überwältigt

In den Versen 5-25 des 1. Kapitels, die heute nicht verlesen werden, hören wir, warum Zacharias stumm geworden ist. Der Engel Gabriel verheißt ihm einen Sohn. Doch Zacharias zweifelt. Er hat es längst aufgegeben zu hoffen, dass auch ihm ein Nachkomme geschenkt wird. Aber Gott hat mit ihm Erbarmen. Gott lässt sich von den Zweifeln des Zacharias nicht abschütteln; er mutet sich ihm zu. Weil aber dieser nicht glaubt, wird er stumm. Ein starkes Zeichen! Gott hat ihn überwältigt und das nimmt ihm die Sprache. Zacharias braucht diese Zeit der Einkehr, um glauben zu können, dass auf Gott Verlass ist.

Manchmal geschehen auch in unserer Zeit und in unserem Umfeld Zeichen und Wunder, die wir nicht deuten können. Sie geschehen unbeachtet bei einzelnen Menschen, in Familien, in der Gesellschaft und in den Pfarrgemeinden. Gott lässt sich nicht abschütteln. Teresa von Avila sagt: „Gott wird nicht müde zu geben, und seine Erbarmungen sind unerschöpflich. Werden auch wir nicht müde zu empfangen.“ Ja, Gott gibt; aber sind wir bereit zu empfangen?

Über die Geburt des Kindes und die besonderen Umstände freuen sich Verwandte und Nachbarn mit. In Erstaunen versetzt werden aber alle bei der Beschneidung und Namensgebung. Elisabeth widersetzt sich der Tradition, dem Kind einen Namen aus der Familie zu geben: „…er soll Johannes hei­ßen“. Sie weiß, warum! An der Namensgebung gibt es für Elisabeth nichts zu rütteln. Und der Vater des Kindes bekräftigt schriftlich: „Sein Namye ist Johannes“ (= „Gott ist gnädig“). Ja, Gott ist gnädig! Jetzt wird Zacharias die Zunge gelöst und er kann wieder reden. Er lobt Gott, der alle seine Erwartungen übertroffen hat.

Was wird wohl aus diesem Kind werden?

Nicht nur die Menschen im Evangelium stellen ob der besonderen Ereignisse diese Frage. Ich hab sie mir auch als Kindergartenpädagogin oft gestellt. Im Suchen nach pädagogischer Orientierung und in der Bildungspartnerschaft mit Eltern ist mir der Text von Khalil Gibran sehr „wert-voll“ geworden.

„Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht …“
Dieser Text ist ein spiritueller und pädagogischer Weisheitstext, der es verdient, durchbuchstabiert zu werden. Als Eltern und ErzieherInnen müssen wir uns immer bewusst sein, dass Kinder „die Sehnsucht des Lebens nach sich selber“ sind. Kinder kommen von den Eltern, sie haben die Pflicht, für sie zu sorgen; aber sie sind nicht ihr Besitz. Denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen … Auch die Eltern von Johannes dem Täufer werden in ihrem Leben diese Erfahrung machen müssen. Die Seele von Johannes wohnt im Haus von morgen, das Gott für ihn vorgesehen hat, um einmal auf den hinzuweisen, der größer ist als er, auf Jesus.

 

Von den Kindern

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind,
gehören sie euch doch nicht.
Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr könnt ihren Körpern ein Haus geben,
aber nicht ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt.
Khalil Gibran († 1931)

 

Die Autorin

Sr. Ulrike Schauss­berger leitet das diözesane Kindergartenreferat und ist Mitarbeiterin in der Dompfarre St. Pölten für den Bereich Kinderwortgottesdienst.